Mit Geld, Zeit und Ideen führt bürgerschaftliches Engagement zum Erfolg

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Was Bürgerengagement bewegen kann, erläuterte Nikolaus Turner am Dienstagabend in der Linder Inselhalle. Er ist Leiter des Arbei (Foto: Janka Kreißl)
Schwäbische Zeitung
Janka Kreißl

Um „neue Kulturen“ geht es derzeit bei den Psychotherapiewochen – und eine dieser aktuellen kulturellen Entwicklungen zeigte am Dienstagabend Nikolaus Turner auf. Der Geschäftsführer der Stiftung Lindauer Nobelpreisträgertreffen am Bodensee referierte über „Bürgerstifter: die Mäzene von heute“.

Das Prinzip einer Bürgerstiftung ist einfach: Viele Menschen unterstützen mit Geld, Zeit und Ideen unterschiedlichste Zwecke direkt vor Ort. Und auch die Zeiten für solche Projekte scheinen gut zu sein: Von den derzeit rund 300 Bürgerstiftungen wurde der Großteil in den vergangenen fünf Jahren gegründet, ihr Gesamtkapital beträgt derzeit geschätzt 200 Millionen Euro. Den Grund dafür erklärte Turner so: „Wir leben in einer Gesellschaft, in der es einen großen nicht-öffentlichen Wohlstand gibt, und unter diesen Wohlhabenden sind viele, oft kinderlose, Menschen, die Besitz oder Erbe stiften können.“ Und genau darüber müssten sie informiert werden – ein nicht immer ganz einfacher Prozess, so Turner. Doch er lohne sich, denn Bürgerstiftungen können viel bewegen – sei es das Vorleseprojekt für Kinder oder die Sanierung von historischen Gebäuden, die Pflege von lokalem Brauchtum oder eine Kunstausstellung. „Wichtig ist, dass Bürgerstiftungen eine große Vielfalt an Projekten abdecken, denn nur so können sie auch eine große Zielgruppe potenzieller Spender adressieren“, erklärte Turner.

Eine Zweckbindung der Unterstützung seitens der Stifter ist durchaus legitim – und warf auch Fragen aus dem Publikum auf. „Was passiert“, wollte eine der Teilnehmerinnen wissen, „wenn der Verwendungszweck der Spende den demokratischen Grundregeln widerspricht?“ Dann könne die Spende abgelehnt werden, berichtete Turner, und nannte als Beispiel die Vererbung eines Mehrparteienhauses mit der Auflage, nur deutsche Mieter zu akzeptieren.

Nun saßen am Dienstag vielleicht nicht allzu viele Immobilienbesitzer und Millionäre im Publikum – und trotzdem war sich Turner sicher, dass seine Worte bei vielen Eindruck hinterlassen würden: „Bürgerstiftungen werden gegründet und getragen von Menschen, die etwas bewegen wollen. Sie sind eine Investition in ein gesellschaftliches Miteinander, zu der jeder beitragen kann“, ist er überzeugt. 450000 Arbeitsstunden pro Jahr leisten die Mitglieder von deutschen Bürgerstiftungen derzeit im Durchschnitt – eine beachtliche Zahl, die in Zukunft laut dem Stiftungsgeschäftsführer noch weiter wachsen wird. „Wir leben in einer Zeit, in der der Staat immer mehr Aufgaben und Kosten abgibt, deshalb ist bürgerschaftliches Engagement heute wichtiger denn je“, sagte Turner.

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