Narren stellen das Landratsamt auf den Kopf

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Weil Landrat Elmar Stegmann mit Grippe darnieder lag empfing die stellvertretende Landrätin Margret Mader als „Johler’s Kreszent
Weil Landrat Elmar Stegmann mit Grippe darnieder lag empfing die stellvertretende Landrätin Margret Mader als „Johler’s Kreszentia“ die Narren aus dem ganzen Landkreis. (Foto: Isa)
Isabel Kubeth de Placido

Eigentlich hätte Landrat Elmar Stegmann den Narren aus dem ganzen Landkreis Lindau mit dem Narrenempfang Danke sagen wollen. Doch den hatte das bunte Faschingstreiben der vergangenen Tage darniedergestreckt und so war es an seiner Stellvertreterin Margret Mader sich bei den Hästrägern, Zunftmeistern, Fahnenschwingern und Musikanten zu bedanken. Und die tat dies als „Johler’s Kreszentia“, mit viel Witz und Humor, einem gesungenen Stanzerl und jeder Menge „selbstgestrickten Versle, wo man jemanden dräzze ka“.

Obwohl „auch in diesem Rahmen nur die Stellvertreter da sind“, wie Zunftmeister Jochen Dreher angesichts der närrischen Regierungsbildung witzelnd bemerkte, sind trotzdem eine große Schar Narren aus dem ganzen Landkreis dem Ruf des Landrats in den Sparkassensaal zum Narrenempfang gefolgt. Von den Lindauer Sagen, den Pflasterbutzen, den Nonnenhornern Traubenhütern und Rebläusen, über die Weißensberger Weihergeister, die Wasserburger Feuerhexen, die Hochbucher Obsthexen bis hin zum Wolfsrudel Meierhöfen und der neu gegründeten Zunft Burg Hohenegg, Grünenbach. Und obendrein die Lumpenkappellen, die nicht nur den närrischen Kollegen ganz schön einheizten, sondern auch den vielen verkleideten Mitarbeitern des Landratsamtes.

In der Rolle der über 90-jährigen Allgäuer Bauersfrau

Dabei haben es die Narren sicher nicht bereut, gekommen zu sein und „nur“ vom Stellvertreter empfangen zu werden, wie der Zunftmeister am Ende des offiziellen Teils feststellen sollte. Denn, wie Margret Mader bewies, sind manchmal eben doch die Stellvertreter nicht immer die schlechteste Wahl.

Kein Wunder eigentlich, dass sie gut ankam. Hatte Mader in ihrer Rolle als über 90-jährige Allgäuer Bauersfrau selbst schon Stanzerl singend festgestellt: „Als Johler’s Kreszentia ho i a Statur, bi a gstandenes Wibsbild mit miner Figur.“ Der Landrat dagegen „hot do gar kui Gwicht, a Figur wia a Büble, a Buzzelegsicht“. Und außerdem: „Trotz allem, so seit ma, dös isch wirklich wohr, ka er ganz guet nastong, do git as kui Gfohr.“ Doch auch die Narren selbst nahm Mader auf die Schippe. So verteilte sie Gutsles gegen die vom lauten Geschrei heiseren Stimmen, Wildkräutertee mit Honig, „no singst wieder schee“, Schokolade, um den Hunger zu stillen sowie einen Lumpen samt Seife, die am Ende eines durchzechten Tages ihre Dienste tun sollen.

Lob für den Einsatz in der fünften Jahreszeit

Doch Mader hatte für die Narren auch einige offizielle Worte parat. So dankte sie ihnen auf Hochdeutsch und damit um die Ernsthaftigkeit ihrer Worte, zu unterstreichen, für deren Engagement in der fünften Jahreszeit. „Ihr alle sorgt dafür, dass von Dreikönig bis Aschermittwoch die Menschen wieder fröhlich sein können“, dass sie dem „Alltagsgrau“ entweichen könnten und stattdessen „Farbe, Humor und Leben“ im Vordergrund stünden. Dann begrüßte sie jede einzelne Narrenzunft mit ihrem Narrenruf und überreichte jedem Zunftmeister ein (mit Weingummi täuschend echt) gefülltes Weizenglas. Was wiederum die jeweiligen Zunftmeister zu einem Dank samt kleinen Späßchen veranlasste.

Etwa, als Marius Immler und dann von der Lumpenkapelle Westallgäu ihr jenes Tragerl unangetastetes Bier überreichte, das das Geschenk vom letzten Jahr gewesen war und sich nach eingängigem Studium der Etiketten keiner großen Beliebtheit erfreut hatte, weil alle sechs Flaschen nur alkoholfreies Bier enthalten.

Aber das war ja ein Geschenk des Landrates gewesen. Seine Stellvertreterin dagegen lud die Narren zu echtem Bier, allerhand Leckereien, vor allem aber zu einem tollen Fescht ein.

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