Männer sind Helden

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Loteten die Abgründe zwischen mann und Frau aus: Martin Lidl (links) und Michi Marchner, alias "Les Derhosn". (Foto: Winfried Hamann)
Lindauer Zeitung
Winfried Hamann

So fangen Alters-Krisen an: wenn man dem Zwölfjährigen aus der Nachbarschaft den Rasen mäht, damit der einem die Updates für den Computer hoch lädt.

Neben dieser heraufziehenden Krise der beiden Midlife-Greise Michi Marchner und Martin Lidl sind es aber vor allem die Unwuchten zwischen Mann und Frau, mit der uns die zahllosen Emanzipationsbemühungen zurück gelassen haben und die für „Les Derhosn“ zu der Erkenntnis führten: Männer denken rational, und die Frauen können es sich mittlerweile leisten, nur noch saisonal zu denken. Ein Dilemma. Und ein köstlich ausgeleuchteter Abstieg „vom Alpha-Mann zum Betablocker“.

Die beiden Multiinstrumentalisten umkreisen diese bedenkliche Entwicklung mit einer unterhaltsamen Mixtur aus ohrwurmverdächtigen Stücken, philosophischen Erkenntnissen mit urbayerischem Einschlag und kabarettistischen Volltreffern.

Ihre pfiffigen Wortspiele kommen beim Publikum an, und wenn ihnen der „metrosexuelle Mann mit seinen kreativen Energien im sexuellen Bereich“ auch ein wenig Angst macht, so sprechen sie sich im Zweifelsfalle auch mal mit einem trivialeren Ausweg Mut zu: Man möge doch bitte bedenken, dass etwa der Name des Supermannes Beckham - lautmalerisch als Back-ham übersetzt - nichts anderes als „Hinterschinken“ bedeutet. Naja.

Ziemlich respektlos spielen sie mit den Themen Religion und Tod („Urnen sind auch nur arrogante Aschenbecher“); auch konnte wohl kaum jemand unter den Zuschauern annehmen, dass „Les Derhosn“ allzu viel von dem ganzen Esoterik-Zirkus halten würden - offenbar wussten sie nicht, dass es zur selben Zeit ein paar hundert Meter genau darum ging.

Die musikalischen Fähigkeiten des Duos kamen nun immer stärker zum Tragen. So wechselten sich verblüffende Didgeridoo-Imitationen mit handfesten Gitarren-Riffs und Blues-Akkorden ab, ehe schließlich ein wunderbar melodiöses Stück für zwei Gitarren die nächtliche Harmonie beschwor.

Ausgerechnet in dieser Situation stimmte Michi Marchner sein melancholisches Stück „Mei Frau hat jetzt 'an andern“ an - mit einer beklemmenden Anhäufung von Eigenschaften, die diesen Mann geradezu als Lichtfigur für jedes weibliche Herz erscheinen lassen müssen. Würde dieser Abend vielleicht doch in Depression enden, Männer am Ende keine Helden sein?

Marlene Dietrich hilft

Zum Glück gab es dank Marlene Dietrich ein hilfreiches Mittel, um der Unbill des Verlassenwerdens mit einer forschen Alternative zu begegnen: „Ich bin doch zu schade für eine(n) allein“ klang es jetzt froh und zuversichtlich von der Bühne. Diese Variante mag gegebenenfalls nicht immer greifen, von Fall zu Fall auch die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten überfordern: aus dem Munde der beiden Kabarettisten klangen sie jedenfalls so gut und ansteckend, dass nun fast zwangsläufig eine Zugabe folgen musste.

Die animierte Martin Lidl nicht nur zu einem packenden Bass-Solo, sondern die begeisterten Zuhörer auch zu einer respektablen Chorleistung, die so recht zur sommerlich-romantischen Atmosphäre auf dem Unteren Schrannenplatz passte. Mögen die Fragen in Sachen Mann und Frau und die Folgen der Emanzipation vielleicht nur teilweise beantwortet worden sein: die Erwartung auf einen lohnenswerten, heiteren und immer wieder auch geistreichen Abend hat der Auftritt von „Les Derhosn“ auf jeden Fall erfüllt.

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