Lindauer Friedensräume gelten als ein Kraftort

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 Sie haben die neue Saison der Lindauer Friedensräume eröffnet: Waltraud Bube vom Leitungsteam der Friedensräume, der stellvertr
Sie haben die neue Saison der Lindauer Friedensräume eröffnet: Waltraud Bube vom Leitungsteam der Friedensräume, der stellvertretende Landrat Johann Zeh, Bezirkstagsvizepräsidentin Barbara Holzmann, die Vorsitzende des Freundeskreis der Friedensräume Gertrud Fersch, Friedensräume-Koordinatorin Cornelia Speth und Eröffnungsreferent Dr. Christian Boeser-Schnebel. (Foto: Isabel Kubeth de Placido)
Isabel Kubeth de Placido

Die Friedensräume sind wieder geöffnet: Mit einer Matinee und einem Festvortrag sind die Friedensräume in der Lindenhofvilla in die neue Saison gestartet. Dass die Friedensräume ein Kraftort und längst nicht überholt sind, betonten nicht nur zahlreiche Redner, sondern es zeigte sich gleichermaßen im Ansturm der Besucher.

„Die Friedensräume Lindau sind ein wunderbarer Ort, sie sind ein Kraftort auf allen Ebenen“, sagte Barbara Emrich. Mit dieser Meinung steht die Vorsitzende von Pax Christi Augsburg, der der Trägerverein der Friedensräume ist, nicht allein da. So sind mehr Freunde der Friedensräume gekommen, als der repräsentative Saal in der Villa Lindenhof mit herrlichem Blick auf den See zu fassen vermochte.

Warum heutzutage und vielleicht sogar mehr denn je solche Kraftorte wie die Friedensräume von Bedeutung sind, schilderten die zahlreichen Redner. Barbara Emrich jedenfalls war sich sicher, dass sie in einer Welt der Gegensätze notwendig sind. „Wir brauchen solche Kraftorte dringend im Kräftefeld zwischen Frieden und Krieg, Gewaltlosigkeit und Gewalt, Willkommenskultur und Rassismus, ökologischer Zukunftsbewegung und Umweltzerstörung“, sagte sie. Und appellierte an die Besucher, den Aufruf „Rettet das Friedensprojekt Europa“, der sich für eine Europäische Union ausspricht, zu unterstützen und bei der bevorstehenden Europawahl wählen zu gehen.

Denn in der heutigen Zeit, in der die Kriegsrhetorik wieder lauter werde und Populisten Menschen- und Völkerrechte torpedierten, sei es wichtig sich einzumischen und Position zu beziehen – und zwar für Menschenrechte, Demokratie und Gewaltfreiheit. „Dazu ist es notwendig, uns zu stärken, zu diskutieren, zu streiten, uns zu vergewissern und uns weiterzubilden.“

Auch Bezirkstagsvizepräsidentin Barbara Holzmann ging auf die Bedeutung der Friedensräume ein. „Es zeigt, dass eigentlich jeder bei sich selbst anfangen kann Frieden zu verwirklichen“, sagte sie und fügte an, dass das „Kleinod“ Friedensräume ja eigentlich „fast ein bisschen aus der Zeit“ gefallen scheine. Schließlich währe der Friede in Europa schon lange. Eine Tatsache, der sich wohl eher die älteren Generationen denn die jüngeren bewusst seien. Doch „ich glaube, wir erliegen einer Fehlannahme, wenn wir uns nicht um den Frieden kümmern“. Angesichts der Krisenorte der Welt, aber auch wegen des Wiedererstarkens des Rechtspopulismus in vielen europäischen Ländern wünschte sich Holzmann „Friedensräume allerorten“. Darum und schon allein um den Rechtspopulisten keine Chance zu geben, rief auch Barbara Holzmann dazu auf wählen zu gehen.

Dass das Thema Frieden sehr wohl und immer noch ein „Megathema“ und keineswegs selbstverständlich ist, betonte auch Oberbürgermeister Gerhard Ecker. „Frieden muss mit großen Anstrengungen erhalten werden“, sagte er und betonte, dass Friede nicht nur eine politische Frage, sondern gleichermaßen eine innere Haltung sei. Die Bedeutung der Friedensräume liegt für ihn darin, dass diese international wahrgenommene Einrichtung eben genau an einer solchen Haltung arbeite.

Starke Bürger, starke Gesellschaft

Dass es für Frieden einer starken Gesellschaft bedarf und dafür wiederum starke, aufgeklärte Bürger, das machte Christian Boeser-Schnebel klar. In seinem Festvortrag „Starke Bürger, starke Gesellschaft – warum wir beides brauchen“ verdeutlichte er, dass sich in Deutschland zum einen Aufbruchsphänomene zeigen, wie etwa die Zunahme von ehrenamtlichem Engagement, zum anderen jedoch auch Krisenphänomene. Dabei stellte er die Spaltung der Gesellschaft in zentralen politischen Fragen ebenso fest wie eine abnehmende Dialogbereitschaft und -fähigkeit.

Doch genau in der „offenen Auseinandersetzung mit Andersdenkenden“ und damit einer Streitkultur ohne Feindseligkeiten, die durch Bildung, aber auch durch richtiges Zuhören erreicht werde, sieht er den Ansatz zur Stärkung des Bürgers und der Gesellschaft. Eine freie Gesellschaft, die zusammengehalten wird durch Beteiligung und Identifikation und die Vertrauen sowohl in den Staat als auch in die Bürger hat.

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