Mittelfinger und Pöbeleien: So begegnen manche Lindauer dem Räumdienst

Lesedauer: 5 Min
 Die Bauhofmitarbeiter kommen beim Schneechaos mit Räumen kaum hinterher.
Die Bauhofmitarbeiter kommen beim Schneechaos mit Räumen kaum hinterher. (Foto: Christian Flemming)

Danny Hemkens muss müde sein. Seit Samstag hat der Bauhofleiter keine Nacht länger als vier Stunden geschlafen. Die restlichen 20 Stunden ist er mit dem Räumfahrzeug unterwegs, koordiniert Räum- und Streupläne – und setzt sich mit Anwohnern auseinander, die sich beschweren. 400 solcher Anrufe habe er seit Samstag entgegengenommen, schätzt Hemkens. Sie halten ihn und seine Kollegen, aber auch die Feuerwehr von der Arbeit ab.

 Danny Hemkens.
Danny Hemkens. (Foto: Yvonne Roither)

„Manche stehen mit dem Mittelfinger am Straßenrand“, sagt Hemkens. „Die Leute haben kein Fingerspitzengefühl. Sie haben kein Verständnis dafür, dass unsere Manpower und unsere Maschinenpower endlich ist.“ Die vergangenen Tage hätten gezeigt: Jeder, der Hilfe braucht, fühle sich im Recht. Unter den 400 Leuten, die Hemkens angerufen haben, war auch eine Frau, die verlangte, dass der Bauhof die Straße vor ihrem Haus räume. „Als ich ihr gesagt habe, dass wir am Kämpfen sind, hat sie sich schlapp gelacht und behauptet, wir würden doch eh nichts arbeiten“, erzählt der Bauhofleiter.

Am „Kragen gepackt“ worden sei einer seiner Mitarbeiter. Der Kollege habe einer alleinstehenden älteren Dame auf deren Bitte die Einfahrt freigeräumt. Sofort seien die Nachbarn dagestanden und hätten rabiat von ihm verlangt, dasselbe auch bei ihnen zu tun. „Da heißt es immer schnell: Wir zahlen Steuern und haben ein Recht darauf“, sagt Hemkens. „Oft sind das Leute, die haben noch nie in ihrem Leben eine Schippe in der Hand gehabt.“

Wenn die ersten Schneeflocken fallen, freuen sich viele Menschen über die weiße Winterlandschaft. Aber den Wintereinbruch birgt auch Gefahren. Aber warum kann Schnee so gefährlich sein?

Alarmiert, um Äste aufzuheben

Angepöbelt hat Kommandant Max Witzigmann und seine Kameraden von der Lindauer Feuerwehr in den vergangenen Tagen niemand. „Aber was uns zu schaffen macht ist, wenn die Leute wegen jedem Kleinzeug anrufen“, sagt er. So sei die Feuerwehr von der Leitstelle mehrmals zu Einsätzen geschickt worden, die sich am Ende als keine herausstellten. „Da lag dann ein Ast auf der Straße, den man einfach aufheben hätte können.“ Am Montagmorgen hätten außerdem einige Leute angerufen, die entweder mit ihren Autos stecken geblieben waren oder nicht aus ihrer Ausfahrt kamen. „Wenn wir denen dann sagen, dass das nicht unsere Aufgabe ist, werden einige unverschämt“, sagt Witzigmann.

Hemkens und seine Männer räumen trotz der Pöbeleien weiter. Denn es gibt auch Lichtblicke, denn einige Anwohner schenken den Bauhof-Mitarbeitern Schokolade. Auch das eine oder andere Dankesschreiben sei schon beim Bauhof angekommen. „Bei denen, wo die Straßen frei sind.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen