Nicht der Älteste in der Eishockey-Bayernliga

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Oldie but goldie: Martin Sekera von den EV Lindau Islanders kann sich ein Leben ohne Eishockey nicht vorstellen.
Oldie but goldie: Martin Sekera von den EV Lindau Islanders kann sich ein Leben ohne Eishockey nicht vorstellen. (Foto: isa)
Schwäbische Zeitung
Isabel Kubeth De Placido

Martin Sekera ist Eishockeyspieler durch und durch. Der fast 44-jährige EVL-Stürmer, der bis vor kurzem noch als Profispieler quer durch die deutschen Vereine zog, kommt aus einer eingefleischten Eishockeyfamilie und kann sich ein Leben ohne diesen Sport nicht vorstellen. Kein Wunder, dass er deshalb nicht nur als Spieler bei den Islanders aktiv ist, sondern auch den EVL-Nachwuchs trainiert.

„Ich bin zwar der Älteste bei den Islanders aber nicht der Älteste in der Bayernliga“, sagt Martin Sekera, nachdem er erzählt hat, dass in diesem Monat sein 44. Geburtstag ansteht. Gleichzeitig gibt er aber auch zu, dass es durchaus nicht alltäglich ist, dass ein Mann in seinem Alter noch aktiv Eishockey spielt. Dass er es dennoch tut, habe damit zu tun, dass er bisher von schweren Verletzungen verschont geblieben sei und außerdem: „Eishockey macht mir einfach großen Spaß.“

Beim Eishockey hat Sekera schon einiges erlebt, bevor ihn eigentlich der Zufall nach Lindau verschlug. Im Alter von drei Jahren stand er zum ersten Mal auf dem Eis. Das war in Pardubice, seinem Geburtsort in Tschechien. Sein Großvater war schon Eishockeyspieler und sein Vater auch, bevor beide später als Trainer diesem Sport treu blieben. Da war es klar, dass auch Sekera in deren Fußstapfen tritt. Und sein sechsjähriger Sohn Max tut es ihm gleich. „Mein Bruder und sein 12-jähriger Sohn spielen auch. Eishockey ist eine Krankheit in unserer Familie“, lacht er und erzählt, dass bei so viel familiärer Begeisterung für ein und dieselbe Sportart seine 14-jährige Tochter die Ausnahme ist. Denn die spielt Tennis.

Platz zwei als Höhepunkt

In seiner langen Karriere, die zuerst in Tschechien begann und ihn dann quer durch Deutschland bis nach Lindau führte, hat Sekera schon einiges erlebt. Als besondere Höhepunkte seiner Karriere nennt er jenes Spiel 1994, aus dem sein damaliger Heimatverein Pardubice zwar nicht als Sieger aus dem Finale in der höchsten Liga ging, dafür jedoch als Vizemeister. Auch während der langen Zeit, als Sekera in Deutschland in der zweiten Liga spielte, war, so sagt er, eigentlich jedes Spiel ein Erfolg. Umso mehr freut ihn, dass er im vergangenen Jahr dabei war, als die Islanders die Bayernliga gewannen.

Doch abgesehen von Erfolgen wie diesen charakterisieren auch Geschichten wie jene, die Sekera in Lindau begegnen, ein langes Spielerleben. So erzählt er, dass er schon gegen den Vater seines Teamkollegen Jiri Mikesz gespielt habe. Und nicht gegen, sondern mit dem Vater seines Teamkollegen Zdenek Cech, habe er dagegen als ganz junger Spieler und zu Beginn seiner Karriere stehend, beim HC Pardubice gespielt. Denn wie Sekera stammen eben auch die Cechs aus der gleichen Stadt.

Genau wie diese Begegnungen Zufall sind, war es auch mehr oder weniger ein Zufall, dass Sekera nach Beginn der letzten Saison nach Lindau kam. Als nämlich sein damaliger Verein, der EHC Jonsdorfer Falken Pleite machte, stand er mitten in der Saison ohne Verein da. Der Zufall wollte es, dass der EVL wegen der Entscheidung Sebastian Buchwiesers, seine Spielerlaufbahn zu beenden und fortan die Islanders nur noch zu trainieren, einen neuen Stürmer suchte. „Ich war zum Probetraining da, weil ich sehen wollte, wie es hier aussieht und der Verein mich sehen wollte und am Ende habe ich den Vertrag unterschrieben“, erinnert sich Sekera. Dass er damit vom Profispieler zum Amateurspieler geworden ist, ist für ihn kein Problem. „Ich mag kleine Vereine und es gefällt mir hier sehr gut“, sagt er und fügt hinzu, dass der EVL ein „sehr guter“ Verein sei. Und für das Problem, dass er als Amateurspieler kein Geld mehr verdient, hat der EVL auch eine Lösung gefunden. Indem er den Stürmer nämlich den Nachwuchs trainieren lässt. Eine Aufgabe, die der Spieler bereits schon bei anderen Vereinen übernommen hatte und damit eine Aufgabe mit doppeltem Gewinn ist. Denn seine Spielerkarriere will er noch so lange fortführen, wie ihm das Eishockey noch Spaß macht und er der Mannschaft dienlich sein kann. „Wenn einmal die Situation eintreten sollte, dass dies nicht mehr der Fall ist, dann höre ich auf.“ Momentan entscheidet er, der es zu schätzen weiß, „wenn man mit seinem Hobby auch sein Geld verdienen kann“, noch von Saison zu Saison.

Sein zweites Standbein, als Nachwuchstrainer die eigenen Erfahrungen an Kinder weiterzugeben, sieht Sekera als eine erfüllende Perspektive für die Zukunft. „Ich habe mein ganzes Leben Eishockey gespielt und ich will auch im Eishockey Business bleiben. Als Trainer.“

Zur Person

Martin Sekera ist am 20. Dezember 1971 in Pardubitz, in Tschechien, geboren. Seine Eishockeykarriere startete er bereits vor 22 Jahren. Dementsprechend sind auch seine Stationen: Von 1993 bis1995 spielte er beim HC Pardubice. Danach, 1995 bis 1997, spielte er in Deutschland, für den GEC Nordhorn. 1997 bis 1998 war er zuerst beim tschechischen Verein HC Slezan Opava, dann beim deutschen ETC Crimmitschau, dann wieder beim tschechischen HC Prerov. Danach spielte Sekera ausschließlich für Deutschland. Von 1998 bis 2003 beim ETC Crimmitschau, von 2003 bis 2006 bei den Lausitzer Füchsen, von 2006 bis 2007 bei den Dresdner Eislöwen, von 2007 bis 2008 bei den Moskitos Essen, von 2008 bis 2009 bei den Fischtown Pinguins, von 2009 bis 2011 bei den Selber Wölfe, von 2011 bis 2012 bei EHV Schönheide 09, von 2012 bis 2014 beim EHC Jonsdorfer Falken und seit 2014 bei den Lindauer Islanders.

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