Mit Selbstbewusstsein und Witz gegen Vorurteile

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Dennis überreicht Lila ein Geburtstagsgeschenk, nachdem sie Vorurteile überwunden haben.
Dennis überreicht Lila ein Geburtstagsgeschenk, nachdem sie Vorurteile überwunden haben. (Foto: Judith Hilebrand)
Judith Hilebrand

„Du bist schwarz“ bemerkt Lilas neuer Klassenkamerad Dennis. „Nein Lila“, kontert Lila, gespielt von Nancy Mensah-Offei. Ihre Schlagfertigkeit begeistert das Publikum im Stadttheater Lindau. Das Stück „Schwarzweißlila“ zeigt, dass Jugendtheater Probleme, wie Alltagsrassismus, aufgreifen und dadurch Kinder und Jugendliche darauf Aufmerksam machen kann. Der lange Beifall am Schluss spricht für das Stück, auch wenn es mehr Zuschauer verdient gehabt hätte.

„Meine Mama ist verrückt geworden!“ Die elfjährige Lila sitzt zwischen ihren Spielsachen. Ihre alleinerziehende Mutter (Claudia Kottal) wolle in eine Kleinstadt ziehen. Und da nunmal die Erwachsenen entscheiden, wo man wohnt, hat Lila keine Wahl. Doch in der neuen Umgebung ist ihre Hautfarbe plötzlich das Hauptthema.

Voruteile des Vaters sind im Kopf

Schon auf dem Schulweg spricht der Mechaniker Manfred (Sven Kaschte) Lila darauf an. Er habe ja nichts dagegen, dass so Leute wie sie jetzt hier seien, aber dieser Meinung sind ja nicht alle. Lilas neuer Klassenkamerad Dennis (Josef Mohamed) ist fasziniert von ihrer Schlagfertigkeit und ihrem Witz. Trotzdem hat er die Vorurteile seines Vaters, der ebenfalls von Sven Kaschte gespielt wird, im Kopf. „Mein Vater sagt, dass Afrikaner nicht gerne arbeiten.“

Lila fragt bei ihrer Mutter nach, was ihr Vater eigentlich mache. Diese will aber nicht über den Vater sprechen. Daraufhin macht sich die Elfjährige alleine auf die Suche nach ihm. Sie will nach Afrika. Am Bahnhof trifft sie auf den Asylbewerber Basuro (Simon Olubowale), der sie aber wieder nach Hause schickt.

Autor und Regisseur Volker Schmidt bringt in dem Stück Themen wie den Mutter-Tochter Konflikt, Vorurteile und Flucht zusammen. Gegen Ende des Stücks fällt es dadurch manchmal schwer, die Geschichte ganz zu erfassen.

Zurück in der Kleinstadt überredet Lila den Mechaniker, mit ihr zum Asylheim zu fahren, um Basuro zu besuchen. Im Asylheim erzählt Basuro von Ghana. Von seinem Leben dort und von der Flucht nach Europa. Von den Schwierigkeiten, hier eine Arbeit zu finden und von dem Traum, seinen Kindern Schulbildung zu ermöglichen. Lila ist beeindruckt. Sie lädt ihn zu ihrem Geburtstag ein, zu dem auch Dennis und sein Vater kommen sollen.

Dort lösen sich viele Vorurteile von Dennis Vater, indem er Basuro kennen lernt und auch Lilas Mama erzählt endlich, dass ihr Mann nach Ghana abgeschoben wurde und deswegen nicht mehr in Österreich lebt. Die Auflösung aller Konflikte wirkt am Ende etwas gezwungen. Nancy Mensah-Offei bringt in ihrer Rolle aber immer eine Leichtigkeit in die ernsten Themen, was zu vielen Lachern im Publikum fühlt. Und Lila? Die will jetzt erst recht nach Ghana. „Nächste Woche.“

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