Nur wenig Zeit für den großen Wurf

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Lindaus Trainer Marco Mayer glaubt an den Erfolg.
Lindaus Trainer Marco Mayer glaubt an den Erfolg. (Foto: cf)

Die Whatsapp kam überraschend. Der Absender: Professor Werner Mang, Schönheitschirurg von Weltrang und Präsident der SpVgg Lindau. In dieser Funktion schrieb Mang Marco Mayer auch die Nachricht. Er teilte ihm in kurzen Worten mit, dass die Aufgabe in Lindau nicht einfach sei und er deshalb auch nicht den Mut verlieren solle. „Das hat mich berührt“, sagt Mayer, seit einigen Wochen Spielertrainer der SpVgg Lindau, die mit dem Präsidenten Werner Mang endlich aus der Kreisliga raus möchte.

Die aufmunternden Worte hatte der 34 Jahre alte Marco Mayer gut gebrauchen können, die Saisonvorbereitung bei seinem neuen Verein hatte er sich etwas anders vorgestellt.

Beim SV Beuren, seinem Heimatverein, wo Marco Meyer die letzten sieben Jahre als Spielertrainer tätig war und die Mannschaft von der Kreisliga B in die Bezirksliga führte, lief alles reibungslos ab. Am Bodensee müssen die Strukturen erst noch wachsen. „Alle, die bei der SpVgg Verantwortung haben, unterstützen mich nach Kräften, aber nicht jedes Rädchen greift ins andere“, sagt er. An das erste Training erinnert er sich mit einem Lachen. Als er mit seinen Spielern ins Lindauer Stadion kam, war der Rasen schon von acht Hobby-Fußballern belegt. Obwohl Mayer sich vorstellte und sie darauf hinwies, dass er den Platz benötige, blieben die Herren stur. Schließlich würden sie schon seit Jahren jeden Mittwoch zu dieser Uhrzeit Fußball spielen. Und auch an diesem 11. Juli nahmen sie für 60 Minuten den halben Platz in Anspruch. Mayer hatte mit zwei Mannschaften die andere Hälfte. „Wenn ich heute daran denke, dann kann ich nur darüber schmunzeln“, meint Mayer.

Ein Tettnanger Spieler sagte nein

Bereits im Frühjahr wurde Mayer von der SpVgg verpflichtet. Er konnte sich die Spieler selbst aussuchen, die er wollte. Fast alle wechselten zur SpVgg. Einer nicht: Nils Maurer. Dieser blieb beim TSV Tettnang. „Ich habe ihn angerufen und gesagt, dass ich seine Entscheidung respektiere.“

Die Verantwortlichen hatten von Beginn an Vertrauen in den neuen Trainer, weil dieser in Beuren etwas aufgebaut hatte. Innerhalb von sieben Jahren stieg die Mannschaft von der Kreisliga B in die Bezirksliga auf. Dort ist sie eine feste Größe. Auch die SpVgg will dorthin. Allerdings hat Marco Mayer dafür nur ein Jahr Zeit. 2019 wird die SpVgg 100 Jahre alt. Der Aufstieg ist fest eingeplant. „Ich habe einen Einjahresvertrag. Wenn es passt, bleibe ich, wenn nicht, dann gehe ich“, meint Mayer.

Mittlerweile haben sich auch die Trainingsbedingungen normalisiert – obwohl das Stadion in Lindau wegen Renovierungsarbeiten mindestens bis Ende September gesperrt bleibt. Bei der TSG Lindau-Zech wurden sie freundlich aufgenommen. Michael Ritter, Trainer der TSG, kennt Mayer gut.

Es geht aufwärts. Wären da nicht die vielen Urlauber. „Es ist nicht einfach, acht neue Spieler einzubauen, wenn der Urlaub die Trainingspläne durcheinanderwirbelt“, sagt Mayer. Daniel Rupflin und Robert Köhler seien die einzigen Spieler, die bisher nur eine Einheit gefehlt hätten.

Die Ergebnisse sprachen Bände. Zwei hohe Niederlagen in den Testspielen, dazu das Erstrundenaus im Bezirkspokal gegen den Ligarivalen Schlachters. Da kommt man ins Grübeln. Am Sonntag gab es gegen den bayerischen Bezirksligisten Oberstdorf immerhin ein 2:2. Manuel Rizzo und Antonio Paturzo trafen.

In einer Woche startet nun die Kreisliga A2 in die Punkterunde. Die Mannschaft habe einen Schritt nach vorne gemacht, sagt Mayer.

Schweres Auftaktprogramm

Allerdings ist die Aufgabe nicht einfach. Die SpVgg erwartet zu Hause die SGM Hege-Nonnenhorn/Bodolz, dann geht es gegen Ailingen, die VfB U23 und Achberg. Alles Mannschaften, die der SpVgg richtig wehtun können.

Präsident Werner Mang hat sich wohl auch mit dem Spielplan beschäftigt und das schwere Auftaktprogramm genauer betrachtet und seinem Spielertrianer Mut gemacht. Aufmunternde Worte tun immer gut. Marco Mayer weiß aber auch, dass der Fußball ein ergebnisorientierter Sport ist. Läuft es, dann hat er Ruhe. An etwas anderes will er gar nicht denken.

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