Sekunden liegen zwischen Sieg und Niederlage

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 Erfolgreicher Einstand für EVL-Zugang Fredrik Widén (vorne).
Erfolgreicher Einstand für EVL-Zugang Fredrik Widén (vorne). (Foto: cf)
Sportredakteur

Zumindest vor heimischer Kulisse haben die EV Lindau Islanders ihren Torhunger vom Ende der Hauptrunde in die am Wochenende begonnene Meisterrunde der Eishockey-Oberliga Süd hinübernehmen können. Der 4:3 (2:0, 1:1, 1:2)-Sieg am Freitagabend vor nicht einmal 470 Zuschauern in der Eissportarena im Eichwald gegen die Blue Devils Weiden ging unterm Strich zwar knapp aus. Für Chris Stanley zählte am Ende jedoch nur das Ergebnis. „Ich habe vorher zu den Jungs gesagt: Es ist egal, wie wir zu den drei Punkten kommen. Hauptsache, wir haben die drei Punkte“, sagte der EVL-Spielercoach bei der anschließenden Pressekonferenz im Eisstüble. Das Erfolgserlebnis gegen die Oberpfälzer konnten die Islanders am Sonntag bei ihrem Gastspiel im oberfränkischen Selb nicht fortsetzen. Dort setzte es für die Gäste vom Bodensee eine 2:3-Penaltyniederlage.

Der Sieg zum Auftakt der Meisterrunde gegen Weiden war ein prestigeträchtiger – ging man in den beiden vorangegangenen Partien gegen die Blue Devils ohne Punkte vom Eis. „Die ersten 40 Minuten waren richtig stark von uns. In der Verteidigung haben wir Weiden keinen Raum gegeben. Und in der Offensive waren viele Chancen da“, analysierte Stanley den Spielverlauf. Jan Hammerbauer, Viktor Lennartsson in Überzahl (20.) sowie EVL-Kapitän Andreas Farny (36.), der nach der Langzeitverletzung von Anthony Calabrese in der Zwischenzeit die Topscorerwertung der Lindauer anführt, schossen Lindau zur 3:0-Führung.

Von Beginn an mit dabei: Fredrik Widén, dessen Verpflichtung als Ca-labrese-Ersatz zur Wochenmitte bekannt gegeben wurde. Er brachte die nötige Ruhe und Übersicht in den Verteidigungsreihen, war bei seinen Distanzschüssen im Powerplay torgefährlich und bereitete den 2:0-Treffer seines schwedischen Kontingentkollegen Lennartsson vor. „Er war am Mittwoch und Donnerstag im Training. Du konntest da schnell sehen, welche Fähigkeiten er in die Mannschaft einbringt. Er ist hinten geduldig, geht clever mit der Scheibe um und ist ein guter Schlittschuhläufer“, so Chris Stanley zu den Vorzügen des jüngsten Zugangs.

Da sich mit Widén jetzt zwei Schweden im Kader der Islanders tummeln, sah sich der EVL-Spielertrainer zu einer Maßnahme gezwungen, die er in humorigen Worten bei der Pressekonferenz zum Besten gab: „Ich musste jetzt eine neue Regel in der Kabine vereinbaren. Wir haben da Polnisch, Tschechisch, Schwedisch, Finnisch – das ist zuviel“, schmunzelte Stanley über das sich aufbauende Kauderwelsch der Spielerkollegen. Nun werde nur noch Deutsch und Englisch gesprochen. Das konnte Hallenmoderator Dieter Eibl allerdings nicht davon abhalten, zum Spielbeginn die Ausländer in Reihen in deren Landessprache zu begrüßen. „Varmt välkommen till vara nya svenska förstärkningar i försvar - Fredrik Widén!“ Was soviel heißt, dass Lindau die neue schwedische Verstärkung in der Verteidigung herzlich willkommen heiße. Prompt hob der Genannte beim Einlaufen seinen Schläger. Und bei der Ankündigung von Viktor Lennartsson setzte Eibl noch eins drauf: „Med antalet 62 i laget islänning“ (mit der Nummer 62 im Team der Islanders).

Dass der als sicher geglaubte 3:0-Vorsprung gegen die Weidener im Schlussdrittel noch aus der Hand gegeben wurde und es Santeri Ovaska, der 11,6 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit zum 4:3-Siegtreffer einschob, zu verdanken war, dass die Lindauer alle drei Punkte zu Hause behielten, wunderte Stanley rückblickend überhaupt nicht. „3:0 ist immer eine gefährliche Führungsposition im Eishockey. Das Gegentor zum 3:1 darf einfach nicht passieren.“ Hier spielte er auf den Beginn der Aufholjagd der Oberpfälzer Gästemannschaft an, die Marco Habermann sechs Sekunden vor der zweiten Drittelpause einläutete.

Sascha Paul, sportlicher Leiter beim EVL, schnaufte nach dem Last-Second-Sieg tief durch. „Ganz wichtig“ sei der Dreier gewesen, wodurch die Lindauer den Abstand zum Höchstadter EC (1:4 in Memmingen) auf Platz acht vorerst auf zwei Punkte verkürzen konnten. Angesichts der winterlichen Straßenverhältnisse startete der EVL-Tross am Sonntag schon gegen 10.30 Uhr zum Ausflug quer durchs bayerische Staatsgebiet ins Fichtelgebirge nach Selb.

Zweimal (7:3 zu Hause, 4:1 auswärts) konnten sie die Wölfe aus dem Oberfränkischen in der laufenden Saison schon besiegen, die Vorzeichen standen somit nicht schlecht – zumal Ovaska für den EVL die Führung markierte (10.). Doch Ian David McDonald glich für Selb in Überzahl aus (30.). Nachdem Andreas Farny zum 2:1 einnetzte, fehlten den Lindauern am Ende gerade einmal 27 Sekunden zum zweiten Dreier des Wochenendes. Im Penaltyschießen siegte Selb mit 3:2 – da Höchstadt ebenfalls gewann, sind es vier Punkte geworden, die Lindau zurückliegt.

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