Lindauer Skater wollen auf der Insel bleiben

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Skater auf dem Skatepark
Bereits seit Wochen kämpft der Verein Move für den Skatepark. So haben sie schon im April mit Fahnen auf sich aufmerksam gemacht. (Foto: Archiv: cf)
Denise Tatavitto

Teile des Skateparks sollen laut Stadt nun doch in die Gartenschau mit eingebaut werden. Der Verein Move Lindau kämpft dafür, den Skateplatz auf der Hinteren Insel auch nach der Gartenschau zu behalten.

In ihrem Kampf um einen neuen Standort für den Skate- und Bewegungspark gibt es für die Skater neue Entwicklungen. Wie die Pressestelle der Stadt in einem Gespräch mit der LZ bestätigte, werden Teile des Skateparks auf der Hinteren Insel während der Gartenschau erhalten bleiben. Die Geschäftsführerin der Gartenschau Lindau, Claudia Knoll, kam auf die Skater zu, um ihnen anzubieten, die Gartenschau mitzugestalten, denn zu einer Gartenschau gehöre Bewegung. Zudem sei es nicht unüblich, Skateparks in Gartenschauen einzubauen.

Zwar freut diese Neuigkeit Oliver Bender vom Verein Move Lindau sehr, denn durch Knoll haben die Skater die Chance, auch während der Gartenschau auf der Insel zu skaten. Wäre dies nicht der Fall, hätte der Verein bereits ab nächsten Monat keine Möglichkeit mehr zu skaten, denn im September sollte die Räumung des Skateparks auf der Hinteren Insel beginnen.

Das Orga Team von Move Lindau
Wöchentlich trifft sich das Move-Lindau-Orga-Team um den Vorstandsvorsitzenden Oliver Bender (vorne, rechts), um Neuigkeiten auszutauschen. (Foto: Denise Tatavitto)

Doch die Freude hält nicht lange an, denn schon nach der Gartenschau soll der Skatepark endgültig weichen. Der Grund hierfür sei laut Stadtverwaltung der geplante Wohnungsbau auf der Hinteren Insel. Da dieser allerdings erst im Jahr 2025 beginnt und voraussichtlich 10 bis 15 Jahren dauert, sehen die Skater keine Gründe dafür, schon vorher ihren Platz verlassen zu müssen. „Emissionsschutz wird vorgeschoben, um uns loszuwerden“, kommentiert Vorstandsvorsitzender des Vereins Oliver Bender.

Doch laut den Skatern gebe es inzwischen viele Möglichkeiten, einen Skateplatz mit modernen Materialien und speziellem Asphalt leiser als Regen zu gestalten. Im Gespräch mit der LZ begründete Patricia Herpich von der Pressestelle die Räumung des Skateplatzes mit Lärmschutz. Auch wenn der Wohnungsbau erst in sechs Jahren beginnt, fange die Erschließung des Grundstücks schon nach der Gartenschau an. Damit die Sakter nicht ständig umziehen müssten, wolle die Stadt einen fixen Standort für einen Skate- und Bewegungspark errichten.

Doch diese Erklärungen reichen den Skatern nicht. „Wir wollen endlich fachlich fundierte Argumentationen von der Stadt hören, warum wir von der Insel weg müssen“, sagt Bender. Es mache die Skater sauer, dass die Stadtverwaltung den Skatepark von der Hinteren Insel streiche, obwohl sie mit modernen Rampen noch mindestens sechs Jahre dort bleiben könnten. Deshalb habe die Hintere Insel erst einmal Bestand für die dreißig aktiven Skater und fünfzig Vereinsmitglieder, denn bis der Skatepark endgültig weg müsse, wollen sie da bleiben, wo schon immer Treffpunkt der Skater war.

„Wir haben das Gefühl, nicht willkommen zu sein“, sagt Bender. Die Stadtverwaltung möchte den Skateplatz nach Zech verlegen. Dieser Standort kommt für die Skater jedoch nicht in Frage, denn dort gebe es viel zu wenig Platz für einen Skate- und Bewegungspark, wie sie ihn geplant hatten. „Ein Skatepark würde als Minimallösung ausreichen, ist aber definitiv nicht unser Ziel“, verdeutlicht Bender.

Denn der Verein wolle einen Bewegungspark für jung und alt errichten, mit Rampen, Freiflächen für Pilates und Yoga, Outdoorfitnessgeräten, Boulderwänden und Grillplätzen. Außerdem sei dem Verein eine zentrale Lage in der Stadt und eine gute Erreichbarkeit für Familien wichtig, was sie in Zech nicht gegeben sehen. Das sieht die Stadtverwaltung anders. Jürgen Widmer von der Pressestelle sagte der LZ, in Zech gebe es ein großes Potenzial an Nutzern, da viele Familien in der Umgebung wohnen würden, des Weiteren gebe es eine gute Stadtbusanbindung und man würde den Skatepark zur Straße abgrenzen.

Der Verein empfindet das aber als eine Abschiebung und verliert immer mehr den Glauben daran, dass die Stadtverwaltung den Skatern hilft. Offensichtlich bestehen erhebliche Missverständnisse: Während Herpich von einem guten Einvernehmen zwischen Verwaltung und Move Lindau spricht, machen die Skater im Gespräch mit der LZ ihrem Ärger Luft. Sie äußern Verständnis dafür, dass die Stadt den Giebelbach als möglichen Standort für den Bewegungspark ablehnt, denn Naturschutz liege ihnen am Herzen. Doch das Verlassen der Hinteren Insel vor 2025 und das Abschieben nach Zech will der Verein nicht einfach so hinnehmen.

Move Lindau schlug der Stadt noch weitere Flächen vor, auf denen sie einen Bewegungspark bauen könnten, unter anderem die Wiese gegenüber der neuen Feuerwache, wie die Stadt bestätigte. Das Bauamt sehe diese Fläche als einen möglichen Standort an und sei momentan in Prüfung. Trotzdem wollen die Skater angesichts der Neuigkeiten mit der Gartenschau nun dafür zu kämpfen, dass sie bis zum tatsächlichen Beginn des Wohnungsbaus auf der Insel bleiben zu dürfen. „Wir gehen jetzt in die Offensive“, sagt Bender, denn er sieht keine Gründe mehr gegen einen Skatepark auf der Insel.

Zudem befürchtet der Verein, dass Nachbarn einen Bewegungspark im Heuried verhindern könnten, denn das Skaten sei noch immer mit Vorurteilen behaftet. „Skaten ist keine Randsportart mehr“, sagt Bender. Im Jahr 2020 werde die Sportart olympisch, und bis jetzt gebe es noch keine Lindauer in regionalen Meisterschaften. Durch den Ausbau moderner Rampen könne sich das vielleicht ändern.

Der Verein gebe sich auch Mühe, Vorurteile durch regelmäßige und öffentliche Workshops zu beseitigen. Die Skater seien nicht nur Jugendliche, der Verein bestehe auch aus vielen Familien und Erwachsenen. „Die Proleten, die auf der Hinteren Insel unterwegs sind und ihre Bierflaschen auf den Skateplatz werfen gehören nicht dazu“, erklärt Bender.

Doch um das Glaubhaft zu machen, helfe nur Begegnung, und deshalb sei dem Verein ein Bewegungspark wichtig, den alle nutzen können, sagt Bender: „Lindau ist nicht nur ein Platz für Rentner, hier wohnen so viele junge Familien.“

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