Obdachlose trifft der Corona-Winter besonders hart

Rein in die Wärmestube: Christoph Breunig, der Kirchenpfleger von St. Josef, übergibt den Schlüssel für das Pfarrzentrum an Conn
Rein in die Wärmestube: Christoph Breunig, der Kirchenpfleger von St. Josef, übergibt den Schlüssel für das Pfarrzentrum an Conny Schäle, Leiterin der Bahnhofsmission Lindau. (Foto: Bahnhofsmission Lindau)
Lindauer Zeitung

Ein Platz zum Aufwärmen, wenn es draußen kalt ist: Im Pfarrzentrum St. Josef in der Kemptener Straße hat die Bahnhofsmission Lindau einen Raum gefunden, der wohnsitz- oder obdachlosen Menschen als Wärmestube offensteht – zumindest für ein paar Stunden am Tag. Darüber informiert die Bahnhofsmission in einer Pressemitteilung.

Momentan ist montags bis freitags zwischen 14 und 17 Uhr geöffnet. Ein warmes Essen, Heißgetränke und Gespräche sind für die Gäste inklusive. Maximal vier Besucherinnen und Besucher können sich hier nach den aktuell geltenden Abstands- und Hygieneverordnungen aufhalten und stärken. Sie werden an Einzeltischen von ehrenamtlich Mitarbeitenden mit einer Mahlzeit versorgt.

Menschen ohne feste Unterkunft trifft der Corona-Winter besonders hart. „Geschäfte, Cafés, Büchereien sind zu“, beschreibt die Leiterin der Bahnhofsmission, Conny Schäle, die aktuelle Lage, „es gibt in Lindau keine Orte mehr im öffentlichen Raum, wo Menschen sich aufhalten können“.

Tut gut: Für die hilfesuchenden Gäste der Bahnhofsmission gibt es in der Pfarrei St. Josef eine warme Mahlzeit und einen Platz z
Tut gut: Für die hilfesuchenden Gäste der Bahnhofsmission gibt es in der Pfarrei St. Josef eine warme Mahlzeit und einen Platz zum Kräfte tanken. (Foto: Bahnhofsmission Lindau)

Umso glücklicher ist sie darüber, dass rechtzeitig zum extremen Dauerfrost Anfang Februar die Wärmestube geöffnet werden konnte – dank der Kooperation mit der Kirchengemeinde St. Josef. Obwohl die Temperaturen jetzt deutlich höher sind, kommt das Angebot bei den Hilfesuchenden nach wie vor sehr gut an – auch, um einmal zur Ruhe zu kommen und Kraft zu tanken.

Wegen der räumlichen Enge kann Schäle in der Bahnhofsmission selbst derzeit keinen Aufenthalt anbieten. Dabei hat die Pandemie die ohnehin oft prekäre Situation der Hilfesuchenden noch verschärft: „Es kommen deutlich mehr Menschen, die psychisch angeschlagen sind und eigentlich eine intensive Betreuung brauchen“, sagt Conny Schäle.

So wichtig eine Notverpflegung auch ist, eine Kernaufgabe bleibt daher, „mit den Leuten zu reden, ihre Einsamkeit und Verzweiflung zu lindern.“

Auf die Beine gestellt wurde das bis voraussichtlich Mitte, Ende März befristete Projekt in Kooperation mit der Kirchengemeinde St. Josef und durch einen Zuschuss der Stiftung „Kartei der Not“. Es richtet sich an Menschen ohne eigene Wohnung aus dem Landkreis und der Stadt Lindau, die auf der Straße leben oder in Notunterkünften untergebracht sind.

Besonders bewährt hat sich in dieser Zeit laut Schäle die gute, kollegiale Zusammenarbeit mit anderen Institutionen: So hätte ohne die Vernetzung mit den zuständigen Behörden (Stadt, Corona-Hotline und Landkreis) die Idee nicht so schnell umgesetzt werden können.

Der Verein In Via Augsburg ist gemeinsam mit der Diakonie Kempten Träger der Bahnhofsmission Lindau. Die Finanzierung der Arbeit erfolgt durch Eigenmittel der beiden Träger sowie durch Zuschüsse der jeweiligen kirchlichen Dachverbände und der Kommunen (Stadt und Landkreis Lindau).

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