Lindauer werden zu Nachhaltigkeitshelden

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Denise Tatavitto

Vor mehr als zehn Jahren hatte der Gründer des Heldenmarktes die Idee, Verbrauchern den Zugang zu nachhaltigen Produkten zu erleichtern. Nun hat der Heldenmarkt zum ersten Mal am Bodensee stattgefunden.

Den schwammigen Begriff „Nachhaltigkeit“ mit Leben füllen und nachhaltigen Produkten und Dienstleistern zu mehr Wahrnehmung verhelfen – das sind die Ziele des Heldenmarktes. Unter dem Motto „Für alle, die was merken“ öffnete die Messe erstmals ihre Pforten am Bodensee. In der Inselhalle hatten die Besucher an zwei Tagen die Möglichkeit, sich zu informieren, zu probieren und zu kaufen. Die Angebotspalette deckte nahezu alle Lebensbereiche ab: Lebensmittel und Genuss, Textilien und Kosmetik, Wohnen, Lifestyle, Mobilität und noch vieles mehr.

Neben Klimaschutzbewegungen, wie die „Parents for Future“ und „Extinction Rebellion“, und bekannten Hilfswerken wie „Brot für die Welt“, waren vor allem junge Unternehmen auf der Messe vertreten.

Planet Bamboo, ein Unternehmen gegründet von einer jungen Frau, stellt beispielsweise Plastikalternativen, hauptsächlich aus Bambus, her. Jelena Halar gründete das Unternehmen im Jahr 2016, nachdem sie sich auf einer Reise durch Taiwan überlegte, wie man den Plastikverbrauch reduzieren könne. Sie startete mit Zahnbürsten aus Bambus und verkaufte diese über das Internet. Inzwischen sind unter anderem kompostierbare Müllbeutel, Strohhalme aus Bambusholz und natürliche Zahnseide aus dem Glas im Sortiment.

Auch Stephanie Drach und Sebastian Ohmayer machten aus ihrer Idee ein Unternehmen. Im Surfurlaub in Barcelona säuberten die beiden den Strand und fanden vor allem alte Fischernetze vor. Ohmayer bastelte sich daraus ein Armband und bekam dafür viel Lob aus dem Bekanntenkreis. Die beiden gründeten Color Swell und bieten handgemachte Accessoires und Schmuck aus Meeresmüll, den sie selbst sammeln, an. Mit Color Swell möchten die Gründer sensibilisieren und Tipps geben, wie Plastik und Müll vermieden werden können. Sie selbst kaufen für den Umweltschutz in verpackungsfreien Läden ein, duschen mit Kernseife und festem Shampoo und kaufen vor allem saisonale Produkte aus der Region ein.

Wie man ökologisch und vegan anbauen kann, verriet Nikolai Henke am Stand des Fördervereins Biozyklisch-Veganer Anbau. Der biozyklisch-vegane Anbau ist ökologischer Landbau auf rein pflanzlicher Grundlage. „Diese Anbauform schließt jegliche kommerzielle Nutz- und Schlachttierhaltung aus, und verwendet keinerlei Betriebsmittel tierischen Ursprungs“, erklärte Henke, denn viele herkömmliche Düngungsmittel bestünden beispielsweise aus Schlachtabfällen. Zudem sei der biozyklisch-vegane Anbau gut für die Biodiversität, das Klima, die Tiere und die Welternährung durch die systematische Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit.

Wenn es um Nachhaltigkeit geht, spielt Veganismus eine große Rolle. Viele Initiativen und Vereine machten auf dem Heldenmarkt auf den veganen Lebensstil aufmerksam: Nicht nur den Tieren, sondern auch der Umwelt zuliebe.

Im Impulsvortrag „Eure Nahrung soll eure Medizin sein“ erklärt Hubert Hohler, der Chefkoch der Buchinger-Wilhelm Fastenklinik in Überlingen, dass Nachhaltigkeit in der Ernährung ganz einfach sei: „Eat not too much and mostly plants“, auf Deutsch „Iss nicht zu viel und überwiegend Pflanzen“. 31 Prozent des CO-Ausstoßes haben mit der Produktion von Nahrungsmitteln zu tun. Der Autoverkehr produziere hingegen nur 16 Prozent des CO-Ausstoßes. „50 Prozentkönnten eingespart werden, wenn man auf Fleisch und tierische Produkte verzichtet“, so Hohler. Fleisch- und Milchprodukte produzierten im Bereich Nahrung am meisten CO-Ausstoß. Und um sich wirklich nachhaltig zu ernähren, müsse man auch darauf achten, sich bio und regional zu ernähren. „Man ist, was man isst.“ Passend zur Messe war auch das Menü im Deck 12 an diesen Tagen komplett vegan.

560 000 wollen bedingungsloses Grundeinkommen gewinnen

Aber auch das Drumherum war Thema: Vor allem plastikfreie und Zero-Waste Alltagsprodukte, wie Holzzahnbürsten oder Menstruationstassen, und nachhaltige Lifestyle-Produkte, beispielsweise Klamotten, Taschen und Schmuck, kamen bei den Besuchern gut an.

Gerne probierten sie aber auch vegane Schokolade oder berechneten ihren persönlichen ökologischen Fußabdruck.

Am zweiten Tag ging es weiter mit einer besonderen Verlosung: Der gemeinnützige Verein mein-grundeinkommen.de verloste am Nachmittag zehn bedingungslose Grundeinkommen in Höhe von jeweils 1000 Euro monatlich für ein Jahr. Etwa 560 000 Menschen nahmen online an dem Gewinnspiel teil, darunter waren auch viele Besucher des Heldenmarktes. Leider gewann keiner der Anwesenden eines der Grundeinkommen.

Seit fünf Jahren ist der Verein tätig und hat bis jetzt 435 Grundeinkommen finanziert. Das Geld hierfür sammelt der Verein über Crowdfunding – das bedeutet, dass Einzelpersonen Beträge spenden, um das Projekt zu unterstützen. Immer dann, wenn 12 000 Euro zusammengekommen sind, wird ein Grundeinkommen verlost.

Die meisten haben bereits eine klare Vorstellung davon, was sie mit einem Grundeinkommen machen würden. Viele Leute würden so weiterleben wie bisher, aber sich mehr sozial engagieren, andere wiederrum würden mit dem Geld gerne in ferne Länder reisen oder sich einen langgehegten Traum verwirklichen.

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