Raus aus dem Klassenzimmer - Rein in den Wald

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 Toni, Liliane, Annur und Fenja (von links) sind die stolzen Gewinner der Waldjugendspiele.
Toni, Liliane, Annur und Fenja (von links) sind die stolzen Gewinner der Waldjugendspiele. (Foto: Denise Tatavitto)
Denise Tatavitto

Die Waldjugendspiele haben den Grundschülern sehr viel Spaß gemacht. Die Teilnehmer beeindruckten vor allem mit ihrem Wissen und ihrer Kreativität.

Über Stock, Stein und Gestrüpp machen sich die Drittklässler Liliane, Toni, Fenja und Annur aus der Grundschule Oberreitnau nach kurzen Orientierungsproblemen auf den Weg in den Wald hinein. 208 Schüler aus Lindau und Weißensberg absolvierten heuer im Rahmen der Waldjugendspiele im Staatswald Tannholz einen Parcours mit 20 kniffligen Aufgaben rund zum Thema „Wald“. Nachdem die Gruppe den richtigen Pfad durch die Hilfe der Klassenlehrerin gefunden hat, stehen sie bereits nach wenigen Metern vor der ersten Station. Sie sollen die Waldschicht eines Busches bestimmen, was den Kindern ohne große Mühe gelingt. „Das ist die Strauchschicht“, stellt Fenja selbstbewusst fest und kreuzt die richtige Antwort auf dem Fragebogen an. Sie halten sich nicht lange bei einer Station auf, denn die Zeit läuft: Zwei Stunden haben die Gruppen Zeit, den Wald zu erkunden und alle 20 Aufgaben zu lösen. Durch geschicktes Abtasten der Nadeln und das Betrachten der auf den Boden liegenden Zapfen können die Kinder erkennen, um welchen Nadelbaum es sich bei Station 17 handelt.

Doch nicht nur mit der Flora kennen sich die vier bestens aus, durch den Heimat- und Sachkunde-Unterricht in der Schule können sie leicht beantworten, wovon sich ein Wildschwein ernährt und welche Auswirkungen dies auf das Ökosystem hat. Beim Fuchs sind sie sich erst nicht sicher, einigen sich schlussendlich aber darauf, dass er ein Mäusevertilger ist. Auch Umweltschutz ist ein Thema im Parcours. Der Förster und Ausrichter der Waldjugendspiele, Christian Müller, erklärt den Kindern, dass sie im Wald zu Gast seien und aus diesem Grund keinen Müll auf dem Weg liegen lassen dürfen. Auf die Frage, ob Erwachsene im Sommer im Wald rauchen dürfen, ist sich die Gruppe einig: Durch die Trockenheit sei dies auf gar keinen Fall erlaubt, da eine hohe Waldbrandgefahr besteht.

Die Schüler erfüllen die Aufgaben, bei denen manch ein Erwachsener scheitern würde, innerhalb von wenigen Minuten, und nehmen den Parcours sehr ernst. Denn schließlich erhält die beste Gruppe jeder Klasse einen Buchpreis von der Stadt Lindau und dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kempten. Da jede Gruppe als Sieger hervorgehen möchte, führen Uneinigkeiten schnell zu kleinen Streitereien, die sich in der nächsten Station jedoch schnell wieder auflösen. Das ist wichtig, denn nur mit dem richtigen Teamwork können die Kinder den Parcours lösen und das Baumscheibenlaufen bestehen. Hierbei müssen die Kinder von hinten Baumscheiben nach vorne reichen, um an das Ziel zu kommen. Die Schwierigkeit besteht darin, dass man nicht daneben, sondern nur auf die Baumscheiben treten darf. Mit viel Ruhe haben es die Oberreitnauer Schüler geschafft, schneller als das andere Teams ans Ziel zu kommen.

Zudem gibt es einen Kreativpreis für die Gruppe, die das schönste Bild von dem Tier des Jahres, dem Reh, malt. Dabei dürfen die Kinder jedoch keine Stifte benutzen, sondern nur Material, das der Wald hergibt. Auch hier finden die Kinder kreative Lösungen, und feuchten die Erde mit ihrem Trinkwasser an, um mit dem Schlamm das braune Fell des Tieres zu zeichnen. Für grüne Farben reiben sie Moos und Blätter auf das Papier und verzieren ihre Kunstwerke mit Laub und Ästen. Toni hat Zweifel, ob sie unter so vielen Teilnehmern den Kreativpreis gewinnen, doch Annur macht ihm Mut: „Irgendjemand muss ihn ja gewinnen.“

Tatsächlich konnten sich die vier bei der Siegerehrung freuen, denn die Gruppe erreichte die höchste Gesamtpunktzahl im Parcours unter allen Teilnehmern. Den zweiten Platz belegte die Gruppe 3 der Grundschule Lindau-Aeschach, gefolgt von der Klasse 3b der Grundschule Weißensberg. Den Kreativpreis erhielten Elias, Josua, Philip, Bene und Johannes aus der Klasse 3a der Grundschule Reutin, denn sie haben das Reh am naturgetreusten gemalt.

Das Ziel der Waldjugendspiele, die Förderung des Verständnisses über den Lebensraum Wald, wurde erfüllt. Das was die Kinder aus dem Heimat-und Sachkunde-Unterricht bereits kennen, wenden sie hier in der Praxis an, was das Wissen der Kinder festigt, aber auch eine Menge Spaß bringt. Neben dem Ernst des Gewinnens erlauben sich die Kinder durchaus auch mal das Toben auf den Geräten des Waldspielplatzes. „Ich finde es cool, dass wir alleine durch den Wald laufen können“, erzählt Annur, während er mit den anderen die letzten Stationen ansteuert. Auch Ausrichter Christian Müller erhält Lob von einer Drittklässlerin, die sagt: „Die Aufgaben haben sehr viel Spaß gemacht.“ Das freut den Förster natürlich sehr, denn er gibt sich viel Mühe, den Parcours für die Kinder spannend und lehrreich zu gestalten und die vielen Bilder auszuwerten.

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