Reutin-Befürworter wollen die Zwei-Bahnhofs-Lösung noch stoppen

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Redaktionsleiter

Während die Spitzen von Bahn AG, Freistaat Bayern und Stadt im Oktober 2016 mit vielen Gästen den Ausbau des Bahnknotens Lindau gefeiert haben, hat die Bürgerinitiative Hauptbahnhof Reutin eine Onlinepetition gestartet, um alle vorliegenden Planungen zu stoppen. Die BI fordert, Stadt Lindau und Bahn AG sollten alle Kompromisse zu den Akten legen und völlig neue Planungen beginnen. Die LZ hat die Forderungen und Behauptungen der BI einem Faktencheck unterzogen.

BI will nach wie vor nur eine eingleisige Inselanbindung

Die BI um Rainer Rothfuß, Manfred Simmoleit und Hermann Stock spricht vom „leider missachteten Lindauer Bürgerentscheid vom 18. März 2012“ und legen zehn Forderungen vor, die zur Folge hätten, dass Stadt, Bahn AG und Freistaat völlig neu planen und verhandeln müssten. Während die Redner der Festveranstaltung im Langenweg die in den vergangenen vier Jahren erreichten Kompromisse lobten, in der sich jede Seiten wiederfinden könne, fordert die BI wie 2012 einen reinen Hauptbahnhof Reutin mit eingleisiger Inselanbindung.

Bahn lehnt das strikt ab und setzt im Zweifel nur auf die Insel

Dass die Bahn stets betont hat, dass sie dies auf keinen Fall bauen werde, verschweigt die BI. Desgleichen, dass die Bahn stets betont hat, wenn die Zwei-Bahnhofs-Lösung nicht komme, werde sie nur den Inselbahnhof sanieren und in Reutin gar keinen Halt einrichten. Dazu bräuchte die Bahn nicht mal ein Genehmigungsverfahren, weil sie auf ihrem Gelände ohne Mitsprache der Stadt planen darf. Die BI verliert auch kein Wort zum engen Zeitplan: Ab Dezember 2020 sollen die Eurocity München-Zürich unter Strom und nicht mehr auf die Insel fahren. Wenn der Reutiner Bahnhof bis dahin nicht fertig ist, würden die EC und auch andere Fernzüge nicht mehr in Lindau halten.

BI will großes Gebäude mit Steg und großem Parkhaus

Die BI fordert einen Hauptbahnhof Reutin, von dem aus „mindestens stündlich“ Züge ohne Umweg über die Insel nach Friedrichshafen und ins Allgäu fahren sollen. Zusätzlich fordert die Petition ein großes Bahnhofsgebäude mit Geschäften und Cafés in Reutin. Die Bahn hat stets betont, dass sie keine Gebäude errichtet, dies wäre Sache eines Investors. Den von der BI gewollten Steg zwischen Lindaupark, Bahnhof und See müsste dagegen die Stadt errichten. Zusätzlich sei dort ein Parkhaus mit mindestens 400 Stellplätzen für Pendler sowie Besucher von Lindaupark und Insel nötig, das die Stadt oder ein Investor bauen müssten.

BI will die Südverschiebung, ein Bypass reicht aber nicht

Zum wiederholten Mal fordert die BI außerdem, dass die Bahn AG den neuen Bahnhof weiter zum See hin verschiebt. Eine Umfahrung des Kreisverkehrs am Berliner Platz erspare dann die bisher geplante Unterführung. Dabei verschweigt die BI, dass das Staatliche Bauamt Kempten eine solche Umfahrung für nicht ausreichend hält, weil das keine Entlastung für den eigentlich kritischen Verkehr in Richtung Stadtmitte bringt, wie Thomas Hanrieder vom Staatlichen Bauamt auf Nachfrage der LZ erneut bestätigt. Nur mit einem solchen Bypass würde die Behörde der Anbindung des neuen Bahnhofs nicht zustimmen.

BI hält zweites Gleis in Aeschach für wichtiger als Inselanbindung

Ebenfalls zum wiederholten Mal fordert die BI ein zweites Gleis in der Aeschacher Kurve. Dies wäre Voraussetzung für die geforderten Direktverbindungen vom Reutiner Bahnhof aus nach Friedrichshafen und ins Allgäu. Die Bayeriche Eisenbahngesellschaft hat dieses zweite Gleis bisher abgelehnt, weil dies zu Lasten der Inselanbindung ginge. Außerdem sieht die Behörde das Problem eher bei der eingleisigen Strecke nach Friedrichshafen.

Die schlechtere Inselanbindung ist laut BI gewollt. Auf dem Bahndamm soll es laut der Petition nur noch ein Gleis geben, das reiche aus. „Die Anbindung der Insel mit der S-Bahn aus Bregenz über den zentralen Knoten Hbf Reutin kann auf einem einzigen Gleis erwiesenermaßen im Halbstundentakt erfolgen.“ Laut BI erspare dies die von der Bahn AG geplante Sanierung des Bahndamms.

BI ist gegen neue Thierschbrücke und Lotzbeckunterführung

Auch weitere Projekte halten Rothfuß, Simmoleit und Stock für überflüssig. Die BI spricht vom „Lotzbeck-Unterführungs-Wahn“. Auf einem Bahndamm ohne Gleise wäre auf der Westseite Platz für einen Geh- und Radweg, und die Schranken wären bei ausgedünntem Verkehr auf die Insel nur selten geschlossen. Damit könnten sich Stadt und Bahn AG die Kosten für die Unterführung ebenso sparen wie die für eine neue Thierschbrücke. Denn den Inselbahnhalt will die BI hinter die frühere Post verlegen, dann könnte Lindau die Maximilianstraße auf die Hintere Insel verlängern und eine neue Zufahrt schaffen. Die BI glaubt, das wäre billiger als die neue Brücke.

Außerdem fordert die BI einen zusätzlichen Bahnhalt auf der Höhe des OBI-Marktes. Von dort sollen Fahrgäste das Gewerbegebiet erreichen und die neue Therme. Ein zusätzlicher Bahnhalt zwischen Reutin und der Grenze ist bisher am Widerspruch der ÖBB gescheitert.

Die Petition ist im Internet zu finden unter der Adresse: https://www.openpetition.de/petition/online/hauptbahnhof-lindau-reutin-mit-zukunft

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