Lindauer Verein für Deutsche Schäferhunde feiert Jubiläum

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Isabel Kubeth de Placido

Allen Hunderassentrends zum Trotz: Der Verein für Deutsche Schäferhunde Lindau (SV) wird 70 Jahre alt. Dieses stolze Jubiläum feiert der Verein am kommenden Wochenende mit einem Pokalwettkampf, bei dem Hundesportvereine aus dem ganzen Allgäu auf das große Vereinsgelände am Schönbühl kommen. Die Veranstaltung beginnt um 10.30 Uhr auf dem Übungsplatz. Der Verein hat ein Zelt aufgestellt. Es wird den ganzen Tag in über bewirtet.

„Seit das Vereinsheim hier oben ist, wird es kontinuierlich ausgebaut“, sagt Rosi Müller. Nicht ohne Stolz führt sie durch das zünftige Vereinsheim mit Küche, Tresen, Tischen, überdachter Terrasse und allem, was es eben so braucht für ein geselliges Beisammensein und erklärt: „Wir wollen hier einfach eine schöne Anlage haben und anbieten.“ Sie ist die Schriftführerin des Vereins für Deutsche Schäferhunde Lindau und ihr Mann Christian Müller ist der erste Vorsitzende. Doch der ist gerade draußen auf dem großen Rasenplatz und trainiert mit Anke Wall und ihrem prächtigen, schwarzen Schäferhund, der den eindrucksvollen Namen Enzo vom Reiherwald trägt.

Weit hinaus über den Platz hat der Ausbildungs- und Zuchtwart gerade ein Holzstück geschleudert. Doch Enzo sitzt brav bei Fuß neben seinem Frauchen. Seine Ungeduld ist spürbar und trotzdem lediglich daran abzulesen, dass er Anke Wall flehentlich anschaut. Sekunden vergehen. Endlich gibt sie das ersehnte Zeichen. Enzo rast über den Platz, schnappt sich das Holzstück, springt elegant über eine mannshohe Rampe, um dann mit dem Apportierholz im Maul wieder bei Anke Wall anzukommen und sie erneut erwartungsvoll aus seinen dunklen Augen anzusehen. Diesmal wartet Enzo nicht auf die Erlaubnis zum Spielen, sondern auf ein Leckerli, Streicheleinheiten und lobende Worte. Was für den Hund Spiel ist, ist für den Halter Sport und Hobby zugleich. Insgesamt 36 Mitglieder hat die Ortsgruppe Lindau des Vereins für Deutsche Schäferhunde. Aber wirklich aktiv sind derzeit nur zwischen fünf und zehn Mitglieder, erklärt Christian Müller. Sie trainieren regelmäßig mit dem Ziel, dass ihr Hund eine Ausbildungsprüfung ablegt und sich bei Wettkämpfen misst. Möglich ist dies auf der Regionalebene, aber auch bei Bayerischen oder Deutschen Meisterschaften oder gar bei Weltmeisterschaften. Hierfür bietet die Lindauer Ortsgruppe mit der Fährtenhundeausbildung, der Ausbildung in der Unterordnung und der Ausbildung im Schutzdienst drei wettkampffähige Disziplinen für seine Mitglieder an. Doch um hier erfolgreich zu sein, heißt es dranbleiben. Zweimal die Woche Training, und das mindestens über drei, vier Jahre hinweg, weiß Christian Müller und erklärt schmunzelnd, dass Hundeerziehung ähnlich sei wie Kindererziehung: „Klare Regeln über Jahre hinweg.“ Und das schon ab dem Welpenalter. Wie beim Kind eben: „Krippe, Kindergarten, Grundschule, weiterführende Schule.“ Womit der Verein also eine Art Gesamtschule wäre. In diesem Fall allerdings nur für Mitglieder. Für Hundehalter, die weder einen Schäferhund ihr Eigen nennen, noch Mitglieder sind, bietet der Verein aber auch etwas an. Eine Art Erziehungsgrundkurs, bei dem Hunde jeder Rasse „Basics“ wie an der Leine gehen, Sitz und Platz machen sowie herkommen, wenn sie gerufen werden, lernen. Grundlagen, die für ein Zusammenleben mit dem Menschen unabdingbar sind.

Diese Öffnung für andere gab es jedoch nicht von jeher. „Die ursprüngliche Aufgabe war die Zucht und die Ausbildung der Schäferhunde“, erzählt Christian Müller. Als am 12. Februar 1949 im Aeschacher Hof die Lindauer Ortsgruppe des Deutschen Schäferhundevereins gegründet wurde, war das erklärte Ziel der sechs Gründungsväter, „das Interesse der Hundebesitzer sowie die Aufmerksamkeit der Bevölkerung für den deutschen Schäferhund zu wecken“. Bis der Verein 1958 auf der Rickenbacher Wiese endlich ein eigenes Vereinsheim hatte, fanden die Übungsstunden an den unterschiedlichsten Stellen in und um Lindau statt. Allerdings musste der Verein das Gelände räumen, als die angrenzende Firma Tuflin erweitern wollte. Ein neues Domizil fand der Verein 1974 dort, wo er heute noch ist: am Schönbühl. Aus einer alten Holzbaracke auf einer großen Wiese hatten die Mitglieder nach 1500 Arbeitsstunden ein schickes Vereinsheim samt Übungsgelände aufgebaut, das es in den Folgejahren zu erhalten und auszubauen galt. Was dem Verein durch Großveranstaltungen und gut besuchte Prüfungen, und ebenso aber auch durch attraktive Übungsstunden und einem Kantinenbetrieb gelang. Und zwar bis heute. Und auch, obwohl die wirklich goldenen Zeiten des Vereins eher in den 70er- und 80er-Jahren lagen als heute, wo die Mitgliederzahl nur noch halb so hoch ist wie damals. Woher dies rührt? „Das hat sicher viele Ursachen“, sagt Müller und nennt kleine Wohnungen ebenso wie Trends zu bestimmten Hunderassen als Beispiele. Den wesentlichen Grund jedoch sieht er in einem wesentlichen Umstand: „Man muss eine extreme Liebe haben zu dem Hund und man muss den Sport machen wollen.“

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