Red Devil präsentiert Hakenkreuz im Eichwald

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Der Angeklagte war mit seiner Hakenkreuz-Tatowierung durch Lindau gelaufen.
Der Angeklagte war mit seiner Hakenkreuz-Tatowierung durch Lindau gelaufen. (Foto: Archiv: oh)

Mit ein paar Rauten lässt sich ein Hakenkreuz nicht vertuschen. Das weiß jetzt wohl auch ein Lindauer. Das Mitglied der Rockergruppe „Red Devils“ war angezeigt worden, weil es seine Hakenkreuz-Tätowierung im Eichwald zur Schau gestellt hatte. Vor der Gerichtsverhandlung am Lindauer Amtsgericht hatte der Angeklagte versucht, das Nazi-Symbol zu übermalen. Das gelang ihm allerdings nicht sehr gut.

Aber er hatte sich auch keine große Mühe gegeben. Der junge Mann hatte lediglich einen Teil des Hakenkreuzes ausgemalt und das Tatoo mit ein paar Rauten erweitert.

So habe die Tätowierung aber nicht ausgesehen, als er sie im Eichwald zur Schau gestellt hat, erklärte eine Zeugin, die dort Ende Juni mit einer Freundin beim Baden war. „Mir ist aufgefallen, dass er ein Hakenkreuz auf seinem Oberschenkel tatowiert hat“, sagte die junge Frau aus. Daraufhin habe sie ihre Freundin, die zufällig Polizistin ist, gefragt, ob man so etwas öffentlich zeigen dürfe.

Darf man nicht. Denn das Hakenkreuz ist als Symbol der Nazis ein sogenanntes Kennzeichen einer verfassungswidrigen Organisation.

Der Angeklagte trägt es auf dem Oberschenkel. Laut Zeugin war es die meiste Zeit von dessen Badehose verdeckt. „Aber er hat die Badehose immer wieder hochgezogen“, sagte die Angeklagte. Damit habe er sie und ihre Freundin provozieren wollen. Denn die Polizistin, die privat im Eichwald war, habe ihr erzählt, dass sie den Mann kenne – und dieser sie auch. Der Angeklagte leugnete dies vehement: Er habe die junge Frau im Eichwald nicht als Polizistin erkannt. Die Badehose sei ohne Absicht immer wieder nach oben gerutscht. Abgesehen davon habe er sich das Hakenkreuz quasi „aus Versehen“ auf den Oberschenkel gestochen, es sei nur der Anfang einer Tätowierung gewesen, die gar kein Hakenkreuz werden sollte. „Ich konnte sie nicht fertig machen, weil die Kripo mein Tätowiergerät beschlagnahmt hat“, erklärte der Angeklagte. Tatsächlich habe es eine Hausdurchsuchung mit Beschlagnahme gegeben, bestätigte ein Kripobeamter, der als Zeuge geladen war. Er kenne den Angeklagten, der unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung vorbestraft ist. „Ich kenne ihn aus der Rockerszene. Aber rechtsradikale Tendenzen sind mir bei ihm nicht bekannt“, sagte der Polizist.

Richter Klaus Harter verurteilte den Angeklagten schließlich zu einer Geldstrafe von hundert Tagessätzen zu je 40 Euro. „Eine Wiederholungsgefahr besteht nicht, weil das Hakenkreuz nicht mehr sichtbar ist“, sagte Harter.

Unter den Zuschauern war weiterer Angeklagter

Die Stimmung im Gerichtsaal während der Verhandlung war angespannt. Schließlich war nicht nur eine Schulklasse gekommen, um sich die Verhandlung anzusehen, sondern auch einige junge Lindauer, die wie der Angeklagte der Rockergruppe „Red Devils“ angehören. Einer von ihnen war der Angeklagte im Prozess kurz vorher gewesen. Sein Bruder hatte ihn wegen Diebstahls von Bargeld angezeigt. Doch schon vor Verhandlungsbeginn nahm das Opfer, das ob der vielen Rocker im Gerichtssaal ziemlich eingeschüchtert wirkte, alles zurück. Er habe das Geld in seinem Zimmer wieder gefunden. „Ich hatte ein Schreiben geschickt, dass mein Bruder alles zurücknimmt“, sagte der Angeklagte, der sich offensichtlich wunderte, dass er überhaupt auf der Anklagebank saß.

Richter Klaus Harter erklärte ihm, dass das nur das Opfer, nicht aber der Angeklagte machen könne. Weil es aber ohne Delikt keine Anklage gibt, stellte Harter das Verfahren ein.

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