Rudi Spring spielt für den Cavazzen

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 Rudi Spring spielt bei einem Soloabend in der Lindauer Inselhalle zu Gunsten des Cavazzen.
Rudi Spring spielt bei einem Soloabend in der Lindauer Inselhalle zu Gunsten des Cavazzen. (Foto: Christian Flemming)
Lindauer Zeitung

Schon mehrfach hat der „Förderverein Cavazzen“ Musiker eingeladen, um sie mit einem Benefizkonzert um Unterstützung für die aufwendige Sanierung des Lindauer Stadtmuseums zu bitten. Zuletzt spielten deswegen das Duo Paratore und Sheila Arnold im Stadttheater. Den Auftakt im Herbst 2015 machte jedoch Pianist und Komponist Rudi Spring. Diesmal gibt der Kulturpreisträger seinen Klavierabend erstmals in der neuen Inselhalle, wohin ihn der Lions-Club Lindau eingeladen hat. Winfried Hamann, Vorsitzender des Fördervereins Cavazzen, hat im Vorfeld mit dem Musiker gesprochen.

Hat der Lindauer Kulturpreis, den Sie 2012 erhalten haben, spürbare Auswirkungen für Sie gehabt?

Ich war damals sehr gerührt über die plötzliche und überraschende Mitteilung, dass ich den Lindauer Kulturpreis erhalten soll. Die schöne Steinform ziert seither meinen großräumigen Münchner Schreibtisch. Eine bleibende Erinnerung. Und für mich die angenehme (selbst auferlegte) Verpflichtung, meine Heimatstadt stets miteinzubeziehen, wenn es um längerfristige Konzertpläne geht.

Welche Erinnerungen haben Sie an die „alte“ Inselhalle? Mit welchen Gefühlen und Erwartungen gehen Sie an den Klavierabend im neuen Gebäude?

Ich habe tatsächlich nur 1985 und 1987 in der damaligen Inselhalle konzertiert. Würde also lügen, wenn ich eine konkrete Erinnerung daran behaupte. Ich möchte einfach offen sein. Der mit mir befreundete Tonmeister Joachim Schmid bescheinigt dem dortigen Kleinen Saal eine gute Akustik. Mein Instrument, der Konzertflügel, ändert sich sowieso von Auftrittsort zu Auftrittsort. Da muss man sich immer Zeit fürs Einspielen nehmen.

Wenn jemand gleichzeitig Pianist, Komponist, Musikpädagoge und Familienvater ist, dann fragt man sich als interessierter Laie: Wie lässt sich das alles gleichzeitig bewerkstelligen und wie teilt man das zeitlich untereinander auf?

Zur Rolle als Familienvater: Die beiden Söhne, 15 und 17, gehen ja mehr und mehr ihre eigenen Wege. Die Verantwortung bleibt, klar. Aber dieser Lebensstrang fordert meine Frau Ursula und mich nicht mehr in der gleichen Weise wie vor zehn Jahren. Die drei anderen Berufe sind immer unzertrennlicher aufeinander bezogen. Mein Unterrichtsgebiet an der Münchner Musikhochschule, Liedgestaltung, färbt seit Jahren auf den vokalen Schwerpunkt meines Werkverzeichnisses ab. Und das Üben am Klavier macht mir heute viel, viel mehr Freude als damals – ob nun für Lied, Solo oder Kammermusik.

Für viele sind Ihre Konzertprogramme auch deswegen so reizvoll, weil Sie die Zuhörer auch mit Stücken oder auch Komponisten konfrontieren, die ihnen oftmals unbekannt sind. Welche Absicht steht da dahinter, und welche Erfahrungen haben Sie bisher damit gemacht?

Das Programm des neuesten Klavierabends zeigt es exemplarisch: Weltbekanntes von Schubert steht neben wenig Bekanntem von Schumann und noch weniger Bekanntem des nur in Schweden berühmten Wilhelm Stenhammar. Aber alles, was ich bei einem Solo-Programm aufs Programm setze, habe ich persönlich durchlebt, oft Jahrzehnte lang. Es stimmt, ich suche gerne an den Rändern, aber aufführen tue ich es nur, wenn ich tief überzeugt davon bin. Und dann möchte ich solche Werke wirklich anderen Menschen weitergeben.

Meine Erfahrungen damit sind rundum positiv. Ich komponiere auch gerne Programme mit inneren Querbezügen. Diesmal steht Variation im Vorder- und Hintergrund. Auch eine halbe Uraufführung bringe ich mit: 1983 habe ich im Konzertsaal des Stadttheaters Lindau zum ersten Mal das Faust-Fragment vom Spätherbst 1982 in der Urfassung gespielt – mehr an Thomas Mann denn an Goethe orientiert – und 1990 ein zweites Mal neu herausgeschrieben, und im Spätherbst 2017 mit gravierenden Eingriffen ein drittes Mal. Nun hoffe ich, dass alles passt.

Sie sind diesmal vom Lions-Club für ein Benefizkonzert nach Lindau eingeladen worden, der damit die Cavazzen-Sanierung unterstützen will. Wie kam dieser Kontakt zustande?

Der derzeitige Vorsitzende des Lions-Club, Dr. Achim Mellinghoff, kam im Herbst 2017 auf mich zu mit der Idee eines Klavierabends in der Inselhalle 2019. Es lag nahe, dass ich von meinem damals jüngsten Klavierabend in meiner Heimatstadt erzähle, eben jenem Cavazzen-Benefiz-Konzert vom Oktober 2015. So griff er diesen Faden wunderbar konstruktiv auf.

Sie sind in Lindau geboren und haben fast 20 Jahre hier gelebt. Wie haben Sie das Lindauer Stadtmuseum in Erinnerung und was erwarten Sie von diesem nach seiner Sanierung?

Ehrlich gesagt, habe ich mich früher zu wenig um dieses schöne Gebäude einschließlich seiner Funktion gekümmert. Aber wenn ich etwas zu diesem großartigen Vorhaben beitragen kann mit meinen künstlerischen Mitteln – liebend gerne. Was Barbara Reil in ihrem Beitrag in den neuesten Cavazzen News ausführt, liest sich wahrlich vielversprechend.

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