Obstbauern rechnen nur mit einer Drittel-Ernte

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Mehrere Landwirte haben im Frühjahr Obstanlagen rausgerissen und stattdessen Mais gepflanzt. Möglichst sollen dort bald aber wi
Mehrere Landwirte haben im Frühjahr Obstanlagen rausgerissen und stattdessen Mais gepflanzt. Möglichst sollen dort bald aber wieder Äpfel oder Birnen reifen. (Foto: dik)
Redaktionsleiter

Die Obstbauern werden in den kommenden Wochen wohl nur etwa ein Drittel der sonst üblichen Erntemengen einbringen. Darauf lassen die ersten Erntetage schließen, wie Martin Nüberlin berichtet. Der Sprecher der Obstbauern vom bayerischen Bodensee ist deshalb enttäuscht von der Politik.

Der Freistaat habe zwar grundsätzlich finanzielle Hilfen zugesagt, aber auch mehr als vier Monate nach dem Frost wissen die betroffenen Bauern noch nicht, auf wie viel Geld sie hoffen können. Außerdem klagen die Landwirte über hohe bürokratische Hürden, bis sie im kommenden Jahr vielleicht mal Geld sehen. Auch dass sich kein Verantwortlicher, weder Bayern Landwirtschaftsminister Helmut Brunner noch sein Berliner Kollege Christian Schmidt vor Ort selbst ein Bild gemacht hat, obwohl die Lindauer Obstbauern alle mehrfach eingeladen haben, enttäuscht Nüberlin und seine Kollegen. Zu Dritt machen sich die Lindauer Landwirte deshalb an diesem Freitag nach Kempten auf, wo sie Schmidt am Rande eines Wahlkampftermins sprechen wollen.

Vor Ort könnten die Verantwortlichen am besten sehen, wie verworren die Lage ist. Nüberlin berichtete, dass die Ernteausfälle sehr unterschiedlich sind: „In Lindau-Ost sieht es besser aus als in Lindau-West.“ Zudem seien die Sorten unterschiedlich betroffen. Nüberlin spricht aus eigener Erfahrung: In Oberhochsteg hat er eine Anlage mit Williams-Birnen, aus denen er in normalen Jahren 25 Tonnen holt, heuer nur neun Tonnen. Auf seiner Anlage in Rehlings, die in normalen Jahren 30 Tonnen Williams-Birnen bringen, waren es heuer sogar nur 900 Kilogramm. „So unterschiedlich ist das.“

Abernten müssen die Bauern alle Anlagen, egal ob dort viel hängt oder nicht. „Wir holen jede Frucht“, auch wenn in vielen Anlagen heuer die Pflückkosten wahrscheinlich höher liegen werden als die Verkaufserlöse.

Nüberlin hofft nun, dass sich bei den Äpfeln der erste Eindruck bestätigt und die Ergebnisse bei Elstar und Gala halbwegs gut ausfallen. Auch da müssten die Kunden aber wohl damit leben, dass Früchte äußerlich Schäden zeigen. Auf den Geschmack habe das aber keinen Einfluss, versichert der Sprecher der Obstbauern.

Nüberlin weiß, dass einige Kollegen angesichts der Lage sich ernsthaft Gedanken um die Zukunft machen: „Da gibt es Angstsituationen.“ Er hofft deshalb, dass sich die Politik auch in Deutschland für eine Allgefahrenversicherung stark macht, wie sie die EU fördern würde und wie es sie in anderen Ländern schon gibt, um Landwirte gegen die Folgen von Hagel, Frost und andere Naturereignisse zu schützen.

Nüberlin hofft, dass auf den Maisfeldern wieder Obst reift

„Wenn man uns erhalten will, dann muss man darüber nachdenken“, sagt Nüberlin und verweist auf Kollegen, die im Frühjahr schon auf die Schnelle alte Obstanlagen abgerissen und dort Mais ausgebracht haben, weil das eine schnelle und sichere Ernteeinnahme verspricht. Nüberlin hofft aber, dass dies nur kurzfristig bleibt, so dass spätestens in zwei Jahren dort wieder Äpfel und Birnen blühen. Für das Landschaftsbild am Bodensee wäre das wichtig.

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