Noch haben sie Geduld

Lesedauer: 6 Min
 Das Ding will einfach nicht rein. Julian Tischendorf (70) und seine Lindauer Stürmerkollegen scheitern bei der 0:1-Derbyniederl
Das Ding will einfach nicht rein. Julian Tischendorf (70) und seine Lindauer Stürmerkollegen scheitern bei der 0:1-Derbyniederlage am überragenden Memminger Goalie Jochen Vollmer. (Foto: Christian Flemming)
Sportredakteur

Freudetrunken wagten Indians-Goalie Jochen („Joey“) Vollmer und Martin Jainz in der Kurve vor der Hundertschaft jubelnder Gästefans ein Tänzchen auf dem Eis und herzen sich. Beide hatten entscheidenden Anteil am 1:0-Derbysieg am Sonntagabend beim Dauerrivalen EV Lindau Islanders. Ersterer hielt seinen Kasten makellos sauber, ließ bei 41 Schüssen der Gastgeber (Memmingen: 25) nichts zu und war einmal mehr großer Rückhalt seiner Mannschaft. Letzterer, gelernter Verteidiger und ganze 13 Jahre in Diensten der Indians, absolvierte aus beruflichen Gründen sein letztes Pflichtspiel in der Oberliga, tummelte sich während seiner nicht knapp bemessenen Eiszeit munter in den Sturmreihen der Indians, vergnügte sich acht Minuten vor Spielende – nach einem völlig unnötigen Check gegen EVL-Kontingentmann Anthony Calabrese – bei seiner letzten Zwei-Minuten-Strafzeit in der Kühlbox. Und am allerwichtigsten: Ausgerechnet der scheidende Jainz lieferte die Vorlage zum Tor des Abends durch Timo Schirrmacher.

Geballter Frust und lange Gesichter dagegen auf Lindauer Seite. Bernd Wucher, der gewohnheitsmäßig seinen Standort im Schlussdrittel der Heimspiele der Islanders von der Pressetribüne auf die Zugangstreppe zum VIP-Bereich verlegt, sah mit seinen Vorstandskollegen fast schon hilflos zu, wie ihre Schützlinge vergeblich das Tor von Vollmer anrannten. Gepaart mit überraschend vielen Stockfehlern, präsentierten sich die EVL-Spieler zwar willig, jedoch nicht in der Lage, gegen die kompakt auftretende Gästemannschaft noch die Wende einzuläuten.

Vor allem fehlt in Lindau, und das schon seit einiger Zeit, ein Knipser, ein Vollstrecker. Bester Beweis hierfür ist die Torstatistik. Hier rangiert der EVL, bei 45 erzielten Toren in 20 absolvierten Spielen, gerade einmal fünf Treffer mehr als der Tabellenletzte EHC Waldkraiburg. Noch interessanter: Mit Calabrese ist aktuell ein Verteidiger der Lindauer Topscorer. „Wir müssen geduldig mit den Jungs bleiben“, sagte Chris Stanley am Sonntagabend nach der Derbyniederlage. Ins selbe Horn während der Pressekonferenz im Eisstüble stieß übrigens Sergej Waßmiller: „Die Oberliga ist die Aufbauliga für junge Spieler. Und die bringen Tempo rein.“ Daher, so Stanleys Trainerkollege, brauche es von allen Beteiligten viel Vertrauen und Geduld.

Drei Topgegner warten auf Lindau

In diesem Punkt dürfte die Interessenlage in Memmingen nicht anders sein als in Lindau. Mit dem kleinen, gewichtigen Unterschied, dass die Indians, nach einem katastrophal anmutenden Saisonstart, mittlerweile zehn Punkte mehr auf dem Habenkonto verbuchen als die Islanders. Die wiederum stehen, zumal vor den nächsten sechs Pflichtspielen – je zweimal geht es dabei gegen die Ligagrößen Peiting, Riessersee und Rosenheim – unter großem Druck, liefern zu müssen. Stanley ist sich auch sicher, dass „die Leute da oben“ geduldig seien. Gemeint ist die Vorstandsriege des Lindauer Eislaufvereins um Bernd Wucher.

Der Erste EVL-Vorsitzende bestätigte auf Nachfrage, dass der Tormangel bei den Meetings der Vereinsführung „bald schon täglich das Kernthema“ sei. Und er stellt in diesem Zusammenhang klar, dass bei der Torausbeute einzelner Spieler die Geduld irgendwann an Grenzen stoße. Konkrete Namen will Wucher hierzu zwar nicht nennen. Doch gibt er einen Wink in Richtung des betroffenen Personenkreises im Kader: „Ausgenommen von der Geduld sind die Leader.“ Dazu zählt der EVL-Vorsitzende, der nach eigenem Bekunden in dieser Hinsicht mit Chris Stanley übereinstimmt, explizit beide Kontingentspieler – unabhängig von ihrem Alter.

Spielermarkt wird sondiert

Zugleich macht sich der Vorstand Gedanken über Neuverpflichtungen. „Eigentlich wollen wir hier ergänzen und sondieren dafür den Markt“, so Wucher am Montag. Coach Stanley hatte die Frage nach möglichen Nachverpflichtungen am Sonntag noch so beantwortet. „Das ist der unsere Mannschaft, mit der werde ich arbeiten.“

Dringenden Handlungsbedarf gibt es laut Wucher nicht nur in der Offensive, sondern auch auf der Backup-Position des Goalies. Nachdem sich Lucas Di Berardo beim Heimspiel gegen Sonthofen unglücklich verletzte, musste er, nach längerem Hin und Her, vor Kurzem nun doch operiert werden und fällt somit für den Rest der Saison aus.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen