Lindaus Stadträte entscheiden am Dienstag über das Hoyerbergschlössle

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 Am Dienstag befasst sich der Finanzausschuss zum wiederholten Mal mit einem Verkauf des Hoyerbergschlössles.
Am Dienstag befasst sich der Finanzausschuss zum wiederholten Mal mit einem Verkauf des Hoyerbergschlössles. (Foto: Archiv: Christian Flemming)
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Der Finanzausschuss wird sich am Dienstag erneut mit dem Hoyerbergschlössle befassen. Während die Stadt vorab nicht mehr zu dem Tagesordnungspunkt der nicht-öffentlichen Sitzung sagen will, wenden sich sieben Lindauer mit einem offenen Brief an die Stadträte: Peter Borel und seine Mitstreiter fordern, das Gebäude nicht zu verkaufen, sondern per Erbpacht zu vergeben.

Dass sich der Finanzausschuss am Dienstag mit dem Hoyerbergschlössle befassen wird, das bestätigt Lindaus Pressesprecher Jürgen Widmer auf Anfrage der Lindauer Zeitung. Weil es um Vertragsinhalte gehen werde, stehe das Thema im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung zur Diskussion und möglicherweise auch zur Entscheidung. Zum Inhalt will Widmer nichts sagen, nur so viele, dass vorab noch nichts quasi beschlossen sei. Das weitere Vorgehen werde vom Diskussionsverlauf und der Entscheidung der Stadträte im Finanzausschuss abhängen.

Damit widerspricht Widmer einem offenen Brief, den auf Anregung von Peter Borel auch Anneliese Spangehl, Marigret Brass-Kästl, Werner Berschneider, Anton Ziegler, Irene Heß und Gerlinde Kuhn unterschrieben haben. „Es sieht so aus, dass ein Verkauf des geschichtsträchtigen Lindauer Kleinods auf einem Hügel mit einem beeindruckenden Ausblick auf den See beschlossene Sache ist“, heißt es in dem Schreiben. Die Stadt wolle Geld auf die Konten spülen und sich eines lästigen Problems entledigen.

Das schreiben erinnert an die Geschichte des Gebäudes, für das Bürger aus Hoyren, Aeschach, Schachen und Bodolz gespendet haben, damit die damals selbstständige Gemeinde Hoyren das Schlössle kaufen konnte. „Als Brautgeschenk ging es 1922 bei der Vereinigung in den Besitz der Stadt Lindau über. Und jetzt will es die Stadt, nachdem sie das Gebäude über viele Jahre verlottern ließ, veräußern und zu Geld machen – welch ein Affront gegenüber der Geschichte und den Bürgern von damals!“

Etwa 2200 Bürger hatten sich bereits im Juli 2014 bei einer Unterschriftensammlung gegen einen Verkauf ausgesprochen. Doch das habe die Befürworter des Verkaufs offensichtlich nicht beeindruckt, so dass diese „neues Bürgerbegehren riskieren“. Borel und seine Mitstreiter fürchten, dass die Stadt bei einem Verkauf auf Dauer keine öffentliche Nutzung sicherstellen kann: „Wenn es dem Käufer einfällt, schließt er den öffentlichen Zugang, baut einen Zaun herum, und fertig!“

Stattdessen fordert die sieben Lindauer in dem offenen Brief „eine Vergabe nach dem Erbbaurecht über viele Jahre mit einer festgelegten Nutzung, mit dem Vorteil, dass das Gebäude im Besitz der Stadt bleibt“. Sie verweisen darauf, dass es zumindest einen Investor gebe, der bereit sei, „das Schlössle auf eigene Kosten zu sanieren und mit einem Konzept eine öffentliche Nutzung anzubieten“. Die Stadt müsse allerdings die bisherigen Vorstellungen der Pacht deutlich senken, weil der die Sanierung aus eigenen mitteln zahlen müsste. „Die Stadt muss mit dem Investor sprechen und mit ihm eine akzeptable Erbbaupacht aushandeln, damit das Hoyerbergschlössle für immer im Besitz der Stadt bleibt“, fordern die Unterzeichner des Briefs.

Das Schreiben endet mit einem Appell an die Stadträte: „Suchen Sie eine Lösung, die dem Hoyerbergschlössle und seiner Geschichte gerecht wird! Vergessen Sie nicht, wie und woher dieses einmalige Kleinod in den Besitz der Stadt gelangte!“

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