Publikum feiert Schmidbauer, Kälberer und Pollina

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 Werner Schmidbauer, Pippo Pollina und Martin Kälberer (von links) begeistern in der Lindauer Inselhalle.
Werner Schmidbauer, Pippo Pollina und Martin Kälberer (von links) begeistern in der Lindauer Inselhalle. (Foto: Fotos: sd)
Susi Donner

„Das war so wunderschön. Ich fühle mich richtig beseelt. Ich glaube, ich bin schockverliebt. Die drei sind unfassbar gut“, schwärmte eine junge Frau mit einem innigen Seufzer zu ihrer Begleitung beim Verlassen der Inselhalle. Den Wahrheitsgehalt ihrer Worte hätten ihr an diesem Abend sehr wahrscheinlich die meisten der Besucher ohne zu zögern sofort unterschrieben. Sie alle erlebten das Konzertprojekt „Süden II“ des Liedermacher-Trios Werner Schmidbauer, Martin Kälberer und Pippo Pollina – jeder für sich ein großartiger Solokünstler – das sie so sehr begeistert hat.

Die Inselhalle war für diesen Abend in ihrer vollen Größe geöffnet und so gut wie ausverkauft. Für Stunden voller Musik, italienischer Leichtigkeit und bayerischer Lebensfreude. „Was für ein gesegneter Ort für unser Konzert“, begrüßte Schmidbauer das Publikum. Lange sei er nicht mehr auf der Lindauer Insel gewesen, und so habe es ihn heute buchstäblich gerissen, als er die schöne neue Halle gesehen habe.

Was diesen Abend ausmachte, war einerseits natürlich die Musik, der italienisch-bayerische Dreigesang, die vielen Instrumente, die die stimmungsvoll beleuchtete Bühne füllten, die gehaltvollen Texte, die sanften Balladen, feiner Italo-Pop und leidenschaftliche Politsongs.

Jedes Lied hatte zwei Sprachen – Pollina begann italienisch, Schmidbauer ergänzte in bayerischer Mundart. Oder umgekehrt.

Die meisten Lieder hatten ein Thema: Südliche Lebensfreude, südlicher Himmel. Aber auch das Elend der Flüchtlinge, die dort, in Pollinas südlicher Heimat ans Ufer gespült werden. Und die Not, die in der Armut des Südens entsteht und bei uns den Rechtspopulismus nährt.

Schon lange seien sie auf der Süden-II-Tournee. Weil sie Silvester, so wie sie das seit zehn Jahren tun, in Pippos Heimat Westsizilien verbrachten, und dort die Lieder ihres zweisprachigen Musikprojekts und ihre Gedanken sortiert haben, seien sie ausgeruht und aufgeladen und „haben richtig Lust, wieder zu spielen“, erklärte Schmidbauer. Er erzählte berührend von seinem vor 34 Jahren tragisch in den Bergen verunglückten Vater, mit dem er als junger Mann heißblütig politische Themen diskutiert habe. „Stolz“, habe sein Vater gesagt, „stolz kannst du nur auf etwas sein, das du geschaffen hast, oder das aus dir entstanden ist. Nicht aber auf die Gnade der Geburt in unserem Land.“ Papa Schmidbauer wollte seinem Sohn die Absurdität des Nationalstolzes näherbringen. Das Lied, das der junge Werner daraufhin geschrieben hat – „Stolz“ – sei am längsten in seinem Repertoire. Und weil es bis heute an Aktualität nicht zu übertreffen ist, sangen sie es auch für das Lindauer Publikum. Mit seinem Lied „Vita d’artista“ setzte Pollina einen emotionalen Höhepunkt. Die gefühlvolle Ballade erzählt vom Leben der drei Künstler und Musiker: Immer auf Reisen, sehen sie ihre Familien viel zu selten und verpassen viel zu viel aus dem Leben ihrer Kinder. Auch wenn ihre Kinder heute selbst erfolgreiche Musiker seien, klang das Bedauern darüber in der Melodie mit.

Und so war das Konzert geprägt von den Persönlichkeiten, die dort auf der Bühne standen, und für zutiefst menschliche Momente sorgten wenn sie so freimütig aus ihrem Leben erzählten.

Singen sei die beste Therapie, erklärte Pollina und verriet, dass die schönste Frage, die man ihm als Kind stellen konnte, war „Pippo, singst du für uns ein Lied?“ Martin Kälberer, der wie ein mystischer Druide mit Händen, Besen und Drumsticks sein Schlagwerk bearbeitete, erklärte die Hang, eine Steeldrum, die ein Berner Musiker erfunden hat, und das Lied, mit dem er die Vielseitigkeit des außergewöhnlichen Instruments demonstrierte heißt natürlich „Südhang.“ Nach mehr als zwei Stunden Konzert hielt es das Publikum nicht mehr aus. Stand mitten im rauschenden Beifall auf und begannn zu tanzen. Bravo-Rufe, Jubel. Die Musiker auf der Bühne strahlten. Es war ein Fest der großen Gefühle, das mit drei ausgiebigen Zugaben und schockverliebtem Publikum zu Ende ging.

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