Sportredakteur

Hoher Besuch am Montagvormittag bei der Spielvereinigung Lindau im städtischen Stadion. 86 Mädchen aus den Grundschulen der Lindauer Stadtteile Reutin und Zech waren gekommen, um sich beim Tag des Mädchenfußballs auszutoben – und um Giulia Gwinn kennenzulernen. Die 19-jährige Nationalspielerin kam kaum zum Verschnaufen – musste sie doch während ihres Kurzbesuchs zahllose Autogramme geben, war begehrtes Foto-Objekt auf gemeinsamen Schnappschüssen mit den Grundschülerinnen und wurde in einer kleinen Talkrunde ausführlich zu ihrem Werdegang und ihrer Profikarriere befragt.

„Wann hast Du mit dem Fußballspielen angefangen?“ – Wie bist Du dazugekommen?“ – „Warum gefällt Dir Fußball so gut?“ – „Wie oft trainierst Du in der Woche?“ – „Spielst Du auch bei Regen?“ – „Warst Du schon mal ernsthaft verletzt?“ – „Hast Du noch andere Hobbys außer Fußball?“ – „Mit welchem Auto bist Du heute da?“ – Spontan gestellte Fragen über Fragen prasselten auf Giulia Gwinn ein, als sich die etwas erschöpft, jedoch ziemlich zufrieden wirkenden Schülerinnen im Alter von acht bis zehn Jahren in einem großen Halbkreis auf der Tartanbahn bei den Stadionrängen niederließen. „Das kam aus dem Bauch der Kinder heraus und war nicht vorbereitet“, bestätigt Konrektorin Susanne Brey.

Giulia Gwinn ist der Star beim „Tag des Mädchenfußballs"
Eine Fußball-Nationalspielerin zum Anfassen. Die Dritt- und Viertklässlerinnen der Grundschulen von Lindau-Reutin und Lindau-Zech freuten sich beim „Tag des Mädchenfußballs“ über den Besuch von Giulia Gwinn vom SC Freiburg. Die Profispielerin war der Star beim Tag des Mädchenfußballs in Lindau

Hinter ihren Schützlingen lagen zu diesem Zeitpunkt drei Stunden rund um die runde Spielkugel. Geboten wurde allerlei: „Vier-gegen-vier-Turniere“, intensives Schnuppertraining in Kleingruppen, Spiele-Parcours, Rahmenprogramm mit Trikotverlosung, Fotoshooting, Erfrischungspausen am schuleigenen Obststand und der finale Fototermin auf dem Rasengrün. „Die Mädchen sollen Spaß haben und es einfach mal ausprobieren“, beschreibt Diana Kienle vom Württembergischen Fußballverband (WFV) die Zielstellung des Vormittags.

In Lindau feierten die Organisatoren, mit tatkräftiger Unterstützung mehrerer ehrenamtlicher Helfer aus den Reihen der Spielvereinigung, verbandsweit eine Premiere, wie Kienle der „Schwäbischen Zeitung“ bestätigt. „Wir überlegen uns immer wieder, wie wir mehr Mädchen für den Fußballsport generieren können.“ Da glich es einer Steilvorlage, dass Bezirksjugendleiter Bernd Bender den Kontakt zur Lindauer Schulleiterin Ute Müller herstellte und der „Tag des Mädchenfußballs“, der in allen WFV-Bezirken am ersten Juliwochenende stattfindet, auf den nächsten Schultag verschoben wurde.

Doch zurück zur Fragestunde mit Giulia Gwinn: Für den Star des Vormittags gab es so gut wie keine Zeit, den Mädchen ihre Ballkünste zu zelebrieren oder den Trainingsbetrieb aufmerksam zu verfolgen. Dafür war die Nationalspielerin zu sehr damit beschäftigt, Autogramme zu signieren oder Fotowünsche zu erfüllen. Zwischendurch fuhr sie auch noch zum Gelände des Nachbarvereins TSG Zech, um der feierlichen Einweihung eines Minispielfelds beizuwohnen. Wieder im Stadion, gab sie wenig später lässig Auskunft zu Werdegang, Vorlieben und Trainingsgewohnheiten. „So viel Zeit neben Fußball habe ich gar nicht“, gestand die gebürtige Ailingerin auf die Frage nach ihren Hobbys. „Höchstens mal shoppen“, fügte sie hinzu – und erntete hierfür lauteres Gekicher im Stadionrund.

Neuen Trick gelernt

Vor gut zehn Jahren begann Giulia Gwinn, ihre Fußballschuhe zu schnüren. „Da sehe ich mich selber wieder, wie ich früher war“, erinnert sie sich nach der Veranstaltung mit Blick auf die Kids, die nach und nach mit ihren Begleitpersonen gruppenweise das Stadion verlassen. Die freuten sich sehr, eine Nationalspielerin einmal hautnah erleben zu können. „Für mich war es toll“, sagte die zehnjährige Ina. Die gleichaltrige Beyza pflichtete ihr bei, das Training habe ihr auch etwas gebracht: „Ich habe einen neuen Dribbeltrick gelernt.“

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