Mit guter Energie und buntem Schmuck

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Susi Donner

Das letzte Ferienwochenende hat – zumindest wettertechnisch – den Abschied aus der Urlaubszeit leicht gemacht. Der Kälteeinbruch und der viele Regen haben dem Töpfer- und Kunsthandwerkermarkt „Kunsthandwerk und Genuss“ schon wehgetan, und auch dem verkaufsoffenen Sonntag der Inseleinzelhändler. Der Samstag war noch der trockenere Tag, da kam nachmittags sogar die Sonne heraus, aber am Sonntag wurde es richtig ungemütlich. Dennoch sind zahlreiche Besucher fröhlich über die Insel flaniert, in warmen Jacken und mit Regenschirmen, und haben mit den Händlern dem Wetter getrotzt.

Annemarie Berger schaut sich versonnen in dem kleinen Spiegel an. Die Kette mit den Steinen aus Glas steht der Weißensbergerin hervorragend. Die verschiedenen Blautöne, durchzogen mit Linien die wie Lebensadern anmuten und dem Glasschmuck eine holzähnliche Wirkung verleihen, passen perfekt zu ihrem Outfit: blaue Jeans, dunkelblaues Shirt und eine wasserblaue Jacke, die sie um die Hüften gebunden hat. Ja, die Kette muss es sein. Rainer Schrade, dem Glaskunsthandwerker, behagt ihre Begeisterung sehr.

Es ist Samstagnachmittag und rund um den Diebsturm bis hinunter zum Zeughaus ist emsiges, wenn auch nicht dichtes Markttreiben zu sehen. „Wir haben Wetterglück“, freut sich Annemarie Berger, weil gerade die Sonne durch die Wolken spitzelt, und verrät: „Ich reagiere stark auf Farben. Deshalb war ich bei der Stil- und Farbberatung. Seitdem achte ich viel mehr darauf, welche Farben zu mir passen. Und ich fühle mich damit tatsächlich auch wohler.“ Dunkles Blau, dunkles Grün, kräftiges Pink dürfen es bei ihr laut Beraterin sein. „Ihre hellen Sachen habe ich bekommen“, erzählt Tochter Julia. Das ist super, weil meine Mama einen guten Modegeschmack hat.“

Der nicht von ungefähr kommt. Annemarie Berger erzählt mit leuchtenden Augen, dass sie das Schneidern von ihrer Mama gelernt habe. „Sie war richtig gut, aber irgendwann habe ich sie sogar überflügelt. Ich war elf Jahre alt, da habe ich begonnen, mir alles selber zu nähen.“ Mit 19 Jahren habe sie sich ihr eigenes Brautkleid genäht. Ganz schön jung, und wohl der Grund, warum Mutter und Tochter Berger wie Schwestern wirken. Für ihre eigene Familie habe sie dann, angefangen bei den Hosen für ihren Mann und der Bekleidung für ihre Kinder, alles selbst genäht. Auch das Kommunionskleid für Julia, das danach noch an zwei weitere Kommunionkinder vererbt wurde. Qualität eben.

Julia Berger hat sich in die Windglöckchen aus Ton von Frédéric Anerdi verliebt. Sie sollen gute Energie anziehen und Glück bringen. „Ich weiß aber gar nicht, wo ich sie aufhängen soll“, überlegt Julia. Christin Klumpp, die Partnerin des Künstlers erzählt ihr, dass viele Leute sie ins Fenster hängen und Mama Annemarie sagt: „Du wirst schon einen guten Platz dafür finden.“ Julia entscheidet sich, „Weihnachten ist nicht mehr weit“, für einen getöpferten und geschmückten Christbaum.

Die beiden erzählen, dass sie jedes Jahr über den Kunsthandwerkermarkt bummeln und eigentlich immer etwas finden, weil sie große Fans von handgemachten und unverpackten Dingen sind. „Heute sind weniger Stände als sonst da. Und mir fehlen einige, bei denen man den Kunsthandwerkern bei ihrer Arbeit zuschauen kann“, bedauert Berger.

Bei Steffi Lange kann man allerdings genau das. In einem kleinen Zelt, in dem es herrlich duftet, zeigt sie, was sie in ihre Energiekissen füllt: Kräuter, Hölzer und Heilsteine, in persönlichen Mischungen. Sie sollen Körper und Geist harmonisieren und für einen guten Schlaf sorgen. Die Kissenhüllen sind mit energetischen Symbolen wie dem Lebensbaum bestickt. Die fünfköpfige Familie Grahneis aus Hergensweiler interessiert sich sehr dafür. Vor allem Marcel und Aileen wollen alles über die Wirkung der verschiedenen Kräuter erfahren. „Wir waren heute Morgen auf einer Kräuterwanderung. Da passen die Energiekissen jetzt natürlich hervorragend dazu“ erklärt Mama Andrea. Aber auch Papa Ralf und Leon schnuppern begeistert an den Kissen und sind erstaunt, wie viele Heilsteine die Kunsthandwerkerin in die Kissen mischt.

Energiekissen, Glasschmuck und Windglöckchen sind selbstverständlich nicht alles, was es auf dem Kunsthandwerkermarkt zu entdecken gibt. Viele nachhaltige Produkte werden angeboten, wie die diversen Bürsten mit Holzstilen und Naturborsten, wohlriechende Seifen, praktische Wandeltaschen, die zudem dem Trend nach weniger Plastik Rechnung tragen. Es gibt Dinkelmäuse, Klangschalen, Töpferware und kulinarische Genüsse wie italienischer weicher Nougat und Mandorle – ohne Laktose und Gluten. Und vom Zeughausplatz klingt vertraut das Pfeifen der kleinen Okarinas aus Ton, die seit vielen Jahren vor allem die Kinder auf dem Kunsthandwerkermarkt begeistern.

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