Lindauer Bürger mögen ihre neue Inselhalle, mit Ausnahmen

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Nicht alle sind vom grünfreien Therese-von-Bayern-Platz begeistert.
Nicht alle sind vom grünfreien Therese-von-Bayern-Platz begeistert. (Foto: Christian Flemming)
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62 Millionen Euro Kosten, mehr als zwei Jahre Bauzeit, 46 verschiedene Raum-Varianten: Die Inselhalle ist ein Projekt der größten Größenordnung in Lindau. Am Mittwoch wurde die Halle offiziell im Beisein des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder eingeweiht. Auch Bürger aus Lindau waren dabei. Wie finden die eigentlich die neue Halle?

„Mir gefällt’s“, sagt die Lindauerin Tine Hecht, die zum ersten Mal in der Inselhalle ist, „die Halle ist wesentlich heller und größer, als früher.“ In die Umgebung, mit Altstadt und See, füge sie sich sehr gut ein. Hecht finde es wichtig, dass die Nobelpreisträgertagung durch den Neubau in Lindau bleibe. Sie hoffe, dass die Halle jetzt auch noch andere Tagungen nach Lindau ziehe. Aber auch die Lindauer Vereine sollten ihrer Meinung nach in der Halle zum Zug kommen. „Ich geh mal davon aus, dass die kostengünstig die Möglichkeit zu Veranstaltungen bekommen“, sagt sie.

Hechts Schwiegervater ist auch zur Einweihung der Halle gekommen. Insgesamt sei das Gebäude „ganz schön“, sagt Anton Hecht, nur das Rot außen gefalle ihm nicht so richtig. Innen sei die Halle dagegen schön hell und aufgelockert. Anton und Tine Hecht sind beide der Meinung, dass noch eine Begrünung des Therese-von-Bayern-Platzes vor der Halle fehlt. „Auf den Platz gehören ein paar schöne Platanen“, findet Anton Hecht, „bei der Hitze heizt sich der Beton sonst so auf.“

Dass die Inselhalle deutlich teurer geworden ist, als die geplanten 40 Millionen Euro, finden Hecht und seine Schwiegertochter beide problematisch. „Da sollte man mal eine Doktorarbeit drüber schreiben, warum kommunale oder staatliche Projekte immer teurer werden, als geplant. Ein Normalbürger versteht das nicht,“ sagt Anton Hecht.

Offen gestaltet und toll gelegen

Elke Wimmer ist Wissenschaftlerin und am Mittwoch zum ersten Mal in der Inselhalle. Sie sei viel auf Kongressen unterwegs und könne deshalb die Halle aus dieser Perspektive gut bewerten. Sie ist begeistert. Die Halle sei sehr offen gestaltet und toll gelegen. See und Gebäude fügten sich in einem Fluss zusammen. Die Nähe zur Innenstadt mit den vielen Hotels sei perfekt für einen Kongress. „Das ist ein tolles Ambiente hier, und gleichzeitig haben 2000 Tagungsteilnehmer Platz.“ Das koste halt auch etwas, findet sie.

Ihr Mann, Sven Irlinger, ist Bauingenieur und derselben Meinung. „Das ist ja ein Projekt für die Allgemeinheit.“ Die Steuern der Lindauer würden bei diesem Projekt in der Stadt bleiben und nicht abfließen. Die Halle komme ja nicht nur der jetzigen Generation zugute, sondern auch den Kindern und Enkelkindern. „Ich finde die Halle wunderbar“, sagt er. Sie sei gut aufgeteilt, und die Transparenz zum See hin sei toll. Super sei es auch, dass die Halle nicht nur für Tagungsgäste zur Verfügung stehe. Durch das Restaurant „Deck 12“ werde die Halle öffentlich zugänglich.

Aber auch Wimmer und Irlinger finden, dass der Platz vor der Halle noch etwas mehr Leben braucht. Elke Wimmer denkt da an Skulpturen oder eine Begrünung. „Das wird noch eine Aufgabe sein“, sagt ihr Mann, „aber das ist ja alles noch neu. Dem Platz müssen wir noch eine Chance geben, sich zu entwickeln.“

Die Rentner Martin und Luise Mayer sind gebürtige Lindauer und finden die Halle mit ihren kurzen Wegen in die Stadt „ganz toll“. Sie erinnern sich noch, dass das der Standort der Inselhalle im zweiten Weltkrieg als Lazarett genutzt wurde, später für Tanzveranstaltungen. Ihnen gefällt der nun neue, ganz eigene Stil der Halle: modern, aber durch das viele Holz nicht zu modern. „Der große Saal hat eine tolle Dachkonstruktion“, sagt Martin Mayer.

Schlechte Akustik

Wenn es etwas zu kritisieren gebe, dann die Akustik in der Halle. „Die Anlage wurde im Voraus hochgejubelt, ich habe aber bei der Veranstaltung kaum etwas verstanden“, sagt Martin Mayer. Im hinteren Teil des großen Saals bräuchte es noch Lautsprecher, findet Martin Mayer. Den Eindruck bestätigt auch Annemarie Beck. Sie ist Gemeinderätin in Wasserburg. „Gerade für Ältere ist es schwer, etwas zu verstehen.“ Generell findet sie aber, dass der gesamte Bau eine beachtliche Leistung ist. „Da musste sich die Stadt immer wieder beim Finanzminister dafür einsetzen“, sagt sie.

Auch Martin Mayer findet das: Die Stadt müsse dem bayerischen Staat, der rund 30 Millionen Euro zugeschossen hat, dankbar sein. Die Intention, der Nobelpreisträgertagung damit in Lindau auch künftig einen Tagungsort zu bieten, sei aufgegangen. Gleichzeitig findet er: „Gut, dass auch der Bahnhof auf der Insel bleibt“, sagt Martin Mayer. Dadurch habe die Insel mitsamt Halle eine gute und attraktive Anbindung. Vor allem auch für die Teilnehmer der Nobelpreiträgertagung sei das wichtig, denn die „tragen halt in die Welt hinaus, was hier in Lindau passiert.“

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