Lindaus Bücherschatz lockt 22000 Besucher an

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Die Schätze in der ERB finden viel Anklang.
Die Schätze in der ERB finden viel Anklang. (Foto: Christian Flemming)
Schwäbische Zeitung
Jürgen T. Widmer

„Wir haben hier einen Kulturschatz ersten Ranges. Das haben die Besucher erkannt.“ Alexander Warmbrunn, Leiter des Lindauer Kulturamts, ist sehr zufrieden mit den Besucherzahlen im ersten Öffnungsjahr der Ehemals Reichsstädtischen Bibliothek (ERB). Ungefähr 22 000 Besucher haben den Weg ins Alte Rathaus gefunden und sich bei freiem Eintritt über den Bücherschatz informiert.

Es sind keineswegs nur Touristen, die das Angebot nutzen, wie Stadtarchivar Heiner Stauder beobachtet hat: „Es kommen auch viele Lindauer, teilweise allein oder auch mit Gästen.“ Warmbrunn und Stauder sind sich einig: „Das Konzept funktioniert.“

Lange waren die ungefähr 15000 Bände, die Lindauer Bürger im 16. Jahrhundert begonnen hatten für ihre Stadt zu kaufen, für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Erst die Investition von 350000 Euro, bei der ungefähr die Hälfte aus Fördermitteln des Leader-Projekts floss, bot die Möglichkeit, diesen einmaligen Bücherschatz zugänglicher zu machen.

Sowohl klimatisch als auch optisch ist das Konzept aufgegangen. Der Glaskubus lässt die Besucher einen Eindruck vom Umfang der Bibliothek gewinnen und schützt gleichzeitig die Bücher. Die vierte Wand ist eine Außenwand des Gebäudes und sorgt für ein Raumklima, das dem kostbaren Inhalt unter konservatorischen Gesichtspunkten angemessen ist. „Hier hat uns unser Restaurator Jürgen Illigasch sehr gut beraten“, lobt Stauder.

„Natürlich sind wir erst am Anfang, was die Präsentation nach außen angeht“, sagt Stauder. In den vergangenen Monaten ging es den Verantwortlichen zunächst darum, regelmäßige Öffnungszeiten einzuhalten. Vier Stunden war die ERB an 193 Tagen geöffnet. „Allein während der langen Lindauer Einkaufs- und Kulturnacht haben wir 400 Besucher gehabt“, so Stauder. Auch die Idee zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs jeweils die Ausgabe des Lindauer Tagblatts auszulegen, fand viel Anklang.

Er weiß aber auch, dass der Reiz des Neuen wahrscheinlich viele Besucher angezogen hat. Dieser wäre im kommenden Jahr erst mal weg. Also heißt es, neue Reize zu schaffen. Ansatzpunkte sieht Stauder sehr wohl. Ist doch die ERB die größte historische Rats- und Bürgerbibliothek am nördlichen Bodenseeufer. Sie spiegelt wichtige Aspekte der deutschen und europäischen Geistes- und Kulturgeschichte zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert wider.

Mit Vorträgen und Veranstaltungen, sowie einem museumspädagogischen Programmm für Kinder will Stauder, unterstützt von der Pädagogin Bärbel Oßler, die Schätze der Bibliothek auch sinnlich erfahrbar machen. Kein leichtes Unterfangen. Bis heute sind die Bücher gegliedert, aufgestellt und katalogisiert nach einer um 1780 eingeführten Ordnung.

Bestände sind nicht wissenschaftlich aufgearbeitet

Welche Bücher dies genau sind, weiß auch Stauder nicht. Denn der jüngste Katalog stammt aus dem Jahr 1855. Hundert Jahre lang wurde er noch immer wieder ergänzt. Doch eine echte wissenschaftliche Aufarbeitung der wertvollen Bestände existiert nicht. „Das ist eine Frage des Geldes“, sagt Stauder.

Andererseits steht jetzt wohl erst mal eine genaue Auflistung der Bestände des Museums an, falls der Cavazzen umgebaut wird. Die Schätze in der ERB müssen da noch etwas warten.

Die Ehemals Reichsstädtische Bibliothek (ERB) bleibt bis Ende März geschlossen. Allerdings können Führungen gebucht werden unter der Telefonnummer 08382/2275960 oder per Email unter stadtarchiv@lindau.de.

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