Weil der Bedarf an medizinischer Hilfe in Syrien so groß ist, hat Adnan Wahhoud (links) im Ort Tuum nordöstlich der Stadt Idlib
Weil der Bedarf an medizinischer Hilfe in Syrien so groß ist, hat Adnan Wahhoud (links) im Ort Tuum nordöstlich der Stadt Idlib eine vierte Ambulanz mit dem Namen Lindau eröffnet. (Foto: Lindauhilfe für Syrien)
Evi Eck-Gedler

Adnan Wahhoud ist gesund nach Lindau zurückgekehrt. Das ist nicht selbstverständlich, ist der Deutsch-Syrer doch wieder rund zehn Tage lang in Nordwestsyrien zwischen Aleppo und Idlib unterwegs gewesen. Im Gepäck hatte er dabei unter anderem jenes Geld, welches die Leser der Lindauer Zeitung vor Weihnachten für die Syrienhilfe gespendet haben. Mit diesen gut 4300 Euro hat Wahhoud nicht nur Medikamente für seine Ambulanzen gekauft. Ein Teil des Geldes fließt auch in seine Waisenkinderhilfe. Zudem Wahhoud eine weitere Ambulanz mit dem Namen Lindau in Tuum eröffnet.

Mit einem Lächeln kommt Adnan Wahhoud in die Redaktion. „Die Menschen in Syrien sind sehr, sehr dankbar für die Hilfe aus Lindau“, berichtet er. Kurz zuvor ist er von seiner jüngsten Fahrt nach Syrien zurückgekehrt. „Es ist immer eine Reise ins Ungewisse“, gesteht Wahhoud.

Immerhin hat der Deutsch-Syrer dieses Mal überwiegend positive Nachrichten aus seinem Geburtsland mitgebracht. So werde der aktuell geltende Waffenstillstand weitgehend eingehalten: „Es gibt nur noch sehr wenige Luftangriffe und Kampfhandlungen“, hat der 65-Jährige in der vergangenen Woche erlebt.

Dafür bedroht ein neuer Feind jene Menschen, die in den zerbombten Häusern ausharren oder in die Region westlich von Aleppo geflohen sind: die Kälte. Bis zu minus acht Grad hat Wahhoud dort bei seiner jüngsten Reise erlebt. „Und die Häuser in Syrien sind so gut wie nie isoliert, nur Steine“, und das schütze nicht vor solchen Minusgraden. „Da friert’s sogar im Raum“, schildert der Lindauer. Zusammen mit einem Bekannten in Syrien habe er deshalb schon vor seiner Abreise Ende Januar einen größeren Holzkauf im Land organisiert, damit die Ärmsten dort wenigstens einen Raum für ein paar Stunden heizen können.

„Die Menschen brauchen diese Hilfe“

Dazu gehören jene Familien, in denen die Väter während des Bürgerkriegs gestorben sind: Über 80 solcher Familien unterstützt Wahhoud mit seiner Waisenhilfe. Fast 250 Buben und Mädchen erhalten von ihm monatlich zehn Dollar, ihre Mutter vierzig Dollar, um mit ihren Kindern überleben zu können.

Ein Fall hat den 65-Jährigen, der selbst zwei erwachsene Töchter hat, besonders berührt: Er hat sich um die Mutter eines Neugeborenen gekümmert. „Ihr Mann ist bei einem Rakentenangriff auf Aleppo ums Leben gekommen“, hat sich Wahhoud berichten lassen. Dann hieß es, Zivilisten würden evakuiert. Doch die Sammelstelle für die grünen Busse, die die Menschen aus dem zerbomten Aleppo herausfuhren, sei fünf Kilometer von ihrer Wohnung entfernt gewesen. So habe die Hochschwangere mit ihrem sechsjährigen Sohn zu Fuß durch die Stadt zu diesem Platz laufen, dort stundenlang ausharren müssen, um dann zu erfahren, dass die Busse doch nicht fahren. Dann habe sie den ganzen Wet zurücklaufen müssen. Und das sechs oder sieben Tage hintereinander, hochschwanger, mit kaum Nahrung aus dem Wenigen, das die Frau von einer internationalen Hilfsorganisation erhalten habe.

In Takad habe die Syrerin schließlich ihr Mädchen zur Welt gebracht. Die Kleine ist nun die Jüngste, die Wahhoud unterstützt. Mit einem Teil der Gelder aus der Weihnachtsspendenaktion der Schwäbischen und Lindauer Zeitung, die unter dem Motto „Helfen bringt Freude“ stand. Mit dem Rest der LZ-Spenden hat er Medikamente gekauft und Gehälter bezahlt. Dabei gibt es jetzt vier sogenannte Medical Points mit dem Wort Lindau im Namen. Denn in Tuum in der Nachbarschaft der Stadt Idlib eröffnete Wahhoud eine weitere Ambulanz: „Die Menschen dort brauchen diese Hilfe.“ Und auch die Ambulanz in Khan Assal, direkt vor den Toren Aleppos, behandelt wieder.

Und Adnan Wahhoud lächelt wieder: Solange seine Gesundheit es zulasse, werde er weiter regelmäßig selbst nach Syrien fahren.

Wer die Arbeit von Adnan Wahhoud in Syrien unterstützen möchte, der kann ihn unter der Telefonnummer 08382/89732 erreichen oder sich per E-Mail an ihn wenden unter

wahhoud@aol.com

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