Publikum feiert stimmgewaltige Boygroup

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 Während andere, um einen vergleichbaren Sound zu erzeugen, ein ganzes Orchester auf die Bühne stellen müssen, schaffen die fünf
Während andere, um einen vergleichbaren Sound zu erzeugen, ein ganzes Orchester auf die Bühne stellen müssen, schaffen die fünf Sänger das Gleiche ausschließlich mit Mikrofon und ihren Stimmen, die von Bass bis Tenor reichen.
Tanja Schittenhelm

Die A-cappella-Gruppe VivaVoce feiert ihr 20-jähriges Bestehen. Mit einem eigens dafür geschaffenen Programm: „20 Jahre - es lebe die Stimme!“ Dabei lassen Bassist Heiko Benjes, die Tenöre David Lugert und Bastian Hupfer sowie Jörg Schwarzmanns und Matthias Hofmann (beide Bariton) die letzten zwei Jahrzehnte musikalisch Revue passieren.

Als Überraschungs-Intro gab es im vollbesetzten Stadttheater eine Bandansage von Eckart von Hirschhausen, was erstmalig zu großem Jubel an diesem Abend führte. Anschließend besang sich die Gruppe zum Auftakt kurz selbst mit einem „Happy-Birthday“, in welches nicht wenige Zuschauer einstimmten, bevor der Übergang zu „One-Night-Ständchen“ sicherlich den einen oder anderen Gast an die Vergangenheit erinnerte. Denn dies war nicht der erste Besuch von VivaVoce in Lindau. Dass humoristische Elemente auf der Bühne ein wichtiger Bestandteil sind, bewies das Quintett von Anfang an. Dabei war der Kontakt zum Publikum stets vorhanden. Gleich zu Beginn machten die fünf sich auf in den Zuschauerraum um ihr Publikum zu begrüßen. Dies eröffnete dann auch das nächste Lied, dessen Text sich einem alltäglichen Szenario widmete: Smalltalk. Beim darauffolgenden „Geburtstagssong“ – schnell wurde ein Geburtstagskind unter den Zuschauern ausgemacht – demonstrierte die Gruppe einmal mehr, wie man A-cappella-Musik humorvoll gestalten kann.

Eben jener Humor kam auch nicht zu kurz, als Jörg Schwarzmanns scheinbar auf den Köpfen seiner Bandmitglieder Schlagzeug spielte, begeisterter Szenenapplaus der Zuschauer inklusive. Dass es aber auch ganz anders geht, bekam das Publikum direkt im Anschluss zu sehen und, vor allem, zu hören. Mit „Die Leuchtturmfunktion“ durchströmten Nachdenklichkeit und Gefühl den Saal, in dem es jetzt ganz still war.

Danach gewannen alle Zuschauer wieder einen Einblick in die Vergangenheit von VivaVoce, einem personellen Wechsel und der etwas anderen „Bewerbung“. Mit „Back for Good“ von Take That schlägt das Ensemble eine Brücke zurück zu den eigenen Anfängen im, zumindest äußerlichen, Stil einer Boy-Group, inklusive fliegend BHs auf die Bühne. Immer wieder sieht man dabei auf Bildschirmen Fotos aus der Vergangenheit der Musiker.

Daran anknüpfend, boten die Sänger zunächst eine Prinzen-Ballade bevor sie eine A-cappella-Version des Helene Fischer Ohrwurms „Atemlos durch die Nacht“ zum Besten gaben. In einer netten Anekdote klärten sie das Publikum darüber auf, dass Fischer sich einst ihnen gegenüber erfreut gezeigt hatte „wenn man singen kann, ohne Musik im Hintergrund zu haben“. Natürlich hatte dies Gelächter im Saal zur Folge.

Und wieder war das Publikum in Lindau gefragt. Es wurde dazu aufgefordert verschiedene Musikrichtungen zu nennen wie HipHop, Klassik, Jazz oder Hard Rock, die die Gruppe spontan auf „Atemlos“ projizierte, zeigte sich einmal mehr das stimmgewaltige Talent der Franken.

Mit Matthias Hofmann´s „Wo ist die Pipi-Box?“ entließen sie ihre begeisterten Fans in die Pause.

Der zweite Abschnitt begann nicht nur mit anderer Kleidung, sondern auch einer deutschen Version des AC/DC Klassikers „Highway To Hell“. Auch die nächsten Lieder vergingen in Windeseile mit viel Leichtigkeit, welche sich durch das gesamte Konzert zog. Frenetischer Applaus brandete noch einmal nach einer herzerwärmenden Version von „Halleluja“ auf. Es folgten sowohl gesellschaftskritische als auch humorvolle Stücke welche vom Publikum mit großem Jubel quittiert wurden. Passend zum Jubiläum gab es danach eine unterhaltsame Komposition zum Thema „20“ – mit vielen musikalischen Zitaten und deren „Umwidmung“ der originalen auf die passende Zahl. David Lugert, Jörg Schwartzmanns, Matthias Hofmann, Heiko Benjes und Bastian Hupfer begeisterten bei ihrem Auftritt von der ersten bis zur letzten Minute. Die Vielfalt der Musikrichtungen, der Wortwitz und das Tempo zogen das Publikum in den Bann. Dabei mischen sie alle Stilrichtungen bunt durcheinander: Pop, Rock, Heavy Metal, Country, Klassik, Schlager, oder Oper. Sogar einen waschechten Rap brachte die A-cappella-Band zu Gehör.

Beim Jubiläums-Programm konzentrierte sich „Viva Voce“ nicht nur auf ein „Best of“ der letzten Jahre, zum Repertoire gehörten auch viele neue Songs.

Nach mehreren Zugaben wie Mando Diaos „Dance With Somebody“ verabschiedete sich die A-cappella-Truppe dann mit einem ganz besonderen Jubiläums-Höhepunkt, der noch einmal für tosenden Beifall sorgte.

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