Müll vermeiden bleibt wichtiges Thema

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Wer seinen Abfall sorgfältig trennt, etwa Kunststoffe und Blech im Wertstoffsack sammelt, der hat ein gutes Gewissen – auch wen
Wer seinen Abfall sorgfältig trennt, etwa Kunststoffe und Blech im Wertstoffsack sammelt, der hat ein gutes Gewissen – auch wenn insgesamt die Menge des Verpackungsmülls wächst und der Aspekt Müllvermeiden aus dem Blickwinkel rutscht. (Foto: Christian Flemming)

Beim Hausmüll verhalten sich die Bürger im Verbreitungsgebiet des ZAK sehr diszipliniert: Die Menge dessen, was in die schwarzen Restmülltonnen wandert, stagniert bei rund 38 500 Tonnen im Jahr. Bei den Wertstoffen haben die ZAK-Verantwortlichen im vergangenen Jahr sogar einen leichten Rückgang beobachtet. Mit fast 13 300 Tonnen haben die Bürger aber fast zehn Prozent mehr Sperrmüll aussortiert. Auch wenn unterm Strich die Gesamtabfallmenge aus den Haushalten unter der des Vorjahres liegt: Zum Thema Müllvermeiden ist nach Ansicht der Verbandsräte noch viel Aufklärungsarbeit angesagt.

Als das heutige Müllheizkraftwerk in den 90er-Jahren errichtet wurde, galt das Hauptaugenmerk des Zweckverbands für Abfallwirtschaft Kempten (ZAK) der Abfalltrennung: Was als Wertstoff anderweitig nutzbar ist, muss nicht verbrannt werden. Altpapier, Glas, Blech müssen die Bürger seither genauso trennen wie Verpackungskunststoffe, Altholz oder Elektroschrott. So wurde erreicht, dass sich die Restmüllmenge pro Einwohner (einschließlich Sperrmüll) im ZAK-Gebiet auf rund 160 Kilogramm pro Jahr eingependelt hat. Die Bürger trennen fleißig.

Doch die wenigsten von ihnen machen sich bisher Gedanken darüber, dass die Gesamtmüllmenge seit Jahren stetig ansteigt – weil vor allem immer mehr Verpackungsabfälle gekauft und entsorgt werden. So verwies der zuständige ZAK-Mitarbeiter Andreas Breuer darauf, dass sich seit dem Jahr 2000 die Menge der Kunststoffverpackungen fast verdoppelt hat, von 2200 auf knapp 4100 Tonnen.

Dabei müsse man noch abwarten, wie sich der Beschluss auswirke, dass Kunststoffe seit Jahresbeginn auch in den Wertstoffinseln entsorgt werden dürfen. „Für die Bevölkerung ist das eine spürbare Erleichterung“, ist ZAK-Geschäftsführer Karlheinz Lumer überzeugt. Für den ZAK selbst ist es die Konsequenz aus den Vorgaben der Dualen Systeme Deutschland (DSD): Die hätten sich in den letzten Verhandlungen geweigert, Blech und Dosen weiterhin separat zu erfassen. Technisch sei heute das Trennen von Plastik und Metall in Sortieranlagen ohnehin kein Problem mehr, erinnerte Lumer.

„Vermeiden gehört auch zu unseren Vorgaben“

Die Verbandsräte beschäftigt aber auch, dass im Norden Deutschlands Plastik aus Biomüll sowohl Gewässer als auch Kompost verunreinigt hat. Deswegen stellt sich für den ein oder anderen Verbandsrat die Frage, ob der ZAK nicht bei Lebensmittelhändlern darauf hinwirken könne, Lebensmittel nur noch in kompostierbaren Folien zu verpacken. Dafür sei der ZAK aber nicht zuständig, stellte Lumer in der Sitzung fest und erinnerte zudem an geltende Hygienevorschriften für Lebensmittel.

„Müll vermeiden gehört aber auch zu unseren abfallwirtschaftlichen Vorgaben“, erinnerte Verbandsrat Hugo Wirthensohn. Sein Kollege Ulrich Pfanner gab ihm in der Hinsicht Recht: „Die Bevölkerung könnte umweltbewusster regional einkaufen“, schlug der Scheidegger Bürgermeister und ZAK-Verbandsrat Ulrich Pfanner vor. Er regte deshalb an, der Abfallzweckverband solle in seinem Journal erneut verstärkt auf das Thema Abfallvermeidung hinweisen.

Allerdings müsste das nicht nur für Kunststoffe und Verpackungen gelten, wie der Geschäftsführer anmerkte. So sei beispielsweise die Menge der in den Wertstoffhöfen entsorgten Bildschirme und Fernsehgeräte von gut 10 000 im Jahr 2000 auf mittlerweile 26 400 im vergangenen Jahr gestiegen. Und mit der Fußball-WM in diesem Jahr könnten nach den Erfahrungen der ZAK-Verantwortlichen da noch einige hinzukommen.

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