Passend zum paradiesischen Lindauer Gartenjahr: Uta Weik hat aus ihren Bildern ein Buch erstellt

Isabel de Placido

Galerien zu, Museen zu, Ausstellungsräume zu. Für Künstler sieht es in diesen Corona-Zeiten ziemlich düster aus. Zumindest was die Präsentation ihrer Werke anbelangt. Doch wo die Pandemie Türen zuschlägt, hat sich für die Künstlerin Uta Weik eine neue geöffnet: Weil sie ihre Werke zumindest im Moment nicht als Ausstellung präsentieren kann, hat sie sie zu einem Buch zusammengefasst. Ein Format, das mehr Möglichkeiten birgt, als nur allein die Bilder zu zeigen. Und so ist mit „Bin im Garten. Erinnerungen an den Garten meiner Großmutter“ eine wundervolle Bilder-Buch-Geschichte der besonderen Art entstanden, die obendrein auch noch thematisch bestens zum paradiesischen Lindauer Gartenjahr passt.

Blaue Hortensienblüten, die im Gegenlicht ins dunkle Lila abdriften, altrosafarbener Fingerhut, der sich zum sommerblauen Himmel reckt, tiefblau blühender Borretsch inmitten des satten Grüns wiegender Halme oder filigraner Giersch, dessen weiße Doldenblüten pudrig-zart im lauen Sommerwind wehen. Wundervoll und dynamisch ist diese Farbpracht und Blütenfülle, die sich auftut, wenn die Seiten dieses schönen Buches aufgeschlagen werden. Und das nicht nur wegen dieser düsteren Zeiten, in denen die Pandemie jedwedes kulturelle Leben verbietet und die Vorfreude auf das Gartenschau-Jahr wenigstens ein Lichtblick am grauen Winterhimmel ist.

Nein, extra wegen der Gartenschau hat Uta Weik diese Bilderserie, diesen Gartenzyklus, nicht entstehen lassen. Doch gezeigt hätte sie ihn trotzdem zu diesem Anlass gerne. Nur dass ihr sowohl ein geeigneter Ort für eine Ausstellung fehlt, als auch die Leute, die sie beaufsichtigen würden. Als klar war, dass es zumindest vorerst damit nicht klappen würde, hat sich die Künstlerin kurzerhand dazu entschlossen, ihre Bilder den Menschen trotzdem zu zeigen. Und zwar in einem Buch.

„Ich hatte drei Jahre an dieser Serie gemalt, die jetzt ausstellungsreif ist. Und da habe ich mir überlegt, wie ich sie an die Luft bringen kann. Denn dafür malt man ja: Dass man es sieht“, erklärt Uta Weik lachend. Sie erzählt, dass ihr eines Nachts die Idee für einen „Katalog für alle“ kam. Damit eben „alle“ auch verstehen, warum sie einen Garten und ausgerechnet diesen Garten malt und sich künstlerisch einem Thema nähert, das eigentlich überhaupt so gar nicht ihre Tradition ist. „Deshalb hatte ich das Gefühl, ich muss es erklären.“ Und so entstand „die Geschichte davor“ und daraus wiederum hat sich ziemlich schnell ergeben, dass das ein Buch wird.

Buch statt Ausstellung also. „Was natürlich für den Besucher den großen Vorteil hat, dass man ohne Schwellenangst immer rein gehen kann, wenn einem grad danach ist und man sich nicht alles auf einmal anschauen muss. Man kann sich was raussuchen und dann verweilen.“ Und Lieblingsbilder finden, ohne es erklären zu müssen. „So ein Buch hat also Riesenvorteile, gerade auch für Leute die nicht so gerne in eine Ausstellung gehen“, findet Uta Weik und erzählt mit einem verschmitzten Lächeln, dass diese Art von Ausstellung auch für sie als Künstlerin eigentlich etwas sehr Schönes sei.

Etwa, weil in diesem Buch all das beantwortet würde, was auf Vernissagen immer gern gefragt werde, und es ihr darüber hinaus die Möglichkeit biete, noch viel mehr zu erzählen. Also auch jene Hintergründe, wie etwas entsteht und warum. „Und auch ein bissle was über mich, denn es ist ja ein bissle biographisch“, sagt Uta Weik schmunzelnd und lässt im Dialekt ihre Stuttgarter Herkunft erkennen. „Vielleicht ist es ja auch ein bissle dem Alter geschuldet, dass man zurückblickt und Erinnerungen durchforstet, Fotoalben durchschaut. Das Buch ist eigentlich eine schöne Mischung, denn ich kann Erinnerungen und Phantasien in eine Form bringen.“

Ein Buch, das also die Geschichte der Bilder erzählt. Eine Geschichte, die mit einem Burnout beginnt, zu dessen Therapie es gehörte, dass sich die Künstlerin und ehemalige Lehrerin in eine wunderbare Erinnerung, an einen paradiesischen Ort der Geborgenheit begeben sollte. „Ich erinnerte mich sehr schnell und genau, wie es dort aussah, wie das Licht war, wie es roch und wie sich die Umgebung anfühlte“, sagt Uta Weik und erzählt, dass sie sich an eben diesem Ort völlig geschützt und rundherum glücklich fühlte und dadurch ein Teil davon wurde: „Und das war im Garten meiner Großmutter. Es war ein paradiesischer Ort.“

Am glücklichsten fühlte sie sich in dessen Mitte, um die ringsherum blühende Stauden, Kräuter und Nutzpflanzen wuchsen. Und zwar im Jahre 1958. Da war Uta Weik gerade mal fünf Jahre alt. Den ganzen Sommer über verbrachte das Mädchen bei den Großeltern in Haiger an der Dill, am Rande des Westerwaldes. Es waren nicht nur besonders lange Ferien, es war auch noch ein besonders schöner Sommer mit vielen heißen Tagen. So dass die Stunden im Garten mit „pflanzen, beobachten, hegen und ernten“ niemals lang wurden.

„Das Wesentliche war eben die Mitte, wohin alle Wege und Gänge führten, zu der alle Pflanzen und Blumen hinzuwachsen schienen, alles hinstrebte. Ganz besonders das Kind, das diesen Garten so liebte: Die Mitte war das eingefriedete Rondell mit dem Gartenhaus, das eigentliche Ziel, das Zentrum aller Gedanken, Spiele und Tätigkeiten, der Ort der Ruhe, des Friedens, des Kuchens und des Himbeersafts“, liest Uta Weik aus der einfach und doch poetisch erzählten Geschichte hinter den Bildern vor und zeigt dazu auf die quadratischen schwarz-weiß Fotografien, die das Glück von einst erahnen lassen.

Auch die kleinen „Krakel-Briefe“ aus jenem Garten-Sommer der kleinen Tochter, die die Mutter ein Leben lang in der Brieftasche bei sich trug und die jetzt, im Bewusstsein dieser Liebe, im Original hinter Glas an Uta Weiks Wand hängen, sind hier abgedruckt. Sie erzählen von Blumenkohl, Schaukeln, Vögelein, Nelken und Glück. Gefühle, Eindrücke, Gerüche und Erinnerungen, die Uta Weik in ihren Garten-Bildern festgehalten hat.

Immer aus der Mitte, aus dem Rondell heraus und stets auf dem Bauch liegend. Mal als Aquarell, mal als Acryl-Malerei, einige betont realistisch, gegenständlich, fast schon kindlich, naiv. Die anderen abstrakt, abstrahiert. Blumen, Pflanzen Gräser, die sich zu Punkten und Strichen auflösen. In einer Vielfalt und Tiefe an Farben, wie es sie nur die Natur hergibt. Eine Sammlung aus über 40 Bildern, eine Serie, bei der genau das passiert, was L. Lambert in seiner künstlerischen Einordnung des Werkes in Worte fasst: „Man spürt beim Betrachten der Farb- und Blütenfülle in den Bildern förmlich den umfangenden Duft, den einhüllenden und schützenden Bereich, der dem Kind seine Welt und der Erwachsenen ihre schönste Erinnerung ausmacht.“

Ein Bilder-Buch aus Großmutters Garten also, das die Bilder zur Geschichte zeigt und die Geschichte zu den Bildern erzählt. Und dem Corona, wie schon der möglichen Ausstellung, einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Als nämlich die Buchhandlungen, wie alle anderen Läden auch, kurz vor Weihnachten schließen mussten. Seitdem liegen Buch und Bilder im Atelier der Künstlerin und harren der paradiesischen Zeiten, die dann da hoffentlich im Gartenschaujahr kommen werden.

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