Mit Warp 9 zum nächsten Schritt

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Manfred Vogt
Manfred Vogt (Foto: chli)
Christiane Link-Raule

Die Party der Therapeuten am Vorabend schien lang gewesen zu sein, denn nicht alle Sitzplätze in der Inselhalle waren am Mittwoch belegt. Umso erfreuter genossen die Anwesenden den kurzweiligen und anschaulichen Vortrag von Spieleerfinder und Diplom-Psychologe Manfred Vogt bei der KJP, der Kinder- und Jugend-Psychotherapie-Tagung, die die Kölner KIKT-Akademie heuer zum ersten Mal in Lindau ins Leben gerufen hatte. Der Kurzzeittherapeut erklärte didaktisch ausgefeilt und humorvoll, wie es möglich ist, innerhalb von drei bis neun Sitzungen konkrete Therapieerfolge zu erzielen.

Entscheidend ist die Perspektive, mit der auf das Gegenüber geschaut wird. Was und wie sehen wir? Mit dem Zoom oder dem Weitwinkel, was erkennen wir bewusst und welche Strukturen nehmen wir unbewusst wahr? Was für eine Rolle spielt die Zeit dabei und welcher (erlernten) Logik folgen wir bei unserer Beurteilung? „Das Spiel zwischen Intuition und Ordnung: Jonglieren mit Perspektiven in der kreativen Kindertherapie“ war der wissenschaftliche Obertitel des Referenten. Übersetzt in die lösungsfokussierte Arbeit der Kurzzeittherapie heißt die weit einfacher formulierte Antwort: „Es gibt immer nur den nächsten Schritt.“ Ging er in die richtige Richtung? Und wie reagiert das System Familie darauf bei diesem Spiel mit Ressourcen verstärkenden Veränderungen?

Positive Unterschiede entdecken

Um diesen „nächsten Schritt“ zu erarbeiten, gelte es, die Perspektivenvielfalt miteinzubeziehen und den Fokus auf das Handeln zu legen. Es gehe nicht darum, ein Problem zu analysieren und zu vertiefen, sondern darum, die positiven Unterschiede zu entdecken. Die entscheidende „Wunderfrage“ dabei: „Woran merkst du, dass die Therapie erfolgreich ist?“ Das Ende der Therapie werde damit vorweggenommen und an den Anfang gestellt. Die immer aufs Neue überprüfte Frage nach dem Unterschied zwischen besser und schlechter – und sei der noch so minimal – bewirke dabei bereits Veränderung.

Warum Kurzzeittherapie mit so kurzer Zeit auskommt, beantwortete Manfred Vogt mit überzeugender Einfachheit und Beispielen dafür, was in einer Sekunde so alles geschehen kann: In einer einzigen Sekunde knüpft ein Neugeborenes in den ersten Monaten 700 neuronale Verbindungen, 88 Lebensmittelverpackungen werden in Deutschland weggeworfen, der Rapper Eminem schafft im Flow 6,5 Worte pro Sekunde und das Raumschiff Enterprise fliegt 250 Millionen Kilometer bei Warp 9. Was also kann sich da schon alles in einer Therapiesitzung mit ungefähr 3000 Sekunden verändern.

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