Maori-Kultur trifft den Nerv der Jugendlichen

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 Bei der Schulvorführung geben die Performer der „Hub Akademie“ rund hundert begeisterten Mittelschülern einen Vorgeschmack auf
Bei der Schulvorführung geben die Performer der „Hub Akademie“ rund hundert begeisterten Mittelschülern einen Vorgeschmack auf das Musical „Parihaka“. (Foto: Isabel Kubeth de Placido)
Isabel Kubeth de Placido

Die Mischung macht’s. Mit einem Mix aus traditionellen Maori-Tänzen und Liedern sowie moderner Musik und Tanz, die die Geschichte der neuseeländischen Maoris und ihrem außergewöhnlichen Häuptling erzählen, haben die 15 jungen Musiker, Tänzer und Sänger der Hub-Akademie den knapp einhundert begeisterten Schülern der Mittelschule Aeschach einen Vorgeschmack auf das gegeben, was am Freitag für alle zu sehen ist. Auf „Parihaka“ nämlich, einer Geschichte von friedlichem Widerstand, Versöhnung und Frieden.

„Heute teilen wir einen Teil unserer Kultur mit Euch“, begrüßt Jay die rund hundert Schüler der Mittelschule Reutin/Aeschach im evangelischen Gemeindezentrum in Aeschach. Jay ist der Tourenmanager für jene 15 jungen Musiker und Tänzer die vom anderen Ende der Welt nach Lindau gekommen sind, um ihre Traditionen, ihre Musik, vor allem aber auch das allgemeingültige Thema Frieden, das sie in ihrem Tanz-Theater „Parihaka“ verpackt haben, zu präsentieren. Und dass Jay nur Englisch spricht, ist kein Problem. Eine Übersetzerin hilft, damit alle verstehen, was er und die anderen über die Maori, jenem Volk, das einst von den pazifischen Inseln nach Neuseeland kam und heute dort die größte Bevölkerungsgruppe darstellt, erzählen werden.

Etwa, dass das, was die Schüler gleich sehen und hören, der „Klatschtanz“ ist und die Sänger und Tänzer eine neue Art des althergebrachten „Grasgürtels“ tragen. Trommelnd und rufend betreten die männlichen Akteure die Bühne, beginnen einen Tanz, zu dem sie singen und reißen die Schüler vom ersten Augenblick an mit in ihre so ganz andere Welt. Handys werden gezückt, Fotos gemacht und Videos gedreht. Das ändert sich auch nicht, als vier junge Frauen zu einem ruhigeren, anmutigen Tanz ansetzen, dem, gemeinsam mit den Männern, wieder ein wilder, kämpferischer folgt.

Derart folkloristisch wird es jedoch nicht bleiben. Vielmehr bildeten diese ersten drei Tänze das Intro zu der Geschichte, die die professionellen Performer der neuseeländischen Hub-Akademie mit angesagten Pop-, Rock-, Rapp- und Hip Hop- Songs und zeitgemäßen Tanzeinlagen erzählen. Die Instrumente, von der E-Gitarre bis zum Schlagzeug spielen die jungen Künstler selbst und so lässt das Musical mal an ein Konzert, mal eine Tanzperformance, verbunden mit erzählerischen Elementen, denken.

Dabei geht es um den maorischen Häuptling Te Whiti, der sich gegen die Ungerechtigkeiten seiner Zeit und die Beschlagnahmung seines Landes durch die Briten in einer Art und Weise wehrte, die ganz besonders ist. Nämlich deswegen, weil er sich nicht für Gewalt und Blutvergießen entschied, sondern für friedvollen Protest. Und einer kraftvollen Demonstration der Liebe und Vergeltung: Te Whiti empfing seine Feinde mit Essen und Trinken, als sie mit Soldaten vor seinem Dorf aufmarschierten. „Wir leben in einer Welt, in der es heißt, wenn du mich angreifst, greife ich dich an und in der es darum geht, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Deshalb ist die Geschichte von Te Whiti so herausragend“, erklärt Jay am Ende der eindrucksvollen Show, mit der die Hub Akademie bei dieser Schülervorführung jedoch nur einen Teil dessen präsentierte, was sie an zwei Abenden in Lindau und Lindenberg noch zeigen wird.

„Ich sterb’ gleich“

Der Erfolg ist eigentlich jetzt schon garantiert. Zumindest haben die Künstler jede Menge Fans gewonnen, wie sich nach der Show zeigte. „Ich sterb’ gleich“, sagt ein Mädchen, als es zu seinen Freundinnen nach einem Selfie mit einem der Künstler zurückkommt. Und sie ist nicht die einzige, die Fotos gemacht, sich Autogramme hat geben lassen und die Jungs nach ihren Namen gefragt hat. Dieser Erfolg verwundert Diakon Tobias Bernhard keineswegs. Die Jugendkirche Luv ist eine von zahlreichen anderen kirchlichen Verantwortlichen aus dem Landkreis, die die Hub-Akademie bereits zum zweiten Mal nach Lindau geholt haben. „Tanz und Musik und dann noch diese fremde Kultur – das macht viel aus“, sagt er und ist davon überzeugt, dass die Verknüpfung mit dem Friedensthema bei den Jugendlichen ankommt.

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