Lindauer Isle of Music: Viele Lokale bleiben längere Zeit leer

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Christian Flemming

Als ein Wechselbad der Gefühle könnte das 21. Lindauer Kneipenfestival „Isle of Music“ umschrieben werden. Ein Wechselbad für diejenigen, die sich nicht zu schade waren, bei winterlichen Temperaturen und Regenschauern über die Inselvon Kneipe zu Kneipe zu ziehen, um sich dort möglichst schnell der warmen Klamotten zu entledigen, da dort behagliche bis heiße Temperaturen herrschten. Aber auch ein Wechselbad in Bezug auf das, was einen in den verschiedenen Örtlichkeiten erwartete. Und nicht zuletzt ein Wechselbad für die Wirtsleute, die bei der Isle of Music teilgenommen haben.

Denn dieses Mal konnte längst nicht jeder der Teilnehmer zufrieden sein, eine Reihe Lokale waren fast leer, zumindest über längere Zeit. Was sicher nicht an der Musik lag, wie ein Rundgang durch eine Reihe der Lokale zeigte.

So beispielsweise im Deck 12, wo „Los Criolos“ richtig gute Salsa, Merengue und Cumbia spielten, aber das Personal genügend Zeit und Raum hatte, selbst das Tanzbein zu schwingen. Das wäre bei besserem Wetter sicher anders gelaufen. Nebenan, in der Loge 1 im Parktheater, wo Mayra Leon mit ihrem musikalischen Partner lange um gemeinsame Tonarten suchte, waren die Scheiben aufgrund der nassen Kälte vollkommen beschlagen, die schmale Bar war zu dieser Zeit gut gefüllt, Platz zum Tanzen kaum vorhanden. Hier erwartete die Freunde der Musik Jazz, Pop, Reggaeton und Bar-Music und als die beiden sich gefunden hatten, klang das auch richtig gut.

Derweil gab es im Gasthof Stift jede Menge Platz zum Sitzen oder auch zum Tanzen, egal wie sich „Käs & Roll“ auch abmühten und einen Partyhit nach dem anderen raushauten. Besser sah es gegenüber im Barista aus, wo Michel & Friend mit Gesang, Gitarre und Schlagzeug ihr Publikum das Wetter draußen vergessen machten. Als überfüllt konnte man das Lokal aber auch nicht bezeichnen. Also ab Richtung Grub, wo zumindest einige Menschen auch auf der Gasse zu sehen waren, darunter die obligatorischen Junggesellenabschieds-Gesellschaften, die solche Feste gerne als Anlass nehmen, umherzuziehen. Hier, im Schlechterbräu bei Wissingers, war die erste Station, wo man nur mit viel Geduld durch die Massen bis zur Musik vorstoßen konnte. „The Jags“ machten hier ordentlich Druck mit handfester Rockmusik aus den 1960er-, 1970er- und teilweise 80er-Jahren, wobei der Schwerpunkt schon eher auf den beiden erstgenannten Jahrzehnten lag. Die vier Herren, die diese Musik aus ihrer Jugend kennen, überzeugten aber nicht nur Gleichaltrige, auch die Jüngeren gingen vollkommen begeistert mit. Die vier Musiker machten das aber auch richtig gut und die alten Fendergitarren und der Bass, ergänzt vom Schlagzeug ohne irritierende Synthesizergeräusche, kamen doch sehr authentisch rüber. Eine Stimmung, die an vergangene Zeiten erinnerte, als im New Orleans bei der Isle noch richtig gerockt wurde. Dort steht heute ein Lebensmittelmarkt.

Allmählich ließ draußen der Regen nach, kalt blieb es dennoch. Und so wollten einfach nicht mehr auf die Insel kommen. Wobei, auch im Treibgut passten nicht viel mehr Gäste rein. Hier sorgten The Tuesdays Four mit American Roots Music und Rockabilly-Swing für Unterhaltung, die Tanzbeine blieben doch weitgehend ruhig. Kleinere Lokale wie das Coco Loco oder die Seaside Bar waren derweil rappelvoll und musikalisch von Alleinunterhaltern wie Elmar W. oder Songman beschallt.

Im Terrassensaal des ehemaligen Nana, dem künftigen Ottino, herrscht derweil ausgelassene Stimmung unter dem altersmäßig vollkommen gemischten Publikum. Aber selbst hier ist reichlich Platz. Es wird getanzt, mitgesungen oder einfach die Musik genossen, die hier von der Lindenberger Hillside Band gespielt wird. Mit Rock, Blues, Funk und Soul begeistern die Mannen mit Sängerin Shirin Abdel-Aziz ihr Publikum, das zum Großteil hier gleich Wurzeln geschlagen zu haben scheint, denn kaum einer will von hier noch weiterziehen. Mittlerweile ist es ja auch weit nach Mitternacht, die Security-Mitarbeiter haben längst das Weite gesucht um sich woanders aufzuwärmen. Und im Stift spielen sich Käs & Roll noch immer die Seele aus dem Leib, vor vorwiegend leeren Plätzen. Schade eigentlich.

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