Mit 2,22 Promille am Steuer des Feuerwehrautos

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Mit 2,22 Promille am Steuer des Feuwehrautos (Foto: dpa)

„Retten und schützen“ habe er als Feuerwehrmann stets wollen und nun durch einen Fehler sich selbst und andere in Gefahr gebracht und einen nicht unbeträchtlichen Schaden angerichtet. Dass ihm das leid tut, war dem 36-jährigen Angeklagten vor dem Amtsgericht in Lindau deutlich anzusehen. Unter Tränen drückte er sein Bedauern aus.

Der Feuerwehr habe er so „einen Bärendienst erwiesen“. So werde seither im Ort über den Alkoholkonsum im Kreise der Feuerwehr gespottet. An einer Verurteilung aufgrund einer fahrlässigen Gefährdung des Straßenverkehrs konnte die späte Reue jedoch nichts ändern.

Schon schlafen gelegt hatte sich der Angeklagte am Neujahrsabend 2012, als die stille Alarmierung ihn zu einem Einsatz für die Feuerwehr in der Westallgäuer Gemeinde rief. Er sei aus dem Schlaf aufgeschreckt, habe sich ohne nachzudenken angezogen, die Treppe hinunter und ins Auto gesprungen und losgefahren. Nach 150 Metern war die Fahrt zu Ende, eine Garage und ein Fahrzeug beschädigt und ein Schaden in Höhe von über 5000 Euro verursacht.

Der Grund für die Unfallfahrt war schnell ermittelt: Selbst zwei Stunden danach hatte der Angeklagte noch 2,22 Promille Alkohol im Blut – nach Hochrechnung von Richter Klaus Harter zum Unfallzeitpunkt rund drei Promille.

Ein rundum positiver Tag sei es bis dahin gewesen, erinnerte sich der Angeklagte. In der Silvesternacht habe er die Brandwache übernommen und habe deshalb auch mit Alkohol den Jahreswechsel nachgefeiert. Als der Alarm kam, habe er daran nicht mehr gedacht. „Ich war damals wohl etwas überengagiert in Sachen Feuerwehr“, blickte er im Gerichtssaal zurück. Dort musste er sich vorhalten lassen, dass er seinen Führerschein erst vier Monate zuvor zurückbekommen habe – nach einer Sperre aufgrund einer Fahrt unter Alkoholeinfluss.

Und da der Angeklagte schon vor Jahren wegen einer Trunkenheitsfahrt verurteilt worden war, sah der Staatsanwalt die besonderen Umstände des jetzigen Unfalls nicht als strafmindernd an und sprach von einer „typischen Fahrt eines Besoffenen“.

Genau das sei es nicht gewesen, argumentierte der Verteidiger. Denkbar sei sogar die Argumentation gewesen, es habe sich um einen „rechtfertigenden Notstand“ gehandelt, die der Gesetzgeber einräume. Dagegen sprach die Aussage des Angeklagten, er sei zum Einsatz für die Feuerwehr nicht verpflichtet, wenn er dienstunfähig sei. Dennoch, so der Verteidiger, handele es sich um einen besonderen Fall, da der Angeklagte nicht zu seinem Vergnügen gefahren sei, sondern um anderen Menschen zu helfen.

2700 Euro Geldstrafe und Führerscheinentzug

Diese Argumentation berücksichtigte Richter Harter beim Strafmaß. Doch eine Verurteilung stand für ihn außer Frage. Eine Geldstrafe von 2700 Euro sprach Harter aus und legte auch fest, dass der Angeklagte seinen bereits im Januar 2012 beschlagnahmten Führerschein jetzt frühestens in drei Monate zurückerhalten soll.

„Doch da ist das Landratsamt die entscheidende Stelle. Da muss wohl einiges passieren, bis ihnen wieder eine Fahrerlaubnis erteilt wird“, mutmaßte der Richter.

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