Schloss Achberg zeigt Kunst der DDR von 1945 bis 1990

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Strahlende Gesichter vor der Ausstellungseröffnung in Schloss Achberg: von links Michael Maurer, Kulturbetrieb Landkreis Ravensb
Strahlende Gesichter vor der Ausstellungseröffnung in Schloss Achberg: von links Michael Maurer, Kulturbetrieb Landkreis Ravensburg, Kuratorin Doris Blübaum, Kulturdezernent Joachim Simon, Pirko Kristin Zinnow, Leiterin der Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern, und Maximilian Eiden, Leiter Kulturbetrieb Schloss Achberg. (Foto: Helmut Voith)
Helmut Voith

Obwohl aus statischen Gründen auf eine offizielle Werbung für die Vernissagen auf Schloss Achberg verzichtet wird, sind am Samstag so viele Gäste zur Eröffnung von „Ost:Nordost“ gekommen, dass die Plätze im Rittersaal nicht gereicht haben und sie auf Nebenraum und Flur ausweichen mussten.

Joachim Simon, Kulturdezernent des Landkreises Ravensburg, sprach in seiner Begrüßung von einem aufregenden Thema, geht es in der Ausstellung „Ost:Nordost“ doch um DDR-Kunst von den 40er bis zu den 80er Jahren. „Ein Gebiet zum Staunen und Lernen“, passend zum Jubiläum des Mauerfalls vor 30 Jahren. Nicht nur Staatskunst und gegängelte Kunst werde gezeigt, sondern auch Kunst, die sich den offiziellen Vorgaben entzogen habe. Dazu gab die Kuratorin Doris Blübaum in einem auf gut zwanzig Minuten komprimierten Überblick noch einige Hinweise.

Vorher erzählte Pirko Kristin Zinnow, die Leiterin der Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommerns, wie sie sich langsam an den Osten Deutschlands herangetastet habe und inzwischen im wunderschönen Schwerin hängengeblieben sei. Die Ausstellung biete einen Querschnitt durch die reichhaltigen Sammlungen des Museums Schwerin, die auch Werke jenseits der offiziellen Vorgaben umfassten. „Auch Landschaftsmalerei und Porträts können gesellschaftsrelevante Aussagen machen.“ Die Kunst aus der DDR sei kein abgeschlossenes Kapitel der Kunstgeschichte, sie werde selbstbewusst fortgeführt.

Die Kuratorin Doris Blübaum berichtete, dass sie erstmals 2016 über die jetzt realisierte Idee gesprochen habe – es ist das fünfte von ihr kuratierte Projekt in Schloss Achberg. Neue, spannende Einblicke in die Kunst der DDR seien zu gewinnen, denn neben der Auftragskunst habe es auch oppositionelle Künstler gegeben: „Die Kunst war facettenreich, dazu gehörten auch Abstraktion und Mail-Art.“

Etwa hundert Werke hat sie aus einem Fundus von 600 Gemälden, 3000 Graphiken und 150 Skulpturen aus der DDR ausgewählt und in Schloss Achberg überzeugend präsentiert. Interessant, dass sich die dogmatische Starre der staatlich vorgeschriebenen Kunst nicht aufrechterhalten ließ, dass das künstlerische Selbstverständnis sich wandelte.

Künstler fanden Wege gegen staatlich Verordnetes

Ein gewisser Akzent liegt auf Papierarbeiten aus dem „Land der Graphik“. Circa 60 000 Blätter besitze die Sammlung, davon 3000 aus der DDR. Auflagen unter 100 Blatt mussten nicht genehmigt werden und entzogen sich somit der Zensur. Die Künstler hätten auch sonst Wege gesucht und gefunden, sich zu artikulieren. Beispielsweise wenn ein Blick durch ein Fenster die Weite zeigte. Ein Blick durch eine Dachluke sei extra höher gehängt worden, um die Intention zu verstärken. „Die Künstler suchten Wege, sich vom Naturalismus abzusetzen“, dem staatlich Verordneten entgegenzuwirken, und sie schufen unabhängige Künstler-Netzwerke.

In Kurzform sind die Hauptpunkte dieser Einführung im Flyer zur Ausstellung zu lesen, den man mit Gewinn vor dem Rundgang durch die Ausstellung anschauen sollte. Hilfe gibt auch der kleine Katalog. Musikalisch umrahmt wurde die Eröffnung durch Gallus Matt an der Gitarre und Adrian Lindenthal an der Marimba. Im Anschluss war Gelegenheit, Fragen zu stellen und sich beim Rundgang ein eigenes Bild zu machen.

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