Naturhighlight Rohrachschlucht: Weitermachen wie bisher

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Forstmann Boris Mittermeier und seine Kollegen vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten haben gut 30 Waldbesitzern und
Forstmann Boris Mittermeier und seine Kollegen vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten haben gut 30 Waldbesitzern und Landwirten den Managementplan für das Natura 2000-Gebiet Rohrachschlucht vor Ort erklärt. (Foto: Isabel Kubeth de Placido)
Lindauer Zeitung
Isabel Kubeth de Placido

Großes Lob für die Waldbesitzer und Landwirte: Das Naturschutzgebiet Rohrachschlucht ist in einem super Zustand. Damit das für das Natura-2000-Gebiet auch so bleibt und manches für Eibe, Frauenschuh, Gelbbauchunke und Co. sogar noch besser wird, hat das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zu einem Runden Tisch eingeladen. Und hat bei einem zweistündigen Rundgang durch den Wald den gut 30 Beteiligten klar gemacht, dass ohne sie nichts geht. Sind doch die vorgeschlagenen Maßnahmen für das Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) nur für Behörden verbindlich.

Der Managementplan für das Natura-2000-Gebiet macht es deutlich: Das 170 Hektar große Naturschutzgebiet Rohrachschlucht ist in einem hervorragenden bis guten Zustand. „Das ist ein Lob an die Waldbesitzer, dass sie bisher und über Generationen hinweg mit ihrer naturnahen Waldbewirtschaftung alles gut gemacht haben“, übersetzt Boris Mittermeier vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) das Fazit des Managementplans.

Den Wald bewirtschaften

Doch trotz des Lobes gibt es noch ein bisschen was zu tun. Was genau, das werden die über 30 Waldbesitzer und Landwirte im Laufe jenes Rundgangs erfahren, der sie durch den Wald mit seinen seltenen und vielfältigen Waldgesellschaften und FFH-Lebensraumtypen unweit der Kehre 6, der kurvenreichen Alpenstraße Richtung Scheidegg, führt. Für den Forstamtmann ist es nach eigenen Worten immer wieder ein „Highlight“, in der Rohrachschlucht zu sein. Auch das soll dieser Rundgang bewusst machen.

Und dass es kein Nachteil ist, dass das Naturschutzgebiet über diese Schutzkategorie hinaus auch noch zum grenzübergreifenden Natura-2000-Gebiet gehört, erfahren sie ebenso. „Vieles mehr ist damit möglich“, versichert Mathias Burghard vom AELF. Denn die Ausweisung hat nicht nur eine Kartierung des Gebietes und damit die Erfassung von Pflanzen und Tieren möglich gemacht, was den Managementplan mit seinen Maßnahmenvorschlägen zur Folge hatte, sondern ist auch der Grund, weshalb zusätzlich noch Fördergelder fließen. Schließlich soll die Arbeit, die die Waldbesitzer haben, wenn sie vorgeschlagene Maßnahmen umsetzen, auch entlohnt werden. Aber, so versichert Mittermeier gleich vornweg, „es sind nur wenige Maßnahmen nötig“. Von daher lautet die Empfehlung: „So weitermachen wie bisher.“

Unter Buchen hindurch, vorbei an Maiglöckchen, Waldmeister, Bingelkraut, Einbeere und Türkenbund führt der Rundgang zu einem lichten Baumbestand, einem „Orchideenbuchenwald“, wie Mittermeier sagt, der den Blick freigibt auf einen Kalkfelsen, auf dem Flechten und Moose wachsen. Wie, um die Besonderheit des Ortes hervorzuheben, lässt sich ein Wanderfalke auf einer Nische nieder. Der Blick nach unten zeigt einen Frauenschuh, eine Orchideenart. Weil der Frauenschuh lichte Waldstrukturen braucht, gebe es „hier für ihn vielleicht noch ein bisschen was zu tun“, sagt Mittermeier und zeigt auf ein paar Fichten, die der seltenen Pflanze zuliebe weg könnten.

Burghard erklärt, dass dies sogar durch ein spezielles Förderprogramm, das 255 Euro pro Jahr und Hektar bringt, aktiv möglich sei. Geld gibt es auch für abgestorbene Bäume. Denn das Totholz, ob stehend oder liegend, spielt im Wald eine nicht unwesentliche Rolle. Bietet es doch den sieben dort lebenden Spechtarten Nahrung und Pilzen Lebensraum. Deshalb gibt es 90 Euro pro Baum und 150 bis 195 Euro für Biotopholz. „Außenrum kann man weiter wirtschaften“, versichert Burghard.

Einen Ansporn, den Wald zu bewirtschaften, bietet auch die stark gefährdete Gelbbauchunke, von der es in der Rohrachschlucht nur 15 gibt. Weil sie wassergefüllte Fahrspuren und Wegegräben braucht, empfiehlt Mittermeier eine intensivere Befahrung der Wege mit Schleppern.

Einwände gegen den Managementplan gibt es an diesem Tag keine. Nur dann und wann ein paar Fragen. Etwa, ob Waldbesitzer trotz des Managementplanes weiterhin alles wie bisher machen dürften. Wie es mit der Verkehrssicherungspflicht ausschaut, wenn Totholz an Wegerändern nicht beseitigt wird. Oder, ob Waldbesitzer gar enteignet werden können.

„Wir dürfen das alles als Auszeichnung sehen und als Ansporn, den Zustand zu verbessern“, bringt Isolde Müller vom Bund Naturschutz den Managementplan auf den Punkt und erklärt, dass es lediglich darum gehe, die naturnahe Bewirtschaftung weiterhin zu pflegen und gleichzeitig Refugien zu schaffen, wo gar nichts passiere. Verbindlich sind die Maßnahmenvorschläge lediglich für Behörden. Aber, „es braucht den Menschen, um diesen Schatz als solchen zu erhalten“, sagt Peter Titzler vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

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