Punk in Drublic: Wenn die alten Herren des Punkrock zum Festival laden

Lesedauer: 9 Min
Digitalredakteurin

In den ersten Reihen vor der Bühne der Messehalle 13 in Dornbirn quetschen sich Menschen, die in der Zusammensetzung sonst vermutlich selten ihre Freizeit miteinander verbringen: Da sind die echten Punks, mit Piercing, bunten Haaren, Irokesenschnitt neben Männern und Frauen, die keinen einzigen Song von NOFX kennen, aber trotzdem dabei sein wollen, wenn schon mal so was Großes los ist.

Punk und Party statt Couch und Tatort

Schon im vergangenen Jahr hatten die Punkrocker ein paar ihrer Lieblingskollegen mit zur Festivaltour „Punk in Drublic“ genommen. Und schon damals hatte der Club Vaudeville in Lindau nicht genügend Platz. Auch in diesem Jahr ist die Messehalle im österreichischen Dornbirn beinahe ausverkauft, tausende Musikfans verbringen einen eher ungewöhnlichen Sonntag: Statt Couch und Tatort gibt’s Bier, Party und Punkrock.

Der Altersdurchschnitt für ein Konzert ist für Club-Vaudeville-Verhältnisse eher hoch: Es gibt jede Menge Fans, die genauso alt sind wie die tobenden, springenden, schwitzenden Herren auf der Bühne. Für sie gehören die Songs an diesem Abends zum Soundtrack ihrer Jugend. Aber es gibt auch viele, die noch gar nicht geboren waren, als das für das Festival namensgebende Album „Punk in Drublic“ 1994 erschien.

Das Festival startet am Nachmittag mit den Sets von The Bombpops, The Lillingtons, The Real Mckenzies und Anti-Flag. Sie haben die Menge schon in Stimmung gebracht, als „Less than Jake“ aus Florida die Bühne betraten und gut gelaunt eine Ska-Punk-Party starten.

Sie übergeben an Lagwagon, die zwar nicht ganz so viele Alben veröffentlicht haben und zwischendurch auch mal die großen Punkrockbühnen verließen, aber trotzdem immer treue Fans hatten und zu den großen Namen im Punkrock-Genre zählen.

Doch der Abend gehört vor allem den Bands, an denen seit den 90er Jahren kein Punkrock-Fan vorbei kommt: Bad Religion und NOFX. Beide haben immer weiter gemacht, haben unzählige Konzerte gespielt und Alben veröffentlicht. Trotzdem: Ihre Musik hat nichts an Aktualität verloren.

So divers wie ihr Publikum sind auch die Bands selbst. Während Bad-Religion-Frontmann Greg Graffin mit grauen Haar und Brille auf der Bühne steht und so überhaupt nicht nach Punkrockstar aussieht, erfüllt NOFX-Frontmann Fat Mike wie immer jedes erdenkliche Klischee. Sein ebenfalls eher schütteres Haar steht wild nach allen Seiten ab, er schaut mit wildem Blick um sich, schwankt und quasselt am laufenden Band.

Doch egal, wie sie aussehen: Sie liefern ab. Sie spielen ihre alten und neuen Songs, sind politisch und sozialkritisch. Sie leben und spielen weiter gegen das Establishment, gegen den Durchschnitt, gegen die Langeweile. Und sie bringen ihre Fans jeden Alters noch immer dazu, zu feiern, zu pogen und zu springen – was für eine Party.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen