Schadstoffe belasten Kindergarten

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Alle Schätze des evangelischen Kindergartens in Aeschach werden ins benachbarte "Pfarrhaus 2" umquartiert, wo nächste Woche der (Foto: Ruth Eberhardt)
Schwäbische Zeitung
Ruth Eberhardt

Der evangelische Kindergarten in Aeschach ist mit Schadstoffen belastet. Er wird seit Dienstag nicht mehr genutzt. Eine Notgruppe für die Kinder von berufstätigen Eltern ist bis Freitag im nahe liegenden evangelischen Gemeindehaus in der Anheggerstraße eingerichtet. Wer nicht zwingend auf eine Kinderbetreuung angewiesen ist, wird gebeten, die Kinder in dieser Woche zu Hause zu lassen.

Diese wenigen Tage werden genutzt, um den Kindergarten in das sogenannte „Pfarrhaus 2“ auszulagern, das sich direkt neben dem Kindergartengebäude befindet. Die dort leer stehende Erdgeschosswohnung wird derzeit in einem Kraftakt hergerichtet.

Die Schadstoffbelastung rührt von künstlichen Mineralfasern hier, die in den 60er-Jahren ein weit verbreitetes Dämmmaterial waren. Auch im evangelischen Kindergarten Aeschach, der in jener Zeit gebaut worden war, wurden diese Mineralfasern in Decken und unterm Dach verwendet. Das Problem: Der Rieselschutz (ein Flies) an den Decken weist Lücken auf, so dass sich die Fasern im Staub feststellen ließen. Wegen ihrer geringen Größe sind diese Fasern lungengängig und krebserzeugend. Weitere Risiken sind Haut-, Augen- und Atemwegsreizungen, Entzündungen und Allergien.

Gleichwohl beruhigt Barbara Schmidt, theologisch-pädagogische Mitarbeiterin der Kirchengemeinde und Geschäftsführerin des Kindergartens: „Es besteht keine akute Gesundheitsgefährdung“, teilte sie den Eltern bereits schriftlich mit. „Im Interesse eines vorbeugenden Gesundheitsschutzes sind jedoch Sanierungsmaßnahmen notwendig.“ Und: Es handelt sich nicht um Asbest.

Die Nachricht von der Schadstoffbelastung hat alle Beteiligten so unerwartet getroffen wie ein Blitz. Denn es war eigentlich um die Vorbereitung eines Anbaus für eine Krippengruppe gegangen, mit dessen Bau im nächsten Jahr begonnen werden soll. Die Kirchengemeinde hatte ein Schadstoffgutachten in Auftrag gegeben, um in diesem Zusammenhang zu erfahren, wie es um das bestehende Gebäude bestellt ist.

Als das Gutachten vorlag, war es den Beteiligten wichtig, schnell zu reagieren: Noch am Freitag hat sich Barbara Schmidt mit Fachleuten der Landeskirche und zwei Umweltmedizinern beraten. Dabei fiel die Entscheidung, dass der Kindergarten ausgelagert wird. Übers Wochenende haben die Verantwortlichen von Kirchengemeinde, Kindergarten, Stadt und Elternbeirat das weitere Vorgehen abgestimmt. Am Montag öffnete der integrative Kindergarten, der 36 Kinder mit und ohne Behinderungen zählt, noch für den regulären Betrieb.

Dabei wurden, wie Barbara Schmidt weiter berichtet, die Eltern auf die Schadstoffbelastung hingewiesen, so dass sie selbst entscheiden konnten, ob sie ihr Kind an diesem Tag in der Einrichtung lassen oder wieder mit nach Hause nehmen. Und seit Dienstag besteht für den Rest der Woche die bereits erwähnte Notgruppe.

Nun gilt es, innerhalb weniger Tage einen Kindergartenumzug zu stemmen, damit der Betrieb in der nächsten Woche im „Pfarrhaus 2“ weitergehen kann. Mitarbeiter des Kindergartens, Eltern und andere Helfer arbeiten tatkräftig mit. Dabei gilt es nicht nur, diese Ersatzräume herzurichten, Regale anzuschrauben, Kisten zu packen und hinüberzutragen. Sondern es muss auch jeder einzelne Gegenstand des Kindergartens abgewaschen werden. Denn dann sind, wie Barbara Schmidt sagt, die Fasern – und damit auch die Schadstoffbelastung – weg.

Welche Sanierungsmaßnahmen in Detail erforderlich sind, wie lange sie dauern und wie sie finanziert werden, wird derzeit geklärt. Ein finanzieller Kraftakt wird es allemal. Denn die Kirchengemeinde hätte sich schon wegen des geplanten Krippenanbaus verschulden müssen. Nun hofft Barbara Schmidt, dass es für die Schadstoffsanierung finanzielle Unterstützung gibt.

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