Schneechaos: Schulen in Lindau bleiben bis Mittwoch zu

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Lindaus Schulen bleiben am Dienstag und Mittwoch geschlossen.
Lindaus Schulen bleiben am Dienstag und Mittwoch geschlossen. (Foto: Christian Flemming)
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Nach dem heftigen Wintereinbruch am Wochenende ist die Gefahr noch nicht gebannt. Die Stadt mahnt alle Bürger, unnötige Wege zu vermeiden und wenn möglich daheim zu bleiben. Das dürfte besonders die Schüler freuen. Denn im Lindauer Stadtgebiet bleibt die Schulpflicht bis einschließlich Mittwoch aufgehoben. Wie es dann weitergeht, ist noch unklar. Denn es soll Mitte der Woche schon wieder schneien.

„Es kann sich keiner daran erinnern, dass uns der Schnee schon einmal in so kurzer Zeit mit solcher Wucht getroffen hat“, fasst Oberbürgermeister Gerhard Ecker am Montagnachmittag das vergangene Wochenende zusammen. Vorher hatten sich Vertreter von Stadt, Landratsamt, Feuerwehr, Polizei, Bauhof und Stadtgärtnerei zur Lagebesprechung in der Stadtverwaltung getroffen.

Dabei haben Landratsamt und Stadtverwaltung entschieden: Schüler in Lindau haben auch am Dienstag und Mittwoch frei. „Wenn man sich die Schulwege im Stadtgebiet anschaut, kann man Sicherheit vor allem für die kleinsten Verkehrsteilnehmer nicht abschätzen“, sagt Erik Jahn, rechtlicher Leiter des staatlichen Schulamts. Schließlich sei für die kommenden Tage Wind vorhergesagt. Die Gefahr, dass dabei Äste brechen, sei einfach zu groß.

 Die Schulwege sind gefährlich.
Die Schulwege sind gefährlich. (Foto: Christian Flemming)

Große Schneehaufen versperren die Sicht

„Die Gehwege sind noch nicht so freigegeben, wie sie freigegeben sein sollten“, ergänzte Oberbürgermeister Gerhard Ecker. Außerdem versperrten große Schneehaufen an den Straßenrändern Autofahrern die Sicht. „Wenn da ein Dreijähriger dahinter steht, sieht man ihn schlicht nicht.“ Die Stadt schließt daher auch die städtischen Kindertagesstätten bis einschließlich Mittwoch.

Allerdings wird es einen Notbetrieb geben für die Kinder, die eine Betreuung brauchen. Das gilt auch für Schüler. „Die Dienstpflicht bleibt“, erklärt Jahn. Sprich: Die Lehrer müssen zur Arbeit. Laut Stadtwerke-Chef Thomas Gläßer fahren seit Montagnachmittag wieder alle Stadtbuslinien, allerdings könne es noch zu Verzögerungen kommen.

Die übrigen Schulen im Landkreis bleiben wie schon am Montag geöffnet. Auch im Bereich Weißensberg, Niederstaufen und Sigmarszell, wo wegen des Schnees am Wochenende Straßen gesperrt waren. „Es ist immer eine Abwägungssache“, sagt Erik Jahn. Er gehe aber davon aus, dass im restlichen Landkreis ein sicherer Schulweg möglich sei.

Baum stürzt am Bahnübergang auf ein Gebäude

Dabei war auch Sigmarszell neben Lindau am Wochenende besonders von den Schneemengen betroffen. Vize-Kommandant Maximilian Gsell berichtet von 13 Einsätzen. Vor allem im Dornacher Wald waren Bäume von der Straße zu räumen, bis die Bundesstraße für den Verkehr komplett gesperrt wurde. Auch das Rohrach war wegen umstürzender Bäume gesperrt.

 Bäume, die unter der Schneelast brechen, sind extrem gefährlich.
Bäume, die unter der Schneelast brechen, sind extrem gefährlich. (Foto: Feuerwehr Sigmarszell)

Am folgenschwersten war aber wahrscheinlich ein Baum, der am Sonntagmorgen nahe dem Bahnübergang in Schlachters auf ein Gebäude gestürzt ist. In der Folge sind Dach und Dachstuhl beschädigt. Gsell berichtet, die Äste hätten an mehreren Stellen Ziegel aufgebrochen. Doch zum Glück habe der Sturz die Statik des Gebäudes nicht berührt, das Haus ist weiter bewohnbar: „Da besteht keine Einsturzgefahr.“ Am Sonntag konnte die Sigmarszeller Feuerwehr auch mit Unterstützung des THW den Baum gar nicht von dem Gebäude heben. Das sei an dem Steilhang nicht möglich gewesen, berichtet Gsell. Und ein Kran war am Sonntag nicht zu bekommen. So habe der Hausbesitzer das Dach notdürftig abgedeckt.

Der Eigentümer wurde von dem Unfall zudem doppelt getroffen. Denn beim Sturz des Baumes auf den Giebel ist der Wipfel abgebrochen und auf das Auto gefallen, das auf der anderen Seite neben dem Haus geparkt war. Menschen wurden zum Glück nicht verletzt, aber der Sachschaden ist laut Polizeibericht beträchtlich.

Lindaus Feuerwehrkommandant Max Witzigmann und seine Mannschaft sind seit Samstagabend um 17 Uhr zu knapp 80 Einsätzen ausgerückt. Am Sonntagabend nahm die extrem hohe Frequenz zum Glück ab, aber auch in der Nacht und im Laufe des Montags mussten die Feuerwehrleute immer wieder ausrücken. Am meisten zu kämpfen hatten die Feuerwehrleute mit umgeknickten Bäumen und Ästen. „Es gab Bereiche, da konnten wir nicht mehr hin, weil wir uns selbst in Gefahr gebracht hätten“, betont Witzigmann am Montag noch einmal.

300 Telefonate mit Anwohnern geführt

„Das war kein normaler Schnee“, sagt auch Kai Kattau, Leiter der Garten- und Tiefbaubetriebe Lindau. Denn der Schnee, der am Sonntag in Schneeregen überging, sei extrem schwer gewesen. „Aber wir haben unser Hauptziel erreicht, die Hauptverkehrsstraßen waren befahrbar.“ Viele Lindauer sahen das allerdings anders. „Ich habe heute 300 Telefonate geführt“, sagt Bauhof-Chef Danny Hemkens. Ihn ärgere die laienhafte Meinung einiger Anwohner. Die Mitarbeiter des Bauhofs seien Samstag und Sonntag im Dauereinsatz gewesen, nur von 22 Uhr am Samstag bis 4 Uhr am Sonntagfrüh sei Pause gewesen, denn ganz ohne Schlaf hätten die Männer am Sonntag nicht weiterarbeiten können. „Und wir müssen halt mit aller Gewalt die Hauptverkehrsstraßen schippen.“ Es sei unmöglich gewesen, die Räumarbeiten dort für drei bis vier Stunden einzustellen, um Nebenstraßen freizumachen.

Wenn die ersten Schneeflocken fallen, freuen sich viele Menschen über die weiße Winterlandschaft. Aber den Wintereinbruch birgt auch Gefahren. Aber warum kann Schnee so gefährlich sein?

Rund 40 Mitarbeiter von Stadtgärtnerei und Bauhof waren am Wochenende mit 16 Räumfahrzeugen in Lindau im Dauereinsatz, laut Witzigmann kommen noch gut 80 Kräfte von Feuerwehr und THW dazu, auch die Wehren in den Gemeinden waren – wenn auch nicht so häufig – im Einsatz. „Glücklicherweise gab es wenig Verletzte“, sagte Oberbürgermeister Gerhard Ecker.

Denn abgesehen von einem 50-jährigen Mann, der wie berichtet am Sonntagmittag in der Schachener Straße von einem zehn Kilo schweren Ast getroffen wurde und eine Platzwunde sowie Gedächtnisverlust erlitt, gab es bislang nur jede Menge Sachschäden.

Viel Glück hatte laut Polizei ein 47-jähriger Fahrzeugführer am Sonntagmorgen in der Friedrichshafener Straße. Während der Fahrt brach ein Ast durch die Schneelast von einem Baum ab und krachte in die Windschutzscheibe des Autos. Durch die Wucht des Einschlags zerbarst die Windschutzscheibe, der Fahrer blieb jedoch unverletzt. Es entstand ein Sachschaden von rund tausend Euro. Am frühen Sonntagmorgen kam ein 23-jähriger Autofahrer ins Rutschen und kollidierte mit einem Feuerwehrfahrzeug im Einsatz. Es entstand ein geschätzter Gesamtsachschaden von rund 1500 Euro.

Einen Feuerwehreinsatz behindert hat ein Auto in einer Nebenstraße in Aeschach. Der Fahrer hatte laut Polizei sein Fahrzeug im Schnee festgefahren und dann einfach stehen lassen. Alle Versuche die Fahrzeughalterin zu erreichen, schlugen fehl. Die Feuerwehr Lindau kam bei der Fahrt zu einem Einsatz nicht durch und musste einen Umweg über eine für Feuerwehrfahrzeuge nur schlecht zu befahrende Straße ausweichen. Die Polizei ließ das Fahrzeug abschleppen.

Es ist schon noch gefährlich

Maximilian Gsell, Feuerwehr Sigmarszell

Mittlerweile sind die meisten Straßensperrungen wieder aufgehoben, der Motzacher Tobel und die Straßen von Oberrengersweiler nach Schönbühl blieben am Montag noch gesperrt. Ob Ecker mahnte alle Lindauer, keine Spaziergänge durch die Wälder zu machen.

Die Schneepause am Montag nutzten die Mitarbeiter des Bauhofs, um Nebenstraßen zu räumen, Schneeberge zu fräsen und Schnee abzutransportieren. Dafür hat Danny Hemkens zehn weitere Räumfahrzeuge angemietet. Die will er auf unbestimmte Zeit behalten. Auch neues Streusalz ist mittlerweile angekommen. Die Stadt wappnet sich für den neuen Schnee, der Mitte der Woche fallen soll.

Davor hat Sigmarszells Vize-Kommandant Maximilian Gsell Sorge. Denn zahlreiche Bäume stünden noch wacklig, viele Äste würden wohl brechen, wenn sie noch einmal solche Belastung aushalten müssen. Den Wetterbericht beobachtet der Feuerwehrmann deshalb mit gemischten Gefühlen: „Es ist schon noch gefährlich.“

Schneechaos führt zu Unfällen und gesperrten Straßen
Der Wintereinbruch am Wochenende war zwar von den Meteorologen angekündigt worden. Mit diesem nicht enden wollenden Schneefall hat aber trotzdem kaum jemand gerechnet. Und so kämpften Räumdienste, Polizei, Feuerwehr und auch die Bürger mit Schneemassen und Fahrbahnglätte.
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