Nach dem Telekomausfall in Lindau - Nur so schauen Kunden nicht in die Röhre

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 In solchen Rohren sind Glasfaserkabel bis zu 80 Zentimeter tief im Boden verlegt. Kunden müssen wohl damit leben, dass es wegen
In solchen Rohren sind Glasfaserkabel bis zu 80 Zentimeter tief im Boden verlegt. Kunden müssen wohl damit leben, dass es wegen Bauarbeiten immer wieder zu Ausfällen kommt. (Foto: Archiv: dpa/Carsten Rehder)
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Inzwischen haben die Lindauer wieder Anschluss ans Telefon und Internet, die am Dienstag vom Netzausfall der Telekom betroffen waren. Doch viele Kunden fragen sich angesichts des wiederholten Ausfalls wegen eines durchtrennten Kabels, ob und wie sie sich schützen können.

Weil Bauarbeiter ein Glasfaserkabel durchtrennt haben, waren am Dienstag unzählige Haushalte und Firmen ohne Telefon und Internet. Was für Private lästig ist, kann für Geschäftsleute schnell richtig teuer werden. Außerdem waren Geldautomaten außer Betrieb, Geschäfte konnten nicht kassieren. Aber auch Hausnotrufe oder Rezeptsysteme der Apotheken laufen nicht oder nicht fehlerfrei, wenn der Netzzugang fehlt.

Die Störung war laut Stefanie Halle von der Pressestelle der Telekom am Dienstag um 19.30 Uhr behoben, dann hat es aber noch eine Weile gedauert, bis wirklich jeder Kunde wieder ein Netz hatte. Das funktioniert laut Halle ähnlich wie sich ein Stau auf der Autobahn auch erst eine Weile später auflöst, nachdem die Unfallstelle geräumt ist.

Dass es in den vergangenen Monaten mehrfach zu Problemen gekommen ist, weil Glasfaserkabel bei Bauarbeiten beschädigt wurden, habe nichts mit der Verlegung der modernen Kabel zu tun, sagt Halle. Sie erklärt das vielmehr mit der starken Bautätigkeit. Dabei müssten die Arbeiter eigentlich wissen, wo sie vorsichtig sein müssen, weil alle Leitungen der Versorger in Plänen eingetragen seien. Zudem lägen die Kabel in bis zu 80 Zentimeter Tiefe, damit sie nicht gleich bei jedem Spatenstich in Mitleidenschaft gezogen werden.

Grundsätzlich müssen Kunden also mit der Gefahr solcher Netzausfälle leben, die durch Unachtsamkeit oder Fehler entstehen, meint Halle. Kunden können telefonische Erreichbarkeit sicherstellen, indem sie über den Kundendienst der Telekom die Festnetznummer aufs Handy umleiten lassen. Für Geschäfte, deren Kassensysteme am Internet hängen, werde es bei einem Festnetzausfall schwierig. Das erschwert die immer wieder geforderte Abschaffung des Bargelds erheblich, denn auch am Dienstag ging in vielen Geschäften ohne Bargeld gar nichts mehr.

Einigen Lindauer Ärzten und Apothekern beispielsweise bereiten die Netzausfälle der vergangenen Monate große Sorgen. Die Kommunikation untereinander und mit Kunden (zum Beispiel auch Altenheimen) sei extrem schwierig gewesen, auch Bestellungen beim Großhandel laufen mittlerweile digital. Apotheker Rainer Duelli zum Beispiel warnt in diesem Zusammenhang vor dem geplanten elektronischen Rezept. Bei einem Netzausfall hätten Apotheker dann weder Zugriff auf die Rezeptdaten, noch könnten sie es abrechnen.

Eine Lösung sieht Thomas Gläßer, Chef der Lindauer Stadtwerke, deren Tochter Telekommunikation Lindau am Dienstag nicht betroffen war, der solche Störfälle aber auch kennt, in Doppelanschlüssen. Vor allem große Kunden haben auch in Lindau bereits Verträge mit der Telekom und den Stadtwerken abgeschlossen, da ein Ausfall beider Systeme sehr unwahrscheinlich sei. Gläßer berichtet, dass Firmen schon mehrfach wegen eines solchen zweiten Anschlusses für den Notfall angefragt haben. Zu den Kosten will er öffentlich nichts sagen, zumal das im Einzelfall auch davon abhängt, wie groß die Bandbreite für den Notfall sein soll. Auf jeden Fall könne man das technisch einrichten, dass sich die Systeme innerhalb von Minuten auf die neue Leitung umschalten – und dann laufen Kasse oder anderes wieder ganz normal.

allestörungen.de dokumentiert die Probleme bei der Telekom.

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