Probleme erkennen, angehen und lösen - so kann es klappen

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Aus den Strategien und Impulsen von Coach und Psychiater Christian Peter Dogs können sich seine Klienten die aussuchen, die zu
Aus den Strategien und Impulsen von Coach und Psychiater Christian Peter Dogs können sich seine Klienten die aussuchen, die zu ihnen passt. (Foto: kst)
Schwäbische Zeitung

Der Psychiater und Coach Christian Peter Dogs lebt in Lindau. Er hat mit der Unternehmerfamilie Obenaus die Panorama-Fachkliniken in Scheidegg gegründet, betreibt eine Praxis in Nonnenhorn und ist ärztlicher Direktor einer psychosomatischen Klinik in Bühl bei Baden-Baden. Christian Peter Dogs hat mit Kristina Staab über seine Strategien zum Lösen von Problemen gesprochen.

Wir spüren in unserer Serie Lösungswege auf – sehen Sie sich als Problemlöser?

Ganz klar. Ich habe jeden Tag mit Menschen zu tun, die vor Problemen stehen. Sie selbst haben keine Lösungsstrategien. Der erste Schritt ist eigentlich immer, den Leuten klarzumachen, um welche Probleme es wirklich geht.

Also ist das geschilderte Problem oft nicht das eigentliche?

Im Coaching geht es fast nie um das, was die Klienten als Problem vorstellen. Denn Menschen verschieben Konflikte gerne in ungefährliche Bereiche und von den Personen weg, um die es wirklich geht.

Was ist die Herausforderung dabei, das wirkliche Problem aufzudecken?

Menschen haben zwei Grundeigenschaften: Sie sind feige, bequem und wollen sich daher wirklichen Konflikten nicht stellen. Außerdem gehen sie wirklich gerne auf Nebenkriegsschauplätze. Die Herausforderung ist, jemanden sachte und mit freundlichen Provokationen dahin zu bringen, dass er sich wirklich der Thematik stellt, um die es geht.

Menschen auf das wirkliche Problem aufmerksam zu machen, ist sicher eine unangenehme Aufgabe. Wie gehen Sie das an?

Ich lasse mir immer die Geschichte erzählen. Wenn beispielsweise ein Paar von seinen Problemen berichtet, geht es meistens um Nebenkonflikte. Dann frage ich freundlich rein: Haben sich Ihre Gefühle verändert? Was empfinden Sie für Ihren Partner? Oder ich frage ganz allgemein: Könnte es sein, dass es um etwas ganz anderes geht? Das Gute ist: Wenn man anfängt den Problembereich anzustoßen, dann gibt es eine hohe Mitteilungsbedürftigkeit.

Das eine ist, das Thema zu erkennen, das andere ist, eine Lösung zu finden.

Nein, es geht nicht gleich darum, eine Lösung zu finden. Für mich liegt der Weg erst mal darin, überhaupt im Problem zu sein. Erst mal das Problem wirklich annehmen.

Was passiert im nächsten Schritt?

Wichtig ist, mit den Leuten zusammen Lösungen zu entwickeln. Der Therapeut kann nur Impulse geben. Aus der Vielzahl der Impulse und Strategien, die ich anbiete, können sich die Klienten ihre Strategie aussuchen. Am besten hat man das gemacht, wenn die Leute am Ende sagen: „Wir hätten Sie gar nicht gebraucht.“ Denn dann haben sie ihr eigenes Potenzial zur Problemlösung erkannt.

Welche Strategien zur Problemlösung bieten Sie an?

Das ist zum einen das sogenannte Re-Framing. Bei dieser Strategie bringt man den eigenen Konflikt in einen anderen Sinnzusammenhang. Es geht darum, dass man eine andere Einstellung zu dem Ganzen bekommt. Beispielsweise habe ich ein Paar begleitet, das sich trennen wollte. Der Mann war von seiner Frau betrogen worden und war tief gekränkt. Er wollte sich scheiden lassen und sie finanziell in die Knie zwingen.

Was haben Sie dann gemeinsam erarbeitet?

Mit ihm habe ich darauf geschaut, dass er 20 Jahre mit seiner Frau zusammen war und sie zwei tolle Kinder haben – wir haben geschaut, wo die Ressourcen sind. Später wollte der ziemlich reiche Mann ihr gerne Geld geben. Ich hatte ihn gefragt: „Sind Sie lieber ein großzügiger Typ, oder sind Sie ein kleiner knittriger?“ Nachher hatte er die Weisheit, über der Kränkung zu stehen. Die Ehe besteht jetzt sogar noch.

Also über die Einstellungsänderung löst sich das Problem quasi auf?

Ganz so einfach ist es nicht. Die Frage ist immer: Was kannst du aktiv tun, um etwas zu verändern? Nachdem jemand das Problem angenommen hat, muss man erst herausfinden, ob er überhaupt motiviert ist, daran etwas zu ändern.

Wie motivieren Sie Menschen, etwas zu ändern?

Es gibt eine sogenannte Dissonanztheorie: Sie geht davon aus, dass das Leben aus Konsonanzen und Dissonanzen besteht. Manches in deinem Leben ist so wie du es möchtest, anderes nicht. Du kannst ein gewisses Maß an Dissonanzen ertragen: Man sagt, beim durchschnittlichen Deutschen sind das rund 50 Prozent. Und umso mehr dissonant ist – umso unglücklicher und kränker wirst du. Ab einem gewissen Grad ist der Leidensdruck dann so hoch, dass man etwas ändern will. Das Wesentliche ist, dass wir Menschen diese Dissonanzen oft nicht sehen wollen. Eine meiner Strategien besteht darin, das Problem so deutlich zu machen, dass ein Leidensdruck entsteht, so dass der Klient bereit wird, sich zu verändern.

Und wie verändert man sich wirklich, also nachhaltig?

Dafür braucht man eine innere Umnormierung: Was ist wirklich wichtig im Leben und was nicht? Viele verlieren sich in Nichtigkeiten. Ich mache einmal im Jahr eine Gruppe auf Mallorca mit Managern mit dem Thema „Warum? Weshalb?“ Das Thema ist eigentlich banal: Warum arbeite ich so viel und weshalb mache ich weiter, obwohl ich schon so viele Millionen auf dem Konto habe? Für was mache ich mich so kaputt? Das Dumme ist, die Leute stellen sich die Frage gar nicht. Die machen einfach alle weiter. Man muss erst mal das Bewusstsein dafür entwickeln, dass Familie, Beziehung und Gesundheit wichtiger sind als alles andere. Aber meistens werden die Leute erst wach, wenn sie krank werden. Oder wenn Beziehungen kaputt gehen. Dann sagen sie: „Ich würde meine ganzen Millionen geben, um das wieder herzustellen.“

Gibt es auch Fälle, in denen es gar kein Problem gibt?

Ja, das kommt auch bei der Umnormierung oft heraus. Die Leute erkennen, dass sie sich einfach zu wenig Zeit für sich und ihre Familie nehmen.

Aus Ihrer Erfahrung heraus: Wie sollte man mit den eigenen Problemen umgehen?

Der wesentliche Punkt ist, darauf zu schauen: Was ist in meinem Leben wirklich gut und auch was ist schlecht? Aber mich auf die positiven Dinge zu konzentrieren. Es ist besser, die Stärken zu sehen, die ich habe, anstatt immer nach den Schwächen zu gucken. Ich kann jedem empfehlen, sich auf das zu konzentrieren, was ich an Familie habe. Außerdem sollte man bei Problemen darauf schauen, um was es wirklich geht. Rede nicht mit anderen über andere, sondern rede mit der Person, die es angeht. Schaue hin, welche Möglichkeiten der Lösung es gibt, statt in der Opferhaltung zu verbleiben.Wichtig ist zu erkennen, dass man manche Probleme auch einfach haben darf und nicht für alles eine Lösung finden muss. Für Manches gibt es keine Lösung und das darf auch so sein.

Lindauer Psychiater schreibt Spiegel-Bestseller

Wenn der Lindauer Psychiater Christian Peter Dogs Patienten behandelt, kann er sich oft gut in sie hinein fühlen. Der Arzt wurde als Kind selbst schwer misshandelt – psychisch und physisch. Darüber schreibt er in seinem neuen Buch mit dem Titel: „Gefühle sind keine Krankheit“, das seit Monaten unter den Top 20 der Spiegel-Bestsellerliste rangiert. In seinem Buch übt er aber auch Kritik. Denn seiner Meinung nach läuft in der Psychotherapie viel falsch.

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