„Opas Diandl“ trifft den Nerv der Zuschauer

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Die Südtiroler Band “Opas Diandl” (im Bild) feiert mit viel Ausgelassenheit ihr zehnjähriges Jubiläum im Zeughaus.
Die Südtiroler Band “Opas Diandl” (im Bild) feiert mit viel Ausgelassenheit ihr zehnjähriges Jubiläum im Zeughaus. (Foto: Babette Caesar)
Babette Caesar

Sicher, ein Open Air in einer sommerlich warmen Nacht auf dem Schrannenplatz wäre noch schöner gewesen. Nur wollte das Wetter am Sonntagabend nicht mitmachen und so trat „Opas Diandl“ im ausverkauften Zeughaus auf. Der Stimmung hat das nichts anhaben können. Viele unter den Besuchern waren Fans dieser aus Südtirol angereisten Band. Sie waren von Anfang an ausgelassen dabei, während das Ensemble auf der Bühne das aktuelle, mittlerweile vierte Album feierte.

Schlicht „X“ titelt die neu herausgebrachte CD und steht für „10“. So viele Jahre gibt es diese Band bereits, die sich musikalisch zwischen Folk und Rock, Ballade, Klassik, Jodeln und Songwriting bewegt. Einordnen in einen Stil lassen sich die fünf Musiker nicht. Nur irgendwo zwischen alpenländischen Traditionen und einem gehörigen Schuss zeitgenössischen Einflüssen.

So tönte ihr Auftakt mit „Dotterdämmerung“ nach irischem Folksong, nur wenn Markus Prieth, Veronika Egger und Daniel Faranna ihren mehrstimmigen meditativen Jodelgesang anstimmen, nimmt die Richtung einen anderen Verlauf. Zusammen mit Thomas Lamprecht und Jan Langer lassen sie sich auf nichts festlegen und sind doch ganz klar in ihrer Südtiroler Mundart verwurzelt. Sie können laut und leise, beschaulich und rasant schnell bis hin zum Overkill. Markus Prieth wechselt zwischen Bratsche, Raffele und Banjo. Veronika Egger zwischen Geige und Viola da Gamba. Gitarrist Thomas Lamprecht greift gelegentlich zum kleinen Zupfinstrument „Charango“. Daniel Faranna bleibt seinem Kontrabass treu, während Jan Langer seine Percussions auslotet. Den Moderator gibt Markus Prieth und das auf lustvoll-ironische Weise. „Zehn Baustellen auf der Fahrt nach Lindau – das macht doch nix!“, lässt er Luft ab zu Konzertbeginn, um sogleich die abstruse Geschichte zu erzählen, wie es zu „Opas Diandl“ kam. Auf dem Mond, wo es ohnehin immer dunkel und dünn besiedelt sei, hätten sich zwei Menschen getroffen. Adam und Eva. Mittendrin landete die Apollo-Rakete mit einem Wumm aus Richtung Schlagzeug zur schönen, von Liebe durchdrungenen Melodie in G-Dur. Ja, so oder so ähnlich verhält es sich mit dem Geburtsakt zum Lied „Owa Diandl“.

Prieth spricht einem aus dem Herzen

Ihre Songs handeln von Dingen, die jeden Menschen angehen. Von der Liebe, vom Alleinsein, von der Freude und vom Tod. „Olls wos bleibt“ sind deine langen Hände und dein Geruch, wenn es mal wieder nicht geklappt hat. Markus Prieth trifft mit seinem Schalk stets den Nerv des Publikums. „Ihr kennt´s alle das Gefühl verliebt zu sein. Wenn man sich so genial und so kenntnisreich vorkommt und es dann ’Autsch!’ macht. Das summiert sich!“, spricht er einem aus dem Herzen. Mal richtig drüber fliegen, drüber lachen, drüber lieben hilft. Wenn Opas Diandl dazu soft anhebt, um sich zur punkrockigen Ausgelassenheit zu steigern, pulsieren die Adern und tropft der Schweiß von der Stirn. Wenn Veronika Egger in „Neue Welt“ zur Viola da Gamba greift, Prieth zum Banjo und Langer zur Rahmentrommel, dann erklingen Rhythmen, die an arabische Klangmuster erinnern. Sie berühren und machen still – auch angesichts aktueller politischer Situationen, die Prieth zu bedenken gab.

In „Mit dir bei mir“ oder „Braveheart“ packen sie wieder richtig zu, scheuen keinen Polka-Galopp oder verqueren „Tirtlwalzer“. Ernst und leise wird es in „Muaters Stübele“. Das bringt einen auf den Boden zurück, macht nachdenklich. Weder Genre noch Konzept habe das Ensemble. Dafür Charakter, was sie im Zeughaus einmal mehr bewiesen haben.

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