Lindauer im Krieg an Gräueltaten beteiligt

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Oberleutnant (Ic) Karl-Heinz Rothfuchs bei einer Einsatzbesprechung gegen das verbliebene italienische Militär auf der griechisc
Oberleutnant (Ic) Karl-Heinz Rothfuchs bei einer Einsatzbesprechung gegen das verbliebene italienische Militär auf der griechisc (Foto: Repro: Karl Schweizer)
Schwäbische Zeitung
Karl Schweizer

Mit dem Weltfriedenstag am 1. September gedenken Deutsche jährlich des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs. Ein Land, das im Zweiten Weltkrieg unter der deutschen Besatzung litt, war Griechenland. Ein Soldat aus Lindau war als Schreibtischtäter an den Gräueln beteiligt.

Karl-Heinz Rothfuchs leistete in den Anfangsjahren des NS-Regimes in Lindaus Kasernen seinen Grundwehrdienst in der Wehrmacht ab. 1933 war er in die NSDAP und die SS eingetreten. Im April 1936 wurden die beiden in Lindaus Peronne- (heute Luitpoldpark) und Bram-Kaserne (heute Maxhof) stationierten Kompanien 9 und 11 des 19. Infanterieregiments abgezogen und in Garmisch-Partenkirchen in die seit 1935 im Aufbau befindliche erste Gebirgsdivision der NS-Wehrmacht integriert worden. Genannt „Edelweiß-Division“ bezeichnete Adolf Hitler die 15000 Mann starke Divison einmal als seine „Garde-Division“.

Unter dem Kommando von Generalleutnant Walter Stettner Ritter von Grabenhofen war sie im Juli 1943 als Teil des XXII. Gebirgs-Armee-Korps nach Nordwestgriechenland in die Region Epirus verlegt worden. Dort sollte sie eine vom deutschen Generalstab erwartete Invasion der Westalliierten an der Küste abwehren.

Der 32-jährige Jurist Karl-Heinz Rothfuchs rückte als Kriegsfreiwilliger im Range eines Oberleutnants am 1. Januar 1943 in die Führungsspitze dieser ersten Gebirgsdivision auf, hatte im Stabe von Oberst Stettner als dritten Generalstabsoffizier (Ic) die Führungsabteilung „Feindlage und Bandenbekämpfung“ unter sich und formulierte als Schreibtischtäter Aktionsvorschläge.

Die Dorfbevölkerung schlief größtenteils noch

Am Donnerstag, 16. August 1943, kletterten etwas über hundert deutsche Wehrmachtssoldaten des 98. Regiments der ersten Gebirgsdivision vor dem Dorfeingang von Kommeno im Nordwesten Griechenlands am Golf von Arta gelegen von ihren Lastwagen. Die Dorfbevölkerung schlief größtenteils noch, da der vorhergehende hohe griechisch-orthodoxe Feiertag bis spät in die Nacht festlich begangen worden war. Der befehlshabende Offizier erteilte die Anweisung, das Dorf einzukreisen und alle bekannten Wege aus dem Dorf mit bewaffneten Posten zu decken. Das Abfeuern von zwei Leuchtraketen eröffnete die Aktion.

Jugoslawien und Griechenland waren in Zusammenarbeit mit den Armeen des faschistischen Italiens Mussolinis sowie Ungarns seit dem 27. März 1941 von Deutschen Truppen angegriffen und besetzt worden. Zuvor waren britische Truppen in Griechenland gelandet. Lindaus NSDAP-Kreisschulungsleiter und Hauptlehrer Hamp hatte bereits am Tag nach dieser erneuten Kriegsausweitung bei der NSDAP-Zellenversammlung der Ortsgruppe Lindau-Altstadt die damit verbundene Zielsetzung formuliert, indem er „die neuesten Ereignisse einer verständnisvollen Betrachtung unterzog und in seinem Ziel immer wieder den Führungsanspruch Deutschlands in Europa betonte.“

Was dies im griechischen Dorf Kommeno am 16. August 1943 für Folgen hatte, fasste Mark Mazower Jahre später in diese Worte: „Bei dem folgenden Blutbad brachten die Soldaten 317 Menschen unterschiedlichen Alters, Männer wie Frauen, von insgesamt knapp über sechshundert Einwohnern um. Die meisten, die fliehen konnten, entkamen über einen unbewachten Fußpfad, der durch hohes Schilf an den Fluss führte, den sie schwimmend überquerten.

Bei den Deutschen gab es keine Verletzten, und die Sanitäter standen untätig um die Lastwagen herum, von wo aus sie die Schießerei hören konnten und die Häuser des Dorfes in Flammen aufgehen sahen. Nach etlichen Stunden hörten die Schüsse auf, und während die Sturmtrupps im Schatten der Orangenbäume Rast machten, zogen Hilfstruppen in das Dorf ein, um das Vieh, das Geflügel und das Haushaltsgerät der Dorfbewohner zu beschlagnahmen.“

Der am nächsten Tag aus dem Büro des Ic Rotfuchs an den Generalstab gesandte Morgenbericht verdrehte diese Mordaktion mit folgenden Worten: „1 Kompanie, Gruppe Salminger Kommeno (nördlich Golf von Arta) gegen heftigen Widerstand gestürmt. Beim Abbrennen des Ortes große Mengen Munition vernichtet. 150 tote Banditen, ein Teil der Banditen nach Südosten entkommen.“

Allein im Juli und August 1943 zerstörte die erste Gebirgsdivision in Griechenland und Südalbanien 184 Ortschaften mit rund 3900 Häusern und tötete dabei 1287 griechische und 472 albanische Zivilisten – bei insgesamt 22 deutschen Gefallenen.

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