Sichere Schulwege sind der Lindauer Polizei wichtig

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Sooo nicht: Für Erwachsene wie Schüler heißt es „Rad schieben“ auf dem Weg zur Hinteren Insel. In den Augen der Polizei ist der
Sooo nicht: Für Erwachsene wie Schüler heißt es „Rad schieben“ auf dem Weg zur Hinteren Insel. In den Augen der Polizei ist der Bereich Thierschbrücke derzeit einer der gefährlichsten Schulwegabschnitte in Lindau. (Foto: Christian Flemming)

Sechs Schulwegunfälle hat die Lindauer Polizei im vergangenen Schuljahr aufnehmen müssen. Zwar sind alle recht glimpflich ausgegangen. Doch für Verkehrssachbearbeiter Daniel Stoll ist jeder Unfall einer zu viel. Wenn heute, Dienstag, die Schule in Bayern wieder losgeht, werden er und seine Kollegen deshalb verstärkt auf den Schulwegen präsent sein. Die Lindauer Polizei wird Geschwindigkeiten messen, Handysünder auch auf dem Rad anhalten und schauen, ob Kinder im Auto ordnungsgemäß angeschnallt sind. Als schwierig stuft die Polizei den Schulweg zur Hinteren Insel und den Berliner Platz ein.

Mit dem Fahrrad schnell über den Zebrastreifen düsen und auf dem Gehweg in falscher Fahrtrichtung weiterrollen, das Elterntaxi hält auf dem Radweg vorm Schulhaus, der Nachwuchs sprintet mal quer über die Straße, weil auf der anderen Seite eine gute Freundin läuft... die Lindauer Polizeibeamten kennen viele Situation auf dem Schulweg, die ihnen gelegentlich die Haare zu Berge stehen lassen. Vor allem, wenn Kinder und Jugendliche mit dem Rad zum Unterricht fahren, schleicht sich so manche Sünde ein. So dürfen nur Grundschüler, also Kinder bis maximal zehn Jahre, mit ihrem Rad auf dem Gehweg unterwegs sein. „Ältere Schüler müssen auf dem Radweg fahren“, so Stoll im Gespräch mit der Lindauer Zeitung. Muss die Straße gekreuzt werden, so sollte das Rad über den Zebrastreifen geschoben werden. Auch wenn Erwachsene da manchmal ein schlechtes Beispiel geben und einfach über den Fußgängerüberweg radeln.

Grundsätzlich würde es der Verkehrssachbearbeiter der Lindauer Polizei begrüßen, wenn auf den Hauptschulwegen „die Straßen überall so breit wären, dass Autos und Radler sie gefahrlos zusammen nutzen können“. Da hofft Stoll, dass sich im Zuge des Lindauer Mobilitätskonzepts noch einiges verbessert. Die Ludwig-Kick-Straße beispielsweise weist zwar beidseitig sogenannte Schutzstreifen für Radler auf. Insgesamt betrachtet der Polizeibeamte die Situation dort aber als „grenzwertig“, insbesondere morgens, wenn dort viele Schüler radeln und gleichzeitig der Berufsverkehr rollt.

Berliner Platz für Radler „abenteuerlich“

Einen „Knackpunkt“ in der Stadt sieht Stoll am Berliner Platz: „Für Radler ist der abenteuerlich.“ Auch da hofft der Verkehrsexperte, dass sich möglichst bald im Zuge der Stadtentwicklung die Schulwegsituation verbessert. Baustellenbedingt hat Stoll einen neuen kritischen Punkt auf der Insel ausgemacht: die Engstelle über die Ersatzbrücke auf die Hintere Insel, wo sich die Freie Schule befindet. „Kinder und Jugendliche, die per Rad zur Freien Schule unterwegs sind, müssen auf jeden Fall in Höhe Milchpilz absteigen und ihr Rad über den Gehwegbereich der Ersatzbrücke schieben“, fordert Stoll den Nachwuchs auf.

So weit Grund- und ältere Schüler zu Fuß zum Unterricht unterwegs sind, betrachtet der Polizeibeamte die Schulwege in der Stadt als „überall gut gesichert“. Mit Ausnahme jenes Unfalls, bei dem im vergangenen Schuljahr ein Kind von einem Auto angefahren wurde, weil dessen Fahrer beim Abbiegen den Fußgängerüberweg übersehen hatte, gebe es kaum Probleme zwischen Fußgängern und Autos.

Schwieriger werde es eben, wenn Autos und Radler zusammenkommen – etwa am Aeschacher Kreisel. Wenn Schüler den passieren müssen, weil sie etwa zu Realschule und Gymnasien wollen, dann empfiehlt ihnen Stoll, „den Kreisverkehr mittig zu durchfahren“, weil sie sonst in den toten Winkel von Fahrzeugen geraten können.

Elterntaxis immer häufiger ein Problem

Was nicht nur der Polizei ein Dorn im Auge ist, sind die sogenannten Elterntaxis: „Die wollen ihre Kinder am liebsten direkt an der Treppe der Schultüre absetzen“, beobachten Stoll und seine Kollegen immer wieder. Polizei und Verkehrswacht appellieren an die Familien, den Nachwuchs zum Laufen oder Radeln zu bewegen. Wobei dem Lindauer Verkehrswacht-Vorsitzenden Ulf Müller klar ist: „Die Elterntaxis werden nicht weniger werden.“ Angesichts dessen, dass heutzutage viele Eltern berufstätig sind, kann der pensionierte Schulleiter das bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen: Das sei einfach dem Zeitmanagement geschuldet. „Es ist aber besser für die Kinder, wenn sie laufen oder radeln. Denn der Weg zur Schule ist für sie auch eine Art Aufwärmphase“, gibt Müller zu bedenken.

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