Politiker aus Lindau empört über Edekas Kampagne

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Stadträte sind verärgert über die Werbekampagne unter dem Motto „Manches vermisst man erst, wenn es weg ist“, mit der Edeka sei
Stadträte sind verärgert über die Werbekampagne unter dem Motto „Manches vermisst man erst, wenn es weg ist“, mit der Edeka seinen Neubau im Bahlsenareal durchsetzen will. (Foto: Bild: Edeka)
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Dass und mit welchen Mitteln Edeka für einen Neubau auf dem früheren Bahlsengelände wirbt, das empört Stadträte und Verwaltung. Das wurde während der Bürgerfragestunde in der jüngsten Stadtratssitzung deutlich. Doch Edeka weist die Vorwürfe zurück und will möglichst jeden einzelnen Stadtrat dazu bewegen, seine Meinung zu ändern.

Sechs Anfragen in der Bürgerfragestunde richteten sich zum E-Center. Bei den Fragestellern handelte es sich um Andreas von Hollen sowie um Mitarbeiter des Unternehmens und eine Nachbarin des bisherigen E-Centers im Heuriedweg. Die Fragesteller brachten ihr Unverständnis darüber zum Ausdruck, dass Stadtrat und Verwaltung keinen Neubau des E-Centers auf dem Bahlsengelände wollen.

Pressesprecher Jürgen Widmer und Kay Koschka von der Stadtplanung wiederholten die Gründe, die dagegen sprechen, dort Einzelhandel zuzulassen. Vor allem habe Lindau nur noch wenige Grundstücke, die für Gewerbe geeignet sind. Diese wolle man für produzierende Betriebe reservieren. Außerdem hätte eine Öffnung an der Stelle Folgewirkungen auch für andere Grundstücke. Zudem wäre das Bahlsenareal zwar gut für Edeka geeignet, weil die Nähe zur Autobahn und die Nähe zur Grenze viele Kunden aus Österreich und der Schweiz verspreche. Aufgabe der Stadt sei aber die Versorgung der eigenen Bürger, und dafür sei dieses Grundstück eben nicht gut geeignet.

Koschka verwies darauf, dass die Stadtverwaltung Vertretern von Edeka dies bereits seit fünf Jahren immer wieder gesagt habe. Dabei habe man auch auf mögliche andere Standorte hingewiesen, bei denen die Stadt eine Neuansiedlung wohlwollend prüfen würde. Bisher sei Edeka darauf aber nie eingegangen, sondern habe sich auf das Bahlengelände festgelegt.

Stadtrat hatte den Konzernchef persönlich am Telefon

Dass Edeka mit einer Werbekampagne die Öffentlichkeit für einen neuen Supermarkt auf dem Bahlsengelände mobilisiert, verärgert die Verwaltung. Koschka fragte, ob Edeka danach für ihn noch „ein seriöser Geschäftspartner“ sein könne, zumal das Gutachten des Unternehmens von zweifelhafter Qualität sei. Doch die Verwaltung will dem Druck standhalten, sagte Koschka: „Wir lassen uns nicht erpressen.“

Und dabei hat die Verwaltung offenbar den Rückhalt des Stadtrats. Redner fast aller Fraktionen zeigten sich ebenso verärgert über Edeka, mancher möchte gar am liebsten nicht weiterverhandeln, sondern den laut Einzelhandelsgutachten im Lindauer Norden wünschenswerten neuen Supermarkt durch einen anderen Betreiber einrichten zu lassen. Das könnte die Stadt möglicherweise durch eine Ausschreibung veranlassen.

Angelika Rundel (SPD), Max Strauß (BL), Thomas Hummler (CSU) und Roland Freiberg (BU) lobten die Verwaltung für ihre Standfestigkeit. Verärgert sind die Räte vor allem, weil Edeka im neuesten Werbespot im Internet Mitarbeiter sprechen lässt, die um ihren Arbeitsplatz bangen. „Aber das ist nicht die Kampagne der Beschäftigten, sondern des Konzerns“, erwiderte Strauß. Die Verantwortung für den Verlust der Arbeitsplätze trage die Konzernleitung, die jahrelang nicht auf die Vorschläge der Stadt eingegangen sei.

Thomas Zipse (FW) berichtete, dass er sich am Gründonnerstag über die Pressestelle bei Edeka über die Kampagne beschwert habe. Daraufhin habe ihn Edeka-Vorstandsvorsitzender Markus Mosa persönlich angerufen, um für ein E-Center auf dem Bahlsengelände zu werben. Die Tatsache, dass der oberste Konzernboss persönlich sich in den Lindauer Details sehr gut auskannte, findet Zipse bemerkenswert.

Edeka möchte gern jeden Stadtrat persönlich überzeugen

Edeka nimmt zu den Vorwürfen im Detail nicht Stellung und zeigt sich von den Vorwürfen „überrascht“. Regina Jud von der Pressestelle Edeka Südbayern sagt auf Anfrage der Lindauer Zeitung, dass die Verantwortlichen in Lindau „noch nicht alle Fakten und Aspekte zur Kenntnis genommen“ hätten. Deshalb strebe Edeka „einen konstruktiven, offenen und fachlichen Dialog“ mit der Stadtverwaltung an. Außerdem wolle das Unternehmen „weiter versuchen, die Möglichkeit zu bekommen, in persönlichen Gesprächen mit den Verantwortlichen unsere Planungen vorzustellen, über mögliche Bedenken und Unklarheiten zu sprechen und um Vertrauen zu werben. Für uns wäre es auch selbstverständlich, jeden einzelnen Entscheidungsträger im persönlichen Gespräch von den Vorteilen unseres Konzeptes, von dem letztendlich die Lindauer Bürger profitieren, zu überzeugen.“ Dafür habe man immerhin mehr als 10000 Unterschriften gesammelt, „die sich für einen Umzug stark machen“.

Den Vorwurf, Edeka wolle bestehendes Recht aushebeln, wies Jud zurück: „Wir sind davon überzeugt, dass die Ansiedlung eines E-Centers auf dem Bahlsenareal für die Bürger von Lindau einen deutlichen Mehrwert an Einkaufsqualität schafft.“

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