Rangelei im Edeka und am Seehafen

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Der Angeklagte ist unter psychischer Behandlung.
Der Angeklagte ist unter psychischer Behandlung. (Foto: Archiv Uli Deck)

Das Amtsgericht Lindau verurteilte am Mittwochmorgen einen 34-jährigeren Mann wegen Körperverletzung, Hausfriedensbruch und Beleidigung. Das Gericht sprach eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen á 15 Euro aus. Außerem muss er die Verfahrenskosten tragen. Der Angeklagt war sichtlich empört über das Urteil: „Wie soll ich das bitte zahlen, ich lebe von Zigartettenstummeln und Dreck“, sagte er zu Richter Moritz von Engel nach der Urteilsverkündung.

Gleich zu Beginn der Verhandlung erklärte der Angeklagte, er sei in Behandlung, da er an einer paranoiden Schizophrenie leidet. Richter von Engel verlas im Verlauf des Prozesses ein ärztliches Gutachten, das die Krankheit bestätigte. Der Richter sah die Psyche des Angeklagten als Ursache der Taten, außerdem sei er noch nicht vorbestraft. Beides sei bei der Strafbemessung mit zu berücksichtigen.

Der Angeklagte hatte im Oktober am Seehafen einen Mitarbeiter der Stadt Lindau beleidigt und in den Schwitzkasten genommen. Der Mitarbeiter habe den Angeklagten beobachtet, wie er eine Flasche gegen den Mangturm warf, und wollte ihn zur Rede stellen. Daraufhin packte ihn der Beschuldigte. Der Angeklagte sei außer sich gewesen und habe Schimpfwörter wie „Schwanzlutscher“ benutzt. „Ich hab ihn dann beleidigt, das ist richtig.“, bestätigte der Angeklagte.

Angeklagter fordert immer wieder Verständnis

Während der Verhandlung forderte er oft Verständis. Schwankte zwischen Gleichgültigkeit und aufgebrachten Verhalten. Er entschuldigte sich beim Geschädigten, betonte aber anschließend: „Ich habe ihm nur eine Warnung ausgesprochen.“ Durch die Schizophrenie sei er dann in Agressionen verfallen. Wenn der Geschädigte „das nicht nachvollziehen“ könne, habe er in dieser Stadt „nichts verloren“.

Elf Tage später ging der Angeklagte in den Edeka in der Ludwig-Kick-Straße. Beim Bezahlen drohte er dort einem Mitarbeiter mit Schlägen, falls dieser ihn nochmals nach einem Kassenzettel fragen würde. Er missachtete das danach ausgesprochene Hausverbot und lief stattdessen erneut in den Supermarkt. Angestellte folgten ihm. Vor der Metzgertheke spritzte der Angeklagte den Mitarbeitern ein Getränk in die Gesichter. „Um sie runter zu bringen“, wie er vor Gericht begründete.

Fühlt sich wie der „letzte Dreck“ behandelt

Daraufhin sei er von drei Personen zu Boden gedrückt worden. Die Zeugen und der Angeklagte waren sich über den Tathergang einig. Er habe den Laden nicht verlassen, weil er sich einfach ungerecht behandelt gefühlt habe. Er sei seit Jahren Stammkunde, „da könnt Ihr mich doch nicht wie der letzte Dreck behandeln“, sagte er.

Durch die psychische Krankheit kann der 34-jährige seine Arbeit als Altenpfleger nicht mehr ausüben und lebt jetzt von seiner Rente und der Grundsicherung. Die Krankheit sei auch der Grund, warum er in beiden Fällen in Aggressionen verfallen ist. „Dafür geh ich zum Arzt. Ich will doch keine Leute verletzen, ich will doch niemanden weh tun.“, beteuerte er vor Gericht. Die Aussage erschien den Anwesenden glaubhaft.

Wegen Psychose keine Freiheitsstrafe

Der Richter betonte aber, er müsse sich trotzdem im Griff haben. Aufgrund der Psychose hielt er eine Freiheitsstrafe deshalb für nicht angemessen. Dass es in kurzer Zeit gleich zweimal zu Straftaten kam, rechnete er dem Angeklagten allerdings negativ an. Trotzdem sei das Strafmaß zu mindern. Vor allem der „Versuch sich zu entschuldigen“ und die Teilgeständisse seien positiv zu werten, erklärte von Engel. Außerdem könne der Angeklagte die Geldstrafe in Raten bezahlt.

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