Porträts sind ihre große Leidenschaft

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 Die Künstlerin Charlotte Waldburg-Zeil zusammen mit Constantin Waldburg-Zeil und Elizabeth Waldburg-Zeil (von links) in ihrer A
Die Künstlerin Charlotte Waldburg-Zeil zusammen mit Constantin Waldburg-Zeil und Elizabeth Waldburg-Zeil (von links) in ihrer Ausstellung “1st” in der Einrichtungslounge. (Foto: Babette Caesar)
Babette Caesar

Es ist die erste öffentliche Präsentation mit Bildern der jungen Künstlerin Charlotte Waldburg-Zeil. Dementsprechend titelt die am Samstag eröffnete Ausstellung schlicht „1st“ und zeigt in der Einrichtungslounge in Aeschach 30 Werke. In Öl gemalt oder gezeichnet bilden sie Porträts, Tiere und Stillleben ab. Mittlere und große Formate beleuchten die geradezu altmeisterliche Technik, die sich im Gegenzug, was die Motivik angeht, auf der Höhe der Zeit befindet.

Kabinetträume wechseln mit weitläufigen Räumlichkeiten ab, betritt man die Einrichtungslounge in der Friedrichshafener Straße. Passend dazu sind die unterschiedlichen Formate und Motive platziert. Kleine gezeichnete Akte, weibliche und männliche, bespielen einen intimen Raum. Sie erinnern ihrer Ausgestaltung nach an akademische Studienzeiten. Im Gespräch mit Charlotte Waldburg-Zeil erzählt sie von dem künstlerischen Ausbildungsweg, den sie während drei Jahren an der „Florence Academy of Art“ im schwedischen Mölndal genossen hat. Beim Zeichnen und Malen nach Modellen habe sie sehr viel gelernt, was die Basis für ihr künstlerisches Schaffen darstelle.

Berührender Zugang zum Menschlichen

Das widerspiegelt diese erste Schau mit ihrem handwerklich fundiertem Können und der charaktervollen Ausdruckskraft, die den Bildern inne wohnt. „Mit Dir mache ich eine Ausstellung“, blickte Diana Waldburg-Zeil in ihrer Begrüßung der vielen Gäste am Abend acht Jahre zurück. Da sei sie von Charlottes Bildern und ihrem Talent so begeistert gewesen. Damals war die 1992 in Ravensburg geborene Künstlerin 19 Jahre alt, hatte ihren Schulabschluss in der Tasche mit dem Ziel, sich der Kunst zu widmen. Das kommt nicht von ungefähr, hat sie diese Liebe doch schon als Kind und Jugendliche für sich entdeckt. Das anfangs begonnene Studium der Malerei und Zeichnung an der Universität für Angewandte Kunst in Wien sei nicht das ganz Passende gewesen, wonach sie sich für die Akademie in Florenz mit ihren verschiedenen Zweigen, unter anderem in Schweden, entschied.

Einen Raum weiter dominieren ihre Tierporträts. „Golden Eagle“ und „Bateleur Eagle“ titeln sie. Oder einfach „Huhn“ und „Schaf“. Allen gemeinsam ist die Frische und Lebendigkeit, die sie in Form von Ganzkörper- oder Kopfporträts ausstrahlen. Zum Greifen nah erscheint das weiße Gefieder des Huhns vor einer saftig grünen Wiese, während die Raubvogelköpfe sich vor einem weiß belassenen Fond ganz auf ihr Wesenhaftes konzentrieren.m Mittelpunkt der Schau stehen Charlotte Waldburg-Zeils Porträts von „Alexandra“, „Elizabeth“, „Wilhelm“ und „Constantin“. Entweder in Öl, mit Bleistift oder Kohle sind ihre Geschwister und weitere Familienmitglieder auf die Leinwand oder das Papier gebannt. Oft frontal blicken sie dem Betrachter ernst und offen direkt in die Augen. Jede kleine Nuance der Mimiken und Gestiken ist eingefangen, ohne dass diese Detailliertheit zur Vordergründigkeit gerät. Ihre dargestellten Lieblingsmodelle strahlen vor allem Natürlichkeit aus. Charakterzüge scheinen durch beim Blick auf die großen Formate mit „Elizabeth“, die sich selbstbewusst und modern in einem Interieur mit Labrador präsentiert. Gleiches trifft auf das Hochformat „Aya Frick. The Wrestler“ zu mit der Darstellung einer jungen, muskulösen Frau, die sich kraftvoll und angespannt wie auf dem Sprung auf einen zu gibt. Diese Porträts entstehen in Modellsitzungen, während den Tierbildern Fotografien und Zeichnungen als Vorlagen dienen. Die beiden fast schon hyperreal wirkenden Polopferde habe sie sich auf Anfrage in voller Montur vorführen lassen. Gesattelt und gelb bandagiert stehen sie parat. Betont klassisch geben sich auch ihr „Horse with no name“, die Stillleben oder der in Öl gemalte große weibliche Akt. Es ist die fein ausgelotete Art der Strichführung und Farbgebung, die das Auge anzieht und fixiert. Mit Blick auf zwei Selbstporträts – in Öl und als Zeichnung – bestätigt sich Waldburg-Zeils direkter und berührender Zugang zum Menschlichen. „Jemanden so darzustellen wie er oder sie ist“, formuliert sie ihren künstlerischen Anspruch.

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