Seehafenfliegen: Die Sieger vergießen Freudentränen

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Seehafenfliegen
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Dreimal haben sie schon mitgemacht, mit immer wieder reizenden Ideen. Nun ist ihnen der Sieg gelungen: Die Jungs und Mädels vom Bee-Movie-Team sind Sieger beim vierten Internationalen Seehafenfliegen geworden.

Von unserer Mitarbeiterin Susi Donner 

Geschätzte 4000 Besucher haben die verrückten, abgefahrenen und abgehobenen Shows, Starts und Landungen genossen. Am Samstag, 26. Juni 2010, um 13.30 Uhr und 24 Sekunden ist Vollmond. Und es ist ein guter Mond, unter dem das vierte internationale Seehafenfliegen in Lindau steht: Lufttemperatur 26 Grad, Wasser 18 Grad, gefühlte 4000 Besucher am Seehafen – eine genaue Zahl lässt sich nicht ermitteln, weil die Veranstaltung ja offen und Eintritt frei ist. Doch das wichtigste: 15 Teams gehen an den Start, die sich gegenseitig an Verrücktheit überboten haben.{element}

Ein fliegendes Piano, genannt „Einflügeliger Elton“, ein schwebender Friedhof, feuerspuckende Drachen, fliegende Menschen, Körbe und Ramazotti-Flaschen – so was gibt es wirklich nur beim Seehafenfliegen in Lindau. Für einige der Starter heißt es: Zwischen Rampe und Wasser ist genügend Platz zum Fliegen, denn sie klatschten relativ zügig auf der Wasserfläche auf. Manche legen einen bildschönen und beinahe schon ausgereiften Kurzflug hin. So zum Beispiel der Schlitten mit Rentier und Weihnachtsmann vom Bee-Movie-Team aus Lindau. Der hebt um Punkt 15.08 Uhr ab. Rentier Rudolph in gestrecktem Galopp von der Rampe fliegt lange genug, dass Pilot Thomas Boban es genießen kann und landet schließlich sanft im Hafenbecken. Das gefällt dem Publikum so gut, dass es ihn mit sage und schreibe mit 1331 Punkten auf den ersten Platz wählt. Das weiß zu diesem Zeitpunkt aber noch niemand.

Bei der Siegerehrung später werden die treuen Seehafenflieger Freudentränen vergießen. Doch zuvor starten beispielsweise die himmlischen Fußballgötter, schaffen tatsächlich den Schuss des Jahres und schießen sich damit auf Platz vier. Oder – es ist ja ein internationales Seehafenfliegen – das Hasar-Team aus dem Bregenzer Wald, das mit Maxi-Bobbycar und Schnulli sehr vergnüglich ins Hafenbecken platscht. Die Wasserburger Badewanne hat als Titelverteidiger die Ehre des letzten Starts. Die Wasserburger Jungs ziehen eine abenteuerliche Piratenshow ab und landen damit auf Platz zwei.

Spektakulär und brennend heiß treibt es mal wieder das Team von Kälte Fritz – der rote Baron ist zum roten, feuerspuckenden Drachen mutiert, mit allem technischen Schnickschnack von Recarositzen bis zum ausgeklügelten Feuerspucksystem.

Zwischen all den ergötzlichen Flugdarbietungen unterhalten der Comedian Murat Topal, Reini von Antenne Vorarlberg und Lokalmatador Bap mit Gesprächen, Geschichten und Interviews, die in diesem Jahr von allen Plätzen auch gut verständlich sind. Marcel Bernhardt von MB-Light, der für den Ton verantwortlich ist, erklärt: „Letztes Jahr mussten wir die Boxen nach den Auflagen der Stadt so aufstellen, dass es zu Dopplereffekten kam. Das war grauenvoll. Dieses Jahr konnten wir die Beschallung so ausrichten, dass auch wirklich ein guter Ton dabei herauskommt.“

Beinahe unfallfrei kommen so alle Teams die Rampe herunter – die wenigen Schürfwunden und blauen Flecken stecken diese tollkühnen Piloten locker weg. Sie alle zu erwähnen, dazu reicht der Platz nicht. Aber es sei erwähnt, dass sich die Starter unheimlich viel Mühe gegeben haben, eine wirklich originelle Flugshow zu gestalten. Und dann, als ob dieser Flugtag nicht schon spektakulär genug gewesen wäre, geht ein perfekter Vollmond am Himmel auf.

Platziert sich leuchtend zwischen Leuchtturm und Löwe und versetzt die Besucher, die den Tag am Hafen und bei der Fliegerparty mit der Drunken-Horse-Band ausklingen lassen, in absolutes Verzücken.

Und Markus Nöser-Baldi, der Initiator des feucht-fröhlichen, luftigen Spektakels? Der schwebt ganz ohne Fluguntersatz; denn die vierte Ausgabe des internationalen Seehafenfliegens ist gelungen. „Wir, und damit meine ich das ganze Helferteam und unsere Sponsoren, wollen mit dem Seehafenfliegen eine lebendige Veranstaltung für Lindau und seine Besucher bieten. Und ich glaube, das ist uns ganz gut gelungen“, ist sein zufriedenes Resümee.

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