Musik als Balsam für die Seele

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Ralf Illenberger (links) und Peter Autschbach überzeugten im Zeughaus das Publikum
Ralf Illenberger (links) und Peter Autschbach überzeugten im Zeughaus das Publikum (Foto: Babette Cesar)
Schwäbische Zeitung
Babette Caesar

„Wir freuen uns riesig“, hat Karl Heinz Brombeis dem Konzert mit Peter Autschbach und Ralf Illenberger am Donnerstagabend im Zeughaus vorausgeschickt. Die Freude war auf beiden Seiten spürbar - auf der Bühne beim Gitarrenduo und im gut besuchten Saal. Legenden seien die beiden Musiker, die vollkommen unprätentiös zu ihren Instrumenten griffen und hautnah Hochkarätiges boten, so Brombeis.

Sphärische Klangwelten, aber keine abgehobenen, sondern solche mit guter Bodenhaftung auf den Gitarrensaiten komponiert, stark rhythmisiert und detailverliebt, das macht ihre Musik aus. Sie ist Balsam für die Seele. Ihr haftet nichts Gecovertes an, sie ist sie selbst. Ralf Illenberger, 1956 in Stuttgart geboren, lebt in Sedona im US-Bundesstaat Arizona. Dort, wo die rot leuchtenden Felsen eine besondere Energie abstrahlen.

Peter Autschbach, Jahrgang 1961, stammt aus Siegen, war Gitarrenschüler von Joe Pass und hat 1990 in Köln sein Jazz-Studium abgeschlossen. Daher rührt sein rheinischer Akzent. Beide kennen sich schon viele Jahre. Nach Unterbrechungen haben sie sich 2010 wieder getroffen und bei einer Probe in Trier gleich fünf Stücke zusammen gespielt. 2012 nahmen sie in Sedona das aktuelle Album „No Boundaries“ auf, aus dem es am Abend Kostproben gab. „Move on“ zum Beispiel, in dem sie vollkommen gelassen und ganz ungezwungen auf Touren kommen.

Wenn dem Zuhörer eine Stilverwandtschaft durch den Kopf schießt, ist es die zu Pat Metheny oder Philip Catherine. Diese Art von Konzentriertheit, das sich langsame, aber zielorientierte Aufbauen in Richtung höchster Klangverdichtung, um sich zu einem großen Ganzen aufzuschwingen, macht beider Zusammenspiel aus.

Vom Jazzclub über Italien ins Zeughaus

Drei Mal sei Autschbach schon in Lindau gewesen. Jedes Mal in einem winzig kleinen Jazzclub. Während einer seiner Gitarrenkurse in der Toskana habe er den Hinweis auf das Zeughaus erhalten. Da müssten er und Illenberger unbedingt einmal spielen. Gesagt und getan und das bei bester Akustik. Beide sind feste Größen im Musikgeschäft. Von Komponist, Produzent und Gitarrist Illenberger, der in den 70er und 80er Jahren vor allem mit Sänger und Gitarrist Martin Kolbe auftrat, gibt es mehr als 400000 verkaufte Alben und Konzerte in über 50 Ländern.

Gitarrenpädagoge Autschbach lehrt an verschiedenen Musikschulen und hat zahlreiche Lehrbücher veröffentlicht. In den 1990er Jahren war er als Gitarrist in namhaften Musicalproduktionen unterwegs. Als E-Gitarrist in einer Band trete er dann und wann einmal solistisch hervor. Aber was geschieht, wenn da keine Band mehr mit auf der Bühne steht. Diese Performance beherrscht das Duo ohne an Spannung zu verlieren. So greift Autschbach zwischendurch zur Bassgitarre, die er sich frei nach Metheny konstruieren lassen hat, und beide setzten zum Stück „Kristallschloss“ an. Ein beeindruckender, sich in die Weite ausbreitender satter Sound erklang, gespickt mit kristallin vibrierenden Höhen.

Rockige Erzählung

Heute stehe Jupiter und Venus gut, da könnten sie noch einen Titel aufnehmen, schlug Illenberger bei der Produktion von „No Boundaries“ vor. So kramten sie eine 35 Minuten dauernde Session hervor, wollten daraus Passendes verwenden, kamen aber zu dem Schluss, dass ihre Suite „Last Afternoon“ in voller Länge perfekt ist. Daraus wiederum ist die Idee entstanden, dass Autschbach und Illenberger „einfach mal drauf los spielen“. Harmlos begann dieses Duett, während Autschbachs Fingerstyling zusehends den mehr rockigen erzählerischen Part übernahm und Illenberger sich den sphärischen Rhythmen zuwandte.

Beide Stränge fanden melodisch zueinander und blieben dennoch für sich stehen. „Ja, es ist einfach so entstanden. Man macht etwas und weiß, dass der andere einen nicht hängen lässt. Wir machen ja keine Cluster-Akkorde. Es soll ja Musik sein“, erklärte Autschbach und behielt recht.

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