Nur Memmingen behält im Nebel die Sicht

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Es läuft noch nicht rund bei den Lindau Islanders in der Eishockey-Oberliga.
Es läuft noch nicht rund bei den Lindau Islanders in der Eishockey-Oberliga. (Foto: Christian Flemming)
Martin Deck

Das Eis qualmte am Sonntagabend in der Lindauer Eissporthalle. Nicht etwa, weil das Derby der Lindau Islanders gegen den ECDC Memmingen besonders hitzig war, sondern weil der Nebel vom See in die Arena zog und für einen dichten Dunst über der Eisfläche sorgte. Die knapp 850 Zuschauer, darunter rund 200 Fans aus Memmingen, konnten durch die beschlagenen Plexiglasscheiben viele Aktionen nur erahnen. Immer wieder musste das Spiel unterbrochen werden und die Spieler Runden kreisen, um den Nebel zu vertreiben.

Dabei hätten die Spieler diese Zusatzmeter sicher nicht gebraucht, auch so brachten gerade die Islanders viel Kampf und Einsatz ins Spiel – wieder einmal jedoch ohne Erfolg. Das Derby gegen die Memmingen Indians ging mit 1:5 verloren. Die vierte Niederlage im fünften Saisonspiel.

Im Gegensatz zu den vorigen Spielen fehlte es den Lindauern jedoch dieses Mal nicht am Willen. Von Beginn an zeigten sie, dass sie nach der heftigen 0:8-Pleite am Freitagabend beim SC Riessersee etwas gutzumachen hatten. Immer wieder erspielten sich die Islanders gute Möglichkeiten, allein der Kanadier Brent Norris kam zu vier guten Abschlüssen im ersten Drittel, doch regelmäßig scheiterten sie am starken Memminger Torhüter Jochen Vollmer. „Wir versuchen immer, das schöne Tor herausspielen“, ärgerte sich Trainer Chris Stanley. „Wir müssen mehr Zug zum Tor entwickeln und einen Weg finden, endlich erfolgreich zu sein.“

Immerhin: In der Defensive stand der EVL zunächst sicherer als zuletzt – bis sich in der 18. Minute erneut eine alte Schwäche offenbarte: Nachdem Gabriel Federolf wegen Beinstellens auf die Strafbank verbannt worden war, dauerte es nur wenige Sekunden, ehe es zum ersten Mal an diesem Tag klingelte. Fabian Voit nutzte die Überzahl zur 1:0-Führung für Memmingen.

Doppelte Überzahl ohne Ertrag

Die Lindau Islanders hingegen zeigten ein deutlich ineffektiveres Powerplay. Obwohl sie in doppelter Überzahl ins zweite Drittel starteten, kamen sie erneut nicht zum Erfolg. Stattdessen mussten sie den zweiten Gegentreffer hinnehmen. Nachdem Lindau im Angriffsdrittel einmal mehr zu ungenau agierte, verwandelte Samir Kharboutli einen Konter zum 2:0. Diese blieben auch in der Folge am Drücker. Zunächst scheiterte Marvin Schmid mit zwei guten Versuchen am an diesem Abend sehr starken EVL-Torhüter Michael Boehm, dann aber traf Milan Pfälzer zum 0:3.

Dann war vorerst Schluss. Sechs Minuten vor dem Ende des zweiten Drittels unterbrach das Schiedsrichtertrio die Partie erneut wegen Nebel. Weil die Unparteiischen die Sicherheit der Spieler bei der schlechten Sicht in Gefahr sahen, schickten sie die Teams vorzeitig zur Drittelpause in die Kabinen. Dort wurde weniger über Taktik gesprochen, als vielmehr darüber, ob das Spiel überhaupt fortgesetzt werden kann. Während die Memminger auf einen Spielabbruch drängten, beharrten die Lindauer Verantwortlichen darauf, die Partie zu Ende zu bringen. „Draußen wird es kälter, der Nebel verzieht sich“, sagte EVL-Vorsitzender Bernd Wucher während des Spiels – und sollte Recht behalten. Bis zum Ende des Spiels klarte die Sicht deutlich auf.

Wenig später konnte der Vorsitzende auch sportlich erstmals jubeln, gleich zu Beginn des Schlussdrittels sorgte Ludwig Nirschl für den ersten Lindauer Treffer. Da zuvor Marvin Schmid zum 4:0 für die Gäste erhöht hatte, war der Treffer allerdings nur Ergebniskosmetik. Trotz mehrmaliger Überzahl wollte den Lindauern kein weiterer Treffer gelingen, stattdessen sorgte Memmingens Antti-Jussi Miettinen 40 Sekunden vor Schluss mit einem Schuss aufs leere Lindauer Tor für den 1:5-Endstand. „Ich denke, der Sieg geht absolut in Ordnung“, freute sich ECDC-Trainer Sergej Waßmiller nach der Partie. Die Nebelproblematik spielte er im Nachhinein herunter: „Das war sicher nicht optimal. Als Kind hatte ich aber viel schwierigere Bedingungen. Da musste ich erstmal drei Stunden Schnee schippen, bevor wir Eishockey spielen konnten.“

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