Nicht gleich, aber gleichwertig

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Daniele Kraft hat sich als CSU-Kreisrätin niemals von ihren männlichen Kollegen zurückgesetzt oder ausgebremst gefühlt.
Daniele Kraft hat sich als CSU-Kreisrätin niemals von ihren männlichen Kollegen zurückgesetzt oder ausgebremst gefühlt. (Foto: isa)
Isabel Kubeth de Placido

Seit 36 Jahren ist Daniele Kraft in der CSU, genauso lange in der Frauen.Union, mehr als 20 Jahre lang war sie im CSU-Bezirksvorstand Schwaben der Frauen-Union, seit 24 Jahren ist sie Vorsitzende der Frauen-Union Lindau, seit 23 Jahren sitzt sie im Kreistag und acht Jahre lang war sie im Stadtrat. Eine Frau unter vielen Männern. Aber benachteiligt hat sie sich nie gefühlt. Außer bei einer einzigen Sache.

„Ich war schon immer an Lindauer Themen interessiert“, sagt Daniele Kraft als sie danach gefragt wird, wie sie in die Politik gekommen ist. „Ich bin aufgefallen und deshalb gefragt worden“, erinnert sie sich und fügt schmunzelnd hinzu: „Mein Mann sagte: Mach mit. Aber da wusste er noch nicht, was da auf ihn zukommt und was draus wird.“

Daraus geworden ist ein 36-jähriges Engagement in den oberen Riegen der Lindauer CSU und der Frauen-Union. Noch heute ist Daniele Kraft Kreisrätin und Vorsitzende jener Frauen-Partei, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, insbesondere die Belange der Frauen zu vertreten.

Damals, vor 36 Jahren, als Kraft in die CSU eingetreten ist, gab es noch nicht besonders viele Frauen in der Lindauer Politik. „Schwierig war es für mich nicht. Ich bin gut aufgenommen worden. Aber ich habe mich auch ziemlich engagiert.“ Es seien schöne Zeiten in der Lindauer CSU gewesen, was sich jedoch in den letzten Jahren geändert habe. Ein Grund, warum Daniele Kraft heute weniger in der Stadtpolitik als in der Kreispolitik aktiv ist. „Das hat nicht allgemein was mit Männern zu tun, sondern nur mit Einzelnen“, sagt sie und deutet an: „Wenn jemand so engagiert ist, wie ich es war, dann hätte ich mir mehr männliche Unterstützung gewünscht.“

Kraft lobt Schober und Pfanner

Konkreter wird sie erst, nachdem sie erzählt hat, dass es in der Kreispolitik ganz anders zugeht, dass sie insbesondere mit Karl Schober und Ulrich Pfanner „sehr gute politische Arbeit“ machen kann und „hervorragende Unterstützung“ erfährt. Und dass Frauen-Union für sie nicht bedeute, nur Frauenpolitik zu machen, sondern auch „Politik in Lindau, um Lindau und über Lindau hinaus“. „Bei politischen Frauenthemen kriegen wir die Männer schon auf unsere Seite“, ist sie überzeugt. Und dann kommt das „Aber“. „Aber bei den Platzierungen auf den Listen, das ist schwieriger. Besonders in Lindau.“ Erst am Ende des Gespräches wird sie konkreter. Dann nämlich, als sie erzählt, dass ihr Listenplatz auch bei der letzten Stadtratswahl nicht vorteilhaft gewesen sei, sodass sie nicht gewählt wurde. Was sie aber nicht darin hindere, sich auch außerhalb des Lindauer Stadtrats für Lindau zu engagieren.

Frauen in der Politik will sie nicht auf „Frauenthemen“ reduziert wissen. „Wir Frauen arbeiten in allen Bereichen mit“, betont sie, erklärt jedoch, dass Frauen oftmals näher an sozialen Themen dran seien, als Männer. Kindergarten und Schule etwa, oder –und das ist eines der Themen für das sie derzeit kämpft – Ganztageseinrichtungen für Grundschüler. Was auch die Ferienbetreuung mit einschließe. Denn welche berufstätige Frau könne sich so viel Urlaub nehmen wie die Kinder Ferien hätten. „Es gilt, die Ganztages- und Ferienbetreuung so auszugestalten, dass eine Familie ihren Beruf ordentlich gestalten kann.“ Selbstverständlich nehme sich auch die Frauen-Union der Frauenthemen an. Der Mütterrente etwa, der paritätischen Besetzung des Jugendschöffengerichts, der Frauenquote oder der gleichen Entlohnung für Frauen. Aber eben nicht nur. Und trotzdem. „Ich habe ein Motto, das lautet: Männer und Frauen sind Gott sei Dank nicht gleich. Aber sie sind gleichwertig. Und für diese Gleichwertigkeit arbeiten wir in der Frauen-Union.“ Auch daran, dass sich Frauen mehr in die Politik einbringen. Doch „viele Frauen scheuen sich davor“, und schöben Kinder, Mann und Freizeit als Gegenargument vor. „Das ist schade“, findet Daniele Kraft. „Man kann sich persönlich entwickeln und es kommt auch viel rüber, wenn man sich engagiert.“

Und was die Gleichberechtigung in der Politik angeht, so gibt es für Daniele Kraft „keine Unterschiede zwischen Mann und Frau in der Arbeit. Wir arbeiten gemeinsam und entscheiden gemeinsam.“ Deutlich trete dieses Prinzip im Kreisrat zutage. „Wir Frauen fühlen uns nicht zurückgesetzt oder ausgebremst. Gerade in unserer Fraktion läuft das hervorragend.“

Sie selbst werde ihr Amt als Vorsitzende der Frauen-Union demnächst und nach 24 Jahren, abgeben. Umso glücklicher ist sie in der Bodolzerin Nadja Kramer-Dinckelbach eine „junge, engagierte, sehr interessierte“ Nachfolgerin gefunden zu haben. Sie sei es auch, die sich als Listenkandidatin für die EU-Wahl zur Verfügung stelle. Für die Politik begeistern konnte Daniele Kraft sie durch ein „Mentoren-Programm“, das sie mit insgesamt drei Frauen unternommen hat. Deshalb hofft Daniele Kraft für ihre Nachfolgerin, aber auch für alle Frauen, die sich engagieren und für Wahlen zur Verfügung stellen, dass die jeweiligen Ortsverbände diese Frauen unterstützen.

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